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Wirtschaft leidet unter dem Coronavirus
Aus Echo der Zeit vom 03.03.2020.
abspielen. Laufzeit 03:22 Minuten.
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Wegen Coronavirus US-Notenbank reagiert schneller und stärker als erwartet

Die US-Notenbank senkt ihren Leitzins – völlig überraschend. Das sind keine guten Nachrichten für die Schweiz.

«Schon wieder», ist man geneigt zu denken. Schon wieder senkt die amerikanische Notenbank Fed ihren Leitzins. Und das scheinbar ohne Not. Bereits im letzten Jahr hatte sie den Leitzins dreimal gesenkt, um jeweils 0.25 Prozentpunkte, obwohl die US-Wirtschaft eigentlich relativ robust dasteht.

Nach den drei Zinssenkungen hatte Fed-Chef Jerome Powell denn auch signalisiert, vorläufig nicht weiter an der Zinsschraube zu drehen – weder rauf noch runter. Mitte Februar meinte er gar, er sehe derzeit keinen Grund, warum der Aufschwung der US-Wirtschaft sich nicht fortsetzen sollte.

Alles anders durch Coronavirus

Knapp drei Wochen später ist alles anders: Die Dynamik, mit der sich das Coronavirus verbreitet, ist beeindruckend. Es setzt der Wirtschaft weltweit zu: Industrieunternehmen beklagen Lieferengpässe, Airlines stornieren ganze Flugrouten, Tourismusregionen beklagen, dass die Gäste aus Furcht vor dem Virus zuhause bleiben.

Der US-Wirtschaft geht es zwar immer noch relativ gut. Dennoch senkt Jerome Powell die Zinsen, proaktiv, schneller und stärker als erwartet. Er senkt die Zinsen um einen halben Prozentpunkt. Fed-Chef Powell begründet seine Massnahme mit den Risiken, die vom Coronavirus auf die US-Wirtschaft ausgehen.

Good News für US-Präsident Trump

Das Fed agiert eigentlich unabhängig. Und doch stellt sich die Frage: Reagiert das Fed mit seinem Schritt auf die Forderungen von US-Präsident Donald Trump? Der dürfte sich über die deutliche Zinssenkung freuen. Schliesslich hatte er in den letzten Wochen und Monaten mehrfach genau eine solche Zinssenkung gefordert. Trump hofft, dass dadurch Wirtschaft und Finanzmärkte gestützt werden. Beides wäre gut für seinen Wahlkampf ums Präsidentenamt Ende Jahr.

Pikanterweise doppelt Trump per Tweet nach dem Zinsentscheid des Fed nach: Die Zentralbank müsse ihre Geldpolitik noch weiter lockern und den Leitzins noch stärker absenken. Der politische Druck auf die US-Notenbank wird also anhalten.

Bad News für die SNB

Für die Schweizerische Nationalbank (SNB) ist die erneute Zinssenkung in den USA eine schlechte Nachricht. Durch die geldpolitische Lockerung in den USA wird der US-Dollar tendenziell schwächer und der Franken stärker. Das erschwert die Lage für die Schweizer Exportwirtschaft zusätzlich, die ohnehin bereits unter der Frankenstärke leidet.

Und sollte demnächst auch die Europäische Zentralbank die Märkte mit zusätzlichem billigen Geld fluten, wie spekuliert wird, dürfte sich die Situation für die Schweiz noch verschärfen.

Eveline Kobler

Eveline Kobler

Wirtschaftsredaktorin, SRF

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Eveline Kobler ist seit 2007 bei Radio SRF und leitet seit Dezember 2016 die Wirtschaftsredaktion von Radio SRF.

Echo der Zeit, 3.3.2020, 18:00 Uhr

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    "Das Fed agiert eigentlich unabhängig." Wers glaubt. Die sind mit Trump gut bedient und möchten ihn vermutlich nochmals 4 Jahre als Präsident. Weiter unterstützt das Corona-Virus, ohne es zu wollen, den Wahlkampf von Trump. Zusätzlich wirkt sich die Aussage des Demokraten Bernie Sanders "Die Ölförderung von Texas zu stoppen" zugunsten von Trump aus. Die Zinssenkung dürfte also mindestens moderate politische Ziele verfolgen. Und - das Virus hat die Klimadebatte praktisch zum Erliegen gebracht.
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  • Kommentar von Daniel Meier  (Danimeier)
    Ich bin ja gespannt auf die kommende Hyperinflation. Die wird uns vielleicht um die Ohren fliegen. Die perfidste Waffe in der Geschichte der Menschheit: Geld.
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  • Kommentar von Simon Weber  (Weberson)
    Die SNB hat einen tieferen Leitzins als die USA, die EU, Japan, GB usw. Die Schweiz macht jedes Jahr prozentual rekordverdächtige Exportüberschüsse. Die SNB konnte gerade eben wieder 4 Milliarden CHF an die Kantone ausschütten. Die Zugpferde im Export - sprich die Pharmaindustrie - wird vom Corona-Virus wohl nur eines, und das ist profitieren. Bad-News also weniger für die SNB/Schweiz, aber vielleicht dann für Herrn Trump, wenn in ein paar Jahren die mit billigem Geld gefüllten Blasen platzen...
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