Nach fast 45 Jahren veröffentlichen Die Toten Hosen, eine der erfolgreichsten Punkrock-Bands Deutschlands, ihr Abschiedsalbum.
Frontmann Campino wirft deshalb einen musikalischen Blick auf sein Leben zurück. Während «Mach die Augen zu» von den Ärzten aus den Boxen schallt, überrascht er mit einer Aussage: «Diesen Song hätte ich gerne selbst geschrieben.»
Eingefleischte Hosen-Fans wissen: Die Beziehung zwischen den beiden Bands war jahrelang geprägt von Rivalität – bis Campino und Ärzte-Frontmann Farin Urlaub eine Wette schlossen. Die Ärzte hatten sich damals vorübergehend aufgelöst, Farin wollte Frieden schliessen.
Doch Campino zeigte sich skeptisch: «Dass es euch nicht mehr gibt, das nehme ich dir nicht ab. Ihr haltet keine fünf Jahre durch.»
Als Die Ärzte sich 1993 wiedervereinigten, bekam Campino die vereinbarten Wettschulden via Post. Der Düsseldorfer zerschnitt den Geldschein und schickte die Hälfte zurück an Farin Urlaub. Damit war der Konkurrenzkampf ein für allemal begraben.
Green Day tourte mit den Hosen – als Vorband
Auch eine andere Band hat für den Hosen-Frontmann eine besondere Bedeutung. In den 90er-Jahren stiessen Die Toten Hosen bei der Suche nach einer Vorband auf die damals noch unbekannten Green Day.
«Ich mochte die Musik sofort. Ich dachte, die klauen genau von den richtigen Leuten», so Campino. Weil die Musik nichts Neues und zu jener Zeit ungefragt gewesen sei, dachte er aber auch, dass Green Day nie erfolgreich werden würde.
Zur gleichen Zeit schaffte das Album aber den Durchbruch in den USA. Green Day tourte durch ihr Heimatland und lud die Hosen als Dank in die Staaten ein: «Inzwischen waren sie Superstars, umgeben von Leibwachen.»
Campino wird zum Deep-Purple-Ultra
Als Stimme der Toten Hosen hat Campino den deutschen Punkrock über Jahrzehnte geprägt. Dabei begann seine musikalische Karriere mit einem anderen Traum: Daran erinnert sich der Düsseldorfer, als er «Fireball» von Deep Purple hört.
Dieser Song entfachte den Punkrocker in Campino
«Nachdem ich diese Scheibe gehört habe, war klar, dass ich Schlagzeuger werden will», meint Campino grinsend. Das Album war ein Geschenk seines älteren Bruders und hat den Elfjährigen nachhaltig geprägt: Mit improvisierten Drumsticks sei er auf dem Bett gesessen und habe sich in andere Welten geträumt.
Ich war jahrelang ein richtig harter Deep-Purple-Fan. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, wenn ich andere Musik hörte.
Das Instrument war dem jungen Rockfan zu teuer, weshalb er sich bei seiner ersten Band als Sänger ausgab. Später, bei der Gründung der Toten Hosen, wollte er sich seinen Traum erfüllen – doch Trini, ein anderes Gründungsmitglied, hatte die gleiche Ambition. «Es trug sich dann zu, dass er bei den Proben immer früher auftauchte und schon hinter dem Schlagzeug sass, wenn ich kam.»
So fand sich Campino schliesslich am Mikrofon wieder. Doch die Begeisterung fürs Schlagzeug und für die Musik von Deep Purple sind geblieben: «Ich war jahrelang ein richtig harter Deep-Purple-Fan und hatte ein schlechtes Gewissen, wenn ich andere Musik hörte.»
Wenn es um Campinos eigene Musik geht, zeigt er sich hingegen überraschend nüchtern: «Die Sache mit dem letzten Album muss nicht so hoch gehängt werden. Mein Gott, das ist 'ne Band.»