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Wanderung des Monats März Lac de Joux – aussichtsreich und überraschend

Den See und die umliegende Hügellandschaft im Blick geht es vom idyllisch gelegenen Dorf Le Pont nach Les Esserts-de-Rive. Die Wanderung des Monats März von SRF 1 Outdoor-Reporter Marcel Hähni ist nicht nur einen Ausflug wert – sie kann auch unerwartete Begegnungen mit sich bringen.

Bereits auf halbem Weg treffen wir mitten im Wald auf eine Herde Gämsen. Unter den letzten Schneeresten suchen die Tiere nach Gräsern. Bevor sie den Weg freimachen, lassen sie uns bis auf knapp drei Meter herankommen.

Marcel Hähni

SRF-1-Outdoor-Reporter

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Marcel Hähni, Jahrgang 1970, ist Redaktor und Produzent bei Radio SRF 1 und ausgebildeter Wander- und Schneeschuh-Wanderleiter. Regelmässig berichtet er auf srf1.ch und am Radio über seine neusten Abenteuer und verrät Tipps und Tricks für die Outdoorwelt.

Ich bin nicht allein unterwegs: Mich begleitet Patrizia Golay, die vor rund 30 Jahren aus der Deutschschweiz ins Vallée de Joux ausgewandert ist, die Gegend gut kennt und zusammen mit ihrem Mann eine Board-Manufaktur betreibt. Das Holz für die Skateboards stammt unter anderem aus dem Risoud-Wald, erzählt sie mir auf unserer Wanderung entlang des Lac de Joux. Aufgrund seiner Dichte und Unwegsamkeit ist der Risou ein geschichtsträchtiger Wald. Im Zweiten Weltkrieg diente er als Fluchtweg, früher war er eine bekannte Route für Schmuggler.

Der Risoud-Wald – ein Juwel

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Mann arbeitet mit Holz in einer Werkstatt.
Legende: In der Board-Manufaktur von Laurent und Patrizia Golay kommt auch Holz aus dem Risoud-Wald zum Einsatz. Keystone/Jean-Christophe Bott

Der Risoud-Wald zieht sich ungefähr 15 Kilometer über die gesamte Westseite des Vallée de Joux und bildet die natürliche Grenze zu Frankreich. Mit seinen 2200 Hektaren gilt er als die grösste Waldkette Europas. 

Einzigartiges Holz

Das raue Klima auf 1250 bis 1370 Metern führt zu sehr langsamem Wachstum der Fichten, was das Holz besonders dicht macht. Diese Fichten werden als exzellentes Resonanzholz für den Instrumentenbau (Geigen, Gitarren) genutzt.

Auch Patrizia Golay und ihr Mann arbeiten mit dem Holz, das vor ihrer Haustüre wächst. Ihr Produkt sind Skateboards.

Zweiter Weltkrieg

Der Wald von Risoux war während des Zweiten Weltkriegs ein wichtiger Ort. Einige der im besetzten Frankreich verfolgten Juden entkamen im Schutz des tiefen Waldes dem Tod.

Unter anderem fanden sie im sogenannten «Refuge de l'hôtel d'Italie» Zuflucht. Eine Waldhütte, die heute noch an die Geschichte erinnert.

Gestartet sind wir im kleinen Ort Le Pont, am nordöstlichen Ende des Lac de Joux. Schon nach wenigen Schritten öffnet sich der Blick über den See: zu sehen ist ein langgezogener Streifen stillen Wassers, eingerahmt von sanften Hügeln. Diese Hügel liegen mehrheitlich über 1200 m ü.M. und gehören zu den Wintersportdestinationen der Region.

Der Lac de Joux war früher berühmt für seine Eisindustrie, bei der das reine Natureis in grossen Blöcken abgebaut und mit der Bahn bis nach Paris verschickt wurde. Dort wurde das Eis zur Kühlung in Restaurants und Haushalten eingesetzt.

Kurz nach dem Ortsende von Le Pont führt der Pfad in ein Schilfgebiet. Ab hier liegt die Hauptstrasse hinter uns, und es wird ruhig – nur vereinzelt hört man das Rascheln der verbliebenen Halme, die uns in der Märzbise kühl um die Ohren wehen. Der Weg wechselt nun auf Feld- und Wanderwege.

Wirtschaftlich lebt das Vallée de Joux heute von seinen verschiedenen Uhrenmanufakturen. Ab dem 18. Jahrhundert nutzten die Bauern die langen Winter, um Uhrenkomponenten herzustellen. Über die Jahrhunderte entwickelte sich das Tal zu einem Zentrum für Präzisionsuhren – und ist es bis heute geblieben.

Wer nach dem Ausflug noch etwas in der Region bleiben will, dem empfehle ich einen Besuch im Uhrenmuseum Espace Horloger. Hier wird die Geschichte der Uhrmacherkunst im Vallée de Joux erzählt.

Nach rund zweieinhalb Stunden erreichen wir Les Esserts‑de‑Rive, eine kleine, verstreute Siedlung am Südwestende des Sees. Ein idealer Ort für eine Pause: Bänke, Aussicht und viel Ruhe – besonders in dieser Jahreszeit. Von hier aus fahren Busse oder der Zug zurück nach Le Pont oder nach Le Sentier, dem Hauptort des Tals am anderen Ende des Sees.

Schlittschuh auf gefrorenem See.
Legende: Auch in der ganz kalten Jahreszeit ist der Lac de Joux ein Besuch wert. Keystone /Antony Anex

Der Lac de Joux – ein See, der jeden Winter mindestens einmal gefriert. Zwar nicht mehr wie früher über die gesamten 9,5 km², aber immer noch so, dass Schlittschuhläufer, Wanderer und Familien aufs Eis gehen können. An den Ufern des Sees werden dann verschiedene Stände aufgebaut, die von örtlichen Vereinen betrieben werden. Für mich heisst das: Ich komme im nächsten Winter wieder – dann mit Schlittschuhen im Gepäck.

Radio Radio SRF 1, «Aktuell» 03.03.2025, 16:12 Uhr.

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