Wer gewinnt die Fussball-WM? Sicher weiss das niemand, aber Jonas Bächinger versucht dieser Frage mithilfe von Mathematik näher zu kommen. Genauer gesagt hat er eine statistische Prognose erstellt und berechnet, wie gut die Chancen der einzelnen Teams stehen.
Seine Berechnungen zeigen, dass Spanien mit 16 Prozent die höchsten Gewinnchancen hat. Dahinter folgen Frankreich (15.5 Prozent) und England (12.5 Prozent). Argentinien kommt auf 8.2 Prozent, Portugal auf 7.6 Prozent und Deutschland auf 6.4 Prozent Wahrscheinlichkeit für den WM-Titel.
Favoriten setzen sich meistens durch
Überraschend ist das nicht. «Wir haben auch in den vergangenen Jahren gesehen, dass sich fast immer die Favoriten durchsetzen», sagt Bächinger. Mit einer grossen Ausnahme: 2004 gewann Griechenland völlig überraschend die EM.
Doch wie entsteht eine solche Prognose? Der Statistiker hat die WM eine Million Mal durchgespielt. In seine Modelle fliessen Faktoren wie das FIFA-Reglement, die Stärke der Teams und ihrer Spieler sowie Wettquoten ein.
Für die Schweiz sieht der Mathematiker grundsätzlich gute Chancen – zumindest bis zu einem gewissen Punkt. Laut seinen Berechnungen erreicht die Nati sehr wahrscheinlich den Sechzehntelfinal (92 Prozent Wahrscheinlichkeit). «Wir sind in Gruppe B, die vergleichsweise schwach ist», erklärt er.
Portugal wartet wahrscheinlich im Achtelfinal
Mit einer Wahrscheinlichkeit von 58 Prozent kommt die Schweiz weiter ins Achtelfinale. Da steht bereits eine grosse Knacknuss an: Der wahrscheinlichste Gegner ist Portugal. Die Siegchance der Schweiz im Achtelfinal liegt bei 43 Prozent. Danach würde voraussichtlich Argentinien im Viertelfinal folgen.
Sollte die Schweiz auch diese Hürde nehmen (mit einer Wahrscheinlichkeit von 9 Prozent für den Halbfinal-Einzug) wäre England der wahrscheinlichste nächste Gegner. Die Chancen auf einen Finaleinzug liegen bei 3,5 Prozent, vermutlich gegen Spanien.
Wer heute geboren wird, sieht in seinem ganzen Leben mit rund 78 Prozent Wahrscheinlichkeit nie einen Schweizer WM-Titel.
Die Wahrscheinlichkeit, dass die Schweiz Weltmeister wird, beträgt laut Berechnung 1.16 Prozent. «Wer heute geboren wird, erlebt mit rund 78 Prozent Wahrscheinlichkeit in seinem ganzen Leben keinen Schweizer WM-Titel», sagt Bächinger.
Eine Hürde mehr für die Favoriten
Das neue WM-Reglement sorgte im Voraus für Diskussionen. Statt 32 nehmen nun 48 Teams teil. Bächinger hat ausgerechnet, wie sich die neue Regel auf die Chancen der Teams auswirkt.
Gemäss dem Mathematiker senkt die Aufstockung die Chancen der Favoriten leicht. «Die K.-o.-Phase beginnt neu bereits im Sechzehntelfinal statt im Achtelfinal. Das bedeutet, dass der Weltmeister fünf statt vier Spiele in Folge gewinnen muss.»
Am ehesten profitieren Teams aus dem Mittelfeld von der Aufstockung. Wenn ein Favorit eines der fünf Spiele verliert, ebnet sich der Weg für andere Teams. Für die Aussenseiter ändert sich nicht viel. Sie dürfen mitspielen, aber die Chance, an der WM weit zu kommen, bleibt klein.
Aber wie das Beispiel Griechenlands zeigt: Im Fussball ist nichts unmöglich.