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Leben des Toten-Hosen-Sängers Campino: «Diesen Ärzte-Song hätte ich gerne selbst geschrieben»

Der Sänger von den Toten Hosen erzählt, wie Deep Purple ihn formte, Green Day als Vorband mit auf Tour kam und eine Wette mit den Ärzten ihre Band-Rivalität beendete. Eine musikalische Reise durch Campinos Leben und Karriere.

Nach fast 45 Jahren veröffentlichen Die Toten Hosen, eine der erfolgreichsten Punkrock-Bands Deutschlands, ihr Abschiedsalbum.

Frontmann Campino wirft deshalb einen musikalischen Blick auf sein Leben zurück. Während «Mach die Augen zu» von den Ärzten aus den Boxen schallt, überrascht er mit einer Aussage: «Diesen Song hätte ich gerne selbst geschrieben.»

Eingefleischte Hosen-Fans wissen: Die Beziehung zwischen den beiden Bands war jahrelang geprägt von Rivalität – bis Campino und Ärzte-Frontmann Farin Urlaub eine Wette schlossen. Die Ärzte hatten sich damals vorübergehend aufgelöst, Farin wollte Frieden schliessen.

Musiker spielt Gitarre auf der Bühne mit Schlagzeuger im Hintergrund.
Legende: Sänger und Gitarrist der Punkrock-Band Die Ärzte, die zur gleichen Zeit wie die Toten Hosen gross wurde: Farin Urlaub. Keystone/Peter Klaunzer

Doch Campino zeigte sich skeptisch: «Dass es euch nicht mehr gibt, das nehme ich dir nicht ab. Ihr haltet keine fünf Jahre durch.»

Als Die Ärzte sich 1993 wiedervereinigten, bekam Campino die vereinbarten Wettschulden via Post. Der Düsseldorfer zerschnitt den Geldschein und schickte die Hälfte zurück an Farin Urlaub. Damit war der Konkurrenzkampf ein für allemal begraben.

Green Day tourte mit den Hosen – als Vorband

Auch eine andere Band hat für den Hosen-Frontmann eine besondere Bedeutung. In den 90er-Jahren stiessen Die Toten Hosen bei der Suche nach einer Vorband auf die damals noch unbekannten Green Day.

«Ich mochte die Musik sofort. Ich dachte, die klauen genau von den richtigen Leuten», so Campino. Weil die Musik nichts Neues und zu jener Zeit ungefragt gewesen sei, dachte er aber auch, dass Green Day nie erfolgreich werden würde.

Zur gleichen Zeit schaffte das Album aber den Durchbruch in den USA. Green Day tourte durch ihr Heimatland und lud die Hosen als Dank in die Staaten ein: «Inzwischen waren sie Superstars, umgeben von Leibwachen.»

Campino wird zum Deep-Purple-Ultra

Als Stimme der Toten Hosen hat Campino den deutschen Punkrock über Jahrzehnte geprägt. Dabei begann seine musikalische Karriere mit einem anderen Traum: Daran erinnert sich der Düsseldorfer, als er «Fireball» von Deep Purple hört.

Dieser Song entfachte den Punkrocker in Campino

«Nachdem ich diese Scheibe gehört habe, war klar, dass ich Schlagzeuger werden will», meint Campino grinsend. Das Album war ein Geschenk seines älteren Bruders und hat den Elfjährigen nachhaltig geprägt: Mit improvisierten Drumsticks sei er auf dem Bett gesessen und habe sich in andere Welten geträumt.

Ich war jahrelang ein richtig harter Deep-Purple-Fan. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, wenn ich andere Musik hörte.
Autor: Campino Frontmann Die Toten Hosen

Das Instrument war dem jungen Rockfan zu teuer, weshalb er sich bei seiner ersten Band als Sänger ausgab. Später, bei der Gründung der Toten Hosen, wollte er sich seinen Traum erfüllen – doch Trini, ein anderes Gründungsmitglied, hatte die gleiche Ambition. «Es trug sich dann zu, dass er bei den Proben immer früher auftauchte und schon hinter dem Schlagzeug sass, wenn ich kam.»

So fand sich Campino schliesslich am Mikrofon wieder. Doch die Begeisterung fürs Schlagzeug und für die Musik von Deep Purple sind geblieben: «Ich war jahrelang ein richtig harter Deep-Purple-Fan und hatte ein schlechtes Gewissen, wenn ich andere Musik hörte.»

Wenn es um Campinos eigene Musik geht, zeigt er sich hingegen überraschend nüchtern: «Die Sache mit dem letzten Album muss nicht so hoch gehängt werden. Mein Gott, das ist 'ne Band.»

Campinos Musik, Campinos Leben

Box aufklappen Box zuklappen

Über diese Songs hat Campino zusammen mit Moderatorin Judith Wernli in der Sendung «SRF 3 – Mini Musig. Mis Läbe.» gesprochen:

  • Die Ärzte – «Mach die Augen zu»
  • The McCoys – «Hang on Sloopy»
  • Deep Purple – «Fireball»
  • Ramones – «Sheena is a Punk Rocker»
  • Green Day – «American Idiot»
  • The Clash – «London Calling»
  • Esdeekid – «4 Raws»
  • Die Toten Hosen – «Die Show muss weitergehen»

Radio SRF 3, 29.5.2026, 11:45 Uhr; herb

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