Die Erinnerungen von Murat Yakin an seinen letzten sportlichen Auftritt in Oslo sind verblasst. Kein Wunder, liegt er doch bald 30 Jahre zurück: Am 10. September 1997 stand der 51-Jährige als Libero in der letztlich erfolglosen WM-Qualifikation gegen Norwegen auf dem Platz, als die Nati mit 0:5 besiegt wurde. Im Blick erhielt er damals dafür die Note 2 – dass er auf dem Platz stand, hat Yakin verdrängt.
Nach der Karriere kehrte er ins Ullevaal-Stadion zurück, jedoch in anderer Funktion. Neben Sascha Ruefer fungierte er bei der Partie Norwegen - Türkei als Experte für SRF. «Aber ich habe wohl auch da keine gute Noten erhalten, jedenfalls wurde ich danach nie mehr für diesen Job eingeladen», sorgte der Nati-Coach am Montagabