Ihr Kürzel KKS ist so bekannt wie ihr Gesicht. «Ich glaube, Sie verwechseln mich», entgegnete Karin Keller-Sutter kürzlich jemandem, der sie auf der Strasse angesprochen und um ein Selfie gebeten hat.
Als Bundesrätin und Finanzministerin geniesst die Magistratin auch die anonymen Momente. Zum Beispiel, wenn sie in einem Laden etwas hat zurücklegen lassen und sie beim Abholen nach ihrem Namen gefragt wird.
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Bild 1 von 9. Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter posiert für ein Foto bei einem Apéro mit der Bevölkerung im Rahmen der Bundesratsreise 2025 in St. Gallen. Bildquelle: Keystone/Gian Ehrenzeller.
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Bild 2 von 9. Die Bundesrätin liebt Tiere – insbesondere Hunde. Bildquelle: Keystone/GABRIEL MONNET; .
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Bild 3 von 9. Bei ihr und ihrem Mann Morten lebte Hund Picasso, der inzwischen verstorben ist. Einen Hund gäbe es erst wieder, wenn sie nicht mehr Bundesrätin ist, hiess es. Bildquelle: Keystone/Gian Eherenzeller.
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Bild 4 von 9. Viele würden sie als ernst bezeichnen, sagt Karin Keller-Sutter. Ein Trugschluss. Bundesratskollege Ignazio Cassis sammelt sogar ihre Sprüche. Bildquelle: Keystone/Peter Schneider.
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Bild 5 von 9. Als 17-Jährige reiste Karin Keller-Sutter mit dem Zug durch Europa. Als 20-Jährige war sie für ein Jahr in London – offiziell, um die Sprache zu lernen, aber ihr Interesse galt auch der Musik. Bildquelle: IMAGO / United Archives.
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Bild 6 von 9. Sie hörte in ihrer Jugend sehr gerne Punkmusik. «Das war eine grandiose Zeit anfangs der 1980er-Jahre», schwärmt sie. Sie sei kontrolliert rebellisch gewesen, gerade so, dass sie die Linie der Eltern nicht überschritten habe. Bildquelle: Keystone/DAVID HANDSCHUH.
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Bild 7 von 9. Die punkbegeisterte Karin Keller-Sutter in jungen Jahren. Bildquelle: zVg Karin Keller-Sutter.
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Bild 8 von 9. Karin Keller-Sutter (zweite von rechts) bei ihrer Kandidatur für den Gemeinderat in Wil SG 1991. Bildquelle: hallowil.ch.
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Bild 9 von 9. Karin Keller-Sutter bei ihrer Feier als Bundespräsidentin in Wil 2024. Die Wiler Teufel haben eine 100-jährige Tradition an der Fasnacht; zu ihnen gehören nur Männer oder Buben, die Masken tragen. Das wollte Karin Keller-Sutter als Jugendliche nicht hinnehmen und mischte sich mit einer Freundin unter den Teufelszug. Bildquelle: Keystone/Ennio Leanza.
Der Bundesrat reist mit – auch in den Ferien
Was macht eine Bundesrätin in den Ferien? Sie telefoniert täglich mit ihren Leuten im Büro, liest Zeitungen und beantwortet Mails, sagt Keller-Sutter. Es gebe auch in den Ferien Tage, die «strub» sind.
Karin Keller-Sutter zitiert ihren ehemaligen Bundesratskollegen Didier Burkhalter, der gesagt hat: «Man ist immer Bundesrat – das ist wie eine zweite Haut.» Man müsse sich damit arrangieren, in den Ferien nie wirklich Ruhe zu haben. Das sei auch eine Frage der Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden.
Die ruhigen Minuten in den Ferien verbringt Karin Keller-Sutter gerne mit Lesen, und sie sei am liebsten den ganzen Tag draussen – am Meer oder anderswo.
Im Boxkeller statt auf der Skipiste
Auf der Skipiste trifft man Karin Keller-Sutter nicht an, sagt die Bundesrätin lachend zu ihrem Gesprächspartner – notabene der aktuell beste Skifahrer der Welt, Marco Odermatt.
Sie kann zwar nicht Ski fahren, dafür aber boxen. Jeden Montag unterzieht sich die 62-Jährige im Boxkeller dem Drill, der diese Sportart mit sich bringt. Mit ihrem Trainer und Coach übe sie Schlagkombinationen. «Einfach hinstehen geht nicht.»
