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Die Erdöl-Raffinerie Cressier und die Energiewende
Aus Trend vom 19.06.2020.
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Was kommt nach dem Erdöl? Cressier – die letzte Erdöl-Raffinerie der Schweiz

Die Schweiz ist stark von Erdöl abhängig, stärker als die meisten europäischen Länder. Rund 40 Prozent der Primärenergie kommt aus Erdöl. Doch die Nachfrage stagniert. Autos fahren elektrisch, es gibt Wärmepumpen. Die einzige Erdöl-Raffinerie der Schweiz steht vor grossen Herausforderungen.

Ein Gewirr von Rohren, überall grosse Destillationstürme und in der Mitte ein rot-weiss gestreifter riesiger Kamin. Die Raffinerie Cressier sticht ins Auge – sowohl von der Autobahn als auch vom Zugfenster aus.

Hier am Jura-Südfuss werden knapp drei Millionen Tonnen Erdöl raffiniert pro Jahr. Auf dem Gelände ist es laut und es riecht nach Öl. Weil Explosionen fatale Folgen haben könnten, gelten strengste Sicherheitsvorkehrungen: Nur wer Helm, Schutzbrille, Schutzanzug, Sicherheitsschuhe und Handschuhe trägt, kommt hier rein.

Reinout Houttuin, seit fünf Jahren Direktor der Raffinerie, führt durch deren zentrale Strasse: Links stehen die Öfen, rechts die Destillationssäulen, in denen das Rohöl erhitzt wird, sodass unterschiedliche Produkte gewonnen werden können – vom Heizöl über Diesel und Kerosin bis zum Benzin.

Die Raffinerie, stellt nicht nur Produkte her, die später beim Verbrennen klimaschädliche Treibhausgase freisetzen: «Zwischen 350 und 400'000 Tonnen CO2 stossen wir jedes Jahr aus. Damit sind wir ein grosser Emittent», räumt Raffinerie-Direktor Reinout Houttuin ein.

Das ist fast ein Prozent des Gesamtausstosses der Schweiz. Ein Teil der Emissionen kompensiere die Raffinerie. Zudem gehört sie zu den Firmen, die mit dem Bund ein Programm zur kontinuierlichen Reduktion des Ausstosses vereinbart haben. Reinout Houttuin kann sich auch gut vorstellen, hier in Cressier künftig Treib- oder Brennstoffe aus anderen Grundstoffen als Erdöl zu produzieren, zum Beispiel aus Biomasse.

«Schweizer Öl» aus Nigeria

Aktuell aber dreht sich noch alles ums Erdöl. Dieses wird von Marseille über eine Pipeline nach Cressier gepumpt. Ursprünglich kommt schon seit Jahren der grösste Teil des «Schweizer Öls» aus Nigeria.

Warum Nigeria? «In der Regel stimmt der Preis des nigerianischen Öls. Zudem ist es dank seiner Leichtigkeit sehr geeignet für unsere Produktionsprozesse», erklärt Reinout Houttuin.

Allerdings hat die Erdölförderung in Nigeria verschiedentlich negative Schlagzeilen gemacht – Umweltkatastrophen im Nigerdelta, Kriminalität und Korruption seien die Folge einer einseitigen Ausrichtung auf Öl und Gas im bevölkerungsreichsten Land Afrikas, sagt Robert Kappel, Ökonom und Professor am Institut für Afrikastudien der Universität Leipzig.

«Erdölimportierende Länder wie die Schweiz haben sich lange wenig darum gekümmert, was vor Ort passiert. Sie sind heute gefordert, eine nachhaltige Entwicklung in den Produktionsländern wie Nigeria zu unterstützen.»

Man arbeite nur mit vertrauenswürdigen Lieferanten zusammen und prüfe diese regelmässig, heisst es dazu bei VaroEnergy, der Besitzerin der Raffinerie in Cressier.

