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Bundesrätin ganz privat Karin Keller-Sutter: «Ich war kontrolliert rebellisch»

«Wir duzen uns. Ich boxe ja, und im Boxkeller sagen sich auch alle Du», erklärt Karin Keller-Sutter. Es ist eine von vielen überraschenden Facetten der Bundesrätin.

Ihr Kürzel KKS ist so bekannt wie ihr Gesicht. «Ich glaube, Sie verwechseln mich», entgegnete Karin Keller-Sutter kürzlich jemandem, der sie auf der Strasse angesprochen und um ein Selfie gebeten hat.

Keller-Sutter zur Anzeige wegen Beschimpfung und Verlumdung

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Bundesrätin Karin Keller-Sutter hat sich in der SRF-Sendung «Persönlich» zu ihrer Anzeige wegen Beschimpfung und Verleumdung geäussert. 

Sie hatte Anzeige gegen einen Nutzer des sozialen Mediums X eingereicht – dieser hatte den KI-Chatbot Grok angestiftet, Keller-Sutter sexistisch zu beschimpfen. Die Berner Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung eröffnet. 

Sie glaube, der Fall sei strafrechtlich relevant, so Karin Keller-Sutter. Und: «Ich halte es für wichtig, dass man gerade in der heutigen Zeit Werte und Überzeugungen vertritt. Und wenn der sogenannte Mainstream bedeutet, dass man respektlos ist, dass man keinen Anstand mehr hat, dann nehme ich das zur Kenntnis. Ich aber kämpfe für das Gegenteil.»

Als Bundesrätin und Finanzministerin geniesst die Magistratin auch die anonymen Momente. Zum Beispiel, wenn sie in einem Laden etwas hat zurücklegen lassen und sie beim Abholen nach ihrem Namen gefragt wird.

Der Bundesrat reist mit – auch in den Ferien

Was macht eine Bundesrätin in den Ferien? Sie telefoniert täglich mit ihren Leuten im Büro, liest Zeitungen und beantwortet Mails, sagt Keller-Sutter. Es gebe auch in den Ferien Tage, die «strub» sind.

Karin Keller-Sutter zitiert ihren ehemaligen Bundesratskollegen Didier Burkhalter, der gesagt hat: «Man ist immer Bundesrat – das ist wie eine zweite Haut.» Man müsse sich damit arrangieren, in den Ferien nie wirklich Ruhe zu haben. Das sei auch eine Frage der Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden.

Die ruhigen Minuten in den Ferien verbringt Karin Keller-Sutter gerne mit Lesen, und sie sei am liebsten den ganzen Tag draussen – am Meer oder anderswo.

Im Boxkeller statt auf der Skipiste

Auf der Skipiste trifft man Karin Keller-Sutter nicht an, sagt die Bundesrätin lachend zu ihrem Gesprächspartner – notabene der aktuell beste Skifahrer der Welt, Marco Odermatt.

Sie kann zwar nicht Ski fahren, dafür aber boxen. Jeden Montag unterzieht sich die 62-Jährige im Boxkeller dem Drill, der diese Sportart mit sich bringt. Mit ihrem Trainer und Coach übe sie Schlagkombinationen. «Einfach hinstehen geht nicht.»

Boxen ist mehr als nur ‹schlegeln›.
Autor: Karin Keller-Sutter Bundesrätin

Man müsse wissen, wie man offensiv und defensiv boxt, sagt die Bundesrätin. Da könne es sein, dass man eine halbe Stunde lang das Gleiche mache und Kombinationen abrufe. «Das ist Drill. Ich schätze das, weil ich dabei total abschalten kann».

Wladimir Klitschko und Bundesrätin Karin Keller-Sutter halten die Fäuste gegeneinander.
Legende: Zwei, die vom Boxen etwas verstehen: Der mehrfache Box-Weltmeister Wladimir Klitschko und Bundesrätin Karin Keller-Sutter, die selber jede Woche eine Stunde im Boxkeller verbringt. Beim Boxen brauche es Konzentration, Ausdauer, Durchhaltevermögen und man müsse fokussiert sein, sagt die Finanzministerin. zVg Karin Keller-Sutter

«Boxen ist mehr als nur ‹schlegeln›», sagt sie. Die Koordination sei sehr anspruchsvoll. Man könne nicht ständig im Angriff sein, sonst sei man zu schnell erschöpft. «Den Gegner muss man kontrollieren können und die Defensive gut beherrschen, um im entscheidenden Moment richtig zuzuschlagen», fasst Keller-Sutter das Erfolgsrezept im Boxen zusammen.

Ihre Fäuste bringt sie in der Politik allerdings nur geistig ins Spiel, sagt die Politikerin lachend.

Sag niemals nie: Bundesrätin im zweiten Anlauf

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Karin Keller-Sutter winkend.
Legende: Karin Keller-Sutter winkt nach der Wahl in den Bundesrat ihren Angehörigen zu. Keystone/Lukas Lehmann

Karin Keller-Sutter war am 20. Februar 2012 bereits einmal in der Sendung «Persönlich». Damals sagte sie: «Ich stelle mich auf den Standpunkt, dass ich mich einmal zur Verfügung gestellt und kandidiert habe für die Wahl 2010. Ich bin nicht gewählt worden. Für mich ist es hiermit entschieden.»

Auf die Nachfrage des Moderators, ob sich dieser Entscheid wieder ändern könne, meinte Karin Keller-Sutter: «Aus heutiger Sicht sehe ich das nicht.»

Es gingen einige Jahre ins Land. Als Bundesrat Johann Schneider-Ammann zurücktrat, war Keller-Sutter Ständeratspräsidentin. Parlementarierinnen und Parlamentarier aller Parteien sagten ihr, sie solle nochmals kandidieren.

«O Wunder, sagte das auch mein Mann», meint Karin Keller-Sutter rückblickend. Dieser hätte sie nach dem ersten gescheiterten Anlauf noch vor die Wahl gestellt. Sie müsse sich zwischen ihm und einer weiteren Kandidatur entscheiden.

Gekommen ist es anders. 2018 wurde Karin Keller-Sutter in den Bundesrat gewählt und ihr Mann unterstützt sie dabei bis heute.

Im Wechselbad der Gefühle

Mit Herausforderungen war die Bundesrätin immer wieder konfrontiert. Das Präsidialjahr 2025 war für Karin Keller-Sutter besonders anspruchsvoll. Gespräche über die Zölle mit Donald Trump bis hin zu den hitzigen Diskussionen um das Entlastungspaket einerseits. Hinzu kommt der Verlust ihres ältesten Bruders im Herbst.

Das Schönste für mich war die Begegnung mit dem Papst.
Autor: Karin Keller-Sutter Bundesrätin

Sie habe gelernt, viel auszuhalten und mental stark zu sein: «Ich kann mich relativ schnell wieder motivieren und Abstand gewinnen.» Mache man einen Schritt zurück, sehe man, was im Leben wichtig sei: Beziehungen, Austausch und Liebe. Der plötzliche Tod ihres Bruders habe vieles relativiert.

Karin Keller-Sutter musste im vergangenen Jahr einstecken, aber die schönen Momente gab es auch. «Das Schönste für mich war die Begegnung mit dem Papst.»

2025 war ein bewegtes Jahr für die Bundesrätin

Die Herausforderungen dürften für die Bundesrätin in der gegenwärtigen Weltlage nicht weniger werden.

Was auch immer kommen mag – Karin Keller-Sutter scheint gerüstet zu sein.

Radio SRF 1, 19.4.2026, 10 Uhr;weds

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