Boxen ist mehr als nur ‹schlegeln›.
Man müsse wissen, wie man offensiv und defensiv boxt, sagt die Bundesrätin. Da könne es sein, dass man eine halbe Stunde lang das Gleiche mache und Kombinationen abrufe. «Das ist Drill. Ich schätze das, weil ich dabei total abschalten kann».
«Boxen ist mehr als nur ‹schlegeln›», sagt sie. Die Koordination sei sehr anspruchsvoll. Man könne nicht ständig im Angriff sein, sonst sei man zu schnell erschöpft. «Den Gegner muss man kontrollieren können und die Defensive gut beherrschen, um im entscheidenden Moment richtig zuzuschlagen», fasst Keller-Sutter das Erfolgsrezept im Boxen zusammen.
Ihre Fäuste bringt sie in der Politik allerdings nur geistig ins Spiel, sagt die Politikerin lachend.
Im Wechselbad der Gefühle
Mit Herausforderungen war die Bundesrätin immer wieder konfrontiert. Das Präsidialjahr 2025 war für Karin Keller-Sutter besonders anspruchsvoll. Gespräche über die Zölle mit Donald Trump bis hin zu den hitzigen Diskussionen um das Entlastungspaket einerseits. Hinzu kommt der Verlust ihres ältesten Bruders im Herbst.
Das Schönste für mich war die Begegnung mit dem Papst.
Sie habe gelernt, viel auszuhalten und mental stark zu sein: «Ich kann mich relativ schnell wieder motivieren und Abstand gewinnen.» Mache man einen Schritt zurück, sehe man, was im Leben wichtig sei: Beziehungen, Austausch und Liebe. Der plötzliche Tod ihres Bruders habe vieles relativiert.
Karin Keller-Sutter musste im vergangenen Jahr einstecken, aber die schönen Momente gab es auch. «Das Schönste für mich war die Begegnung mit dem Papst.»
2025 war ein bewegtes Jahr für die Bundesrätin
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Bild 1 von 8. Oktober 2025. Als Highlight bezeichnet Karin Keller-Sutter die Begegnung mit Papst Leo XIV. Bildquelle: Keystone/VATICAN MEDIA HANDOUT.
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Bild 2 von 8. Oktober 2025. Der britische Premierminister Keir Starmer (links) und die Schweizer Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter nehmen am 7. Treffen der Europäischen Politischen Gemeinschaft in Kopenhagen, Dänemark, teil. Bildquelle: keystone/.
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Bild 3 von 8. Oktober 2025. Eine Kartonschachtel mit der Aufschrift «Entlastungspaket 2027 – Return to Sender» steht auf dem Bundesplatz, bei einer nationalen Kundgebung gegen die Sparmassnahmen des Bundes im Bildungsbereich und für bezahlbare Bildung. Bildquelle: Keystone/Peter Klauner.
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Bild 4 von 8. September 2025. 2025 empfängt der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz die Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter zu bilateralen Gesprächen im Kanzleramt. Bildquelle: Keystone/KAY NIETFELD.
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Bild 5 von 8. August 2025. Schwieriger war für Karin Keller-Sutter der Kontakt mit US-Präsident Donald Trump im Zusammenhang mit den Zollverhandlungen. Bildquelle: Keystone/Jean-Christophe Bott.
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Bild 6 von 8. Mai 2025. Die Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter begutachtet aus einem Hubschrauber die Schäden, die der verheerende Erdrutsch im Dorf Blatten VS angerichtet hat. Ein Grossteil des Dorfes Blatten im Lötschental wurde unter Eis-, Schlamm- und Geröllmassen begraben. Bildquelle: Keystone/Jean-Christophe Bott.
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Bild 7 von 8. Januar 2025. Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter inmitten weiterer Staatsoberhäupter. Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (l.), und König Charles III. des Vereinigten Königreichs während der Zeremonie zum 80. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau bei Oswiecim, Polen. Bildquelle: Keystone/BEATRICE DEVENES; .
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Bild 8 von 8. Januar 2025. Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter (rechts) und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (links) vor einem bilateralen Treffen am Rande des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos, . Bildquelle: Keystone/Laurent Guilleron.
Die Herausforderungen dürften für die Bundesrätin in der gegenwärtigen Weltlage nicht weniger werden.
Was auch immer kommen mag – Karin Keller-Sutter scheint gerüstet zu sein.