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Meier  (Danimeier)
    Nach dem Ende des Erdöls kommt der Zerfall der Gesellschaft.
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  • Kommentar von Lily Mathys  (Alle vergeben)
    Der Schuss gegen das Erdöl zielt quasi nur auf Kraftstoffe. Darf ich fragen, wie denn Olefine ersetzt werden? Sie kennen Vaseline oder Kerzen (Paraffin), biologisch durch Palmöl ersetzt. Die meisten meiner Medikamente basieren auf Öl. Ohne Öl wird die ganze Hygiene in Spitälern bis Küchen ins Mittelalter katapultiert. Die meisten Schweizer Heizen mit Öl und fahren Verbrenner. und können sich weder E-Auto noch Wärmepumpe leisten. Esel sind natürlich günstige Alternative.
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    1. Antwort von Noah Schmid  (Schmid)
      Den Ölverbrauch für Medikamente etc. können Sie vernachlässigen.
      Das sehen Sie z.B. daran, dass Sie Medikamente problemlos in den Hosensack stecken können und einen 2000 Liter Ölheizungstank nicht.
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    2. Antwort von Thomas Trefzer  (ttre)
      @ Lily Mathys
      Klar, Sie haben Recht. Es geht nicht nur um Heizöl, Diesel und Benzin. Es ist aber so, dass die durch Sie aufgezählten medizinischen und kosmetischen Produkte bzw. deren Grundstoffe vermutlich nur im Ausnahmefall bzw. gar nicht in der Schweiz produziert werden. Schade wäre es auf jeden Fall wenn die Raffinerie schliessen müsste. Egal wie man das aus ideologischen Gesichtspunkten betrachtet.
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    3. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Falls wir rechtzeitig aufhören das Erdöl zu verbrennen, reicht es danach noch für ein paar Milliarden Jahre aus um Paraffine, Medikamente usw. herzustellen. Noch viel bedeutender aber wäre die Produktion von Kunststoffen aller Art, für die wir diesen wertvollen Rohstoff auch benötigen. Deshalb um so mehr: Sofort aufhören mit dem Verbrennen. Übrigens kommt das Heizen mit Wärmepumpe nicht teurer!
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  • Kommentar von Andreas Müller  (Hugh Everett)
    Der Satz "Autos fahren elektrisch" müsste wohl eher heissen: "0.6% der zugelassenen Autos in der Schweiz fahren elektrisch (Quelle Bundesamt für Statistik)" oder evtl. "ein nicht relevanter Teil der Schweizer Autos fahren elektrisch". Der Einfluss auf die Benzin- und Dieselproduktion dürfte somit marginal sein.
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    1. Antwort von Sebastian Krüger  (Sebastian Krüger)
      Um das zu verstehen darf man wohl mal etwas in die Zukunft denken und Prognosen einschlägiger Experten ansehen.
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    2. Antwort von Noah Schmid  (Schmid)
      Der E-Auto Anteil bei den Neufahrzeugen beträgt 8% und das jährliche Wachstum 45%. Das heisst rein mathematisch betrachtet, wird der Anteil in 5 Jahren bereits bei über 50% liegen. Da die Schweizer alle 5 Jahre das Auto wechseln, wird der Anteil an elektrischen Autos in 10 Jahren eher bei über 50% als bei 0.6% liegen.
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    3. Antwort von Andreas Müller  (Hugh Everett)
      Die Aussagen in obigen Artikel beziehen sich auf die Gegenwart und wie diese Aussieht können wir leicht nachlesen. Die Zukunft kennt niemand. Das eAuto hat derweil immer noch signifikante Nachteile, wie etwa die Reichweite. Aus diesem Grund wird es wohl noch eine Generation dauern bis der Anteil an Verbrennungsmotoren wirklich abnimmt.
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    4. Antwort von Patrick Charpilloz  (Skeptiker)
      Neuere Elektroautos, die auf den Markt kommen haben eine Reichweite um die ca. 300 km (realistisch). Das reicht sicherlich für 90% der Autofahrer. Neu arbeiten die E-Autohersteller an Reichweiten, die sie mit 1000 km beziffern (denke diese wird realistisch bei ca. 700 - 800 km liegen). Damit hätten sie eine grössere Reichweite als normale Benziner und könnten jeden davon ersetzen. Es ist also tatsächlich davon auszugehen, dass in ca. 5 Jahren die 50%-Marke beim Anteil Elektroautos geknackt wird.
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    5. Antwort von Andreas Müller  (Hugh Everett)
      Mein VW Sharan Diesel hat eine Reichweite von 1250 km pro Tankfüllung. Damit kann kein Elektroauto auch nur annähernd mithalten. Sie vergessen, dass es auch viele professionelle Autofahrer gibt, die heute nach Genf und Morgen nach Luzern fahren müssen und Tags darauf nach Zürich. Mit Elektroautos reine Illusion. Akkus werden das auch vorläufig nicht leisten können, da deren Energiedichte viel zu niedrig ist.
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    6. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Hr. Müller: Das Szenario das Sie da aufzeigen, mit den Fahrten an verschiedene Plätze in der Schweiz, ist für ein heutiges Elektroauto kein Problem. Die heutigen Akkus leisten das problemlos, obwohl es natürlich viel besser wäre, wenn sie leichter gebaut werden könnten. Für Leute die wirklich grosse Recichweiten benötigen (gibts auch ist aber nicht Ihr Szenario) werden mit gewaltigem Einsatz Brennstoffzellen entwickelt.
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