Das ist das Problem: Seit dem 1. Januar 2026 gelten in der Schweiz neue Arzttarife, weil zwei neue Systeme das veraltete Tarmed-System abgelöst haben. Arztpraxen rechnen vor allem mit dem Tardoc ab, Spitäler rechnen seither bei den ambulanten Behandlungen über das System der ambulanten Pauschalen ab. Nur: In den Spitälern bereitet die Einführung des neuen Systems grosse Schwierigkeiten. So, dass gewisse Spitäler in finanzielle Schieflage geraten.
Sollte sich die Fakturierung aus technischen Gründen darüber hinaus verzögern, drohen Liquiditätsengpässe.
Spitäler laufen am Limit: Eine kleine Umfrage bei verschiedenen grossen Spitälern der Deutschschweiz zeigt: Viele kämpfen mit Schwierigkeiten. Das Universitätsspital Zürich schreibt, bei den ambulanten Pauschalen würden sich die Abrechnungen noch immer im Test befinden und man hoffe, dass «wir im Verlaufe des Monats Mai die Fakturierung der Pauschalen aufnehmen können». Heisst: Seit Anfang des Jahres konnten keine Leistungen, welche über die ambulanten Pauschalen verrechnet werden, tatsächlich in Rechnung gestellt werden. «Sollte sich die Fakturierung aus technischen Gründen darüber hinaus verzögern, drohen Liquiditätsengpässe.» Man sei deshalb im laufenden Austausch mit der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich.
Antworten aus Luzern, St. Gallen, Chur und Bern: Auch im Kantonsspital Luzern sind noch keine Rechnungen für ambulante Leistungen gestellt worden. Grund dafür seien unter anderem technische Abhängigkeiten bei Softwarelösungen, die für die Umsetzung erforderlich seien, schreibt das Spital. Der Start der entsprechenden Abrechnung sei für Mitte Mai 2026 vorgesehen. Die finanzielle Lage sei zurzeit stabil, man sei aber mit dem Kanton «im Austausch».
Es wird noch einige Wochen dauern, bis der Rückstand der vergangenen Monate abgearbeitet ist.
Vom Kantonsspital Graubünden in Chur heisst es, es habe eine Verzögerung von rund zwei Monaten gegeben. Als Grund dafür wird die viel zu knappe Vorlaufzeit für die Umstellung genannt. Im Kantonsspital St. Gallen sei man unterdessen in der Lage, «ambulant zu fakturieren», schreibt die Medienstelle. Aber: «Vorerst erst für Einzelrechnungen in enger Abstimmung mit den Krankenversicherern.» Und das Inselspital Bern schreibt gegenüber «Espresso», die Insel Gruppe habe mit der Abrechnung nach Tardoc und ambulanten Pauschalen begonnen. «Es wird noch einige Wochen dauern, bis der Rückstand der vergangenen Monate abgearbeitet ist.»
Der Zeitplan war von Anfang an sehr ambitioniert.
Das sagt der Spitalverband: Beim Spitalverband H+ ist man nicht erstaunt über die Meldungen aus den Spitälern. Kommunikationschefin Dorit Djelid sagt gegenüber SRF: «Der Zeitplan war von Anfang an sehr ambitioniert.» Die Einführung auf den 1. Januar sei vom Bundesrat vorgegeben worden. Bereits im Vorfeld sei dem Verband bewusst gewesen, dass diese Umstellung für die Spitäler eine grosse Herausforderung sei. «Wir haben unseren Mitgliedern geraten, eigene Lösungen zu entwickeln – dass man mit den Banken spricht, oder mit den Kantonen ins Gespräch kommt, um allfällige Überbrückungskredite zu erhalten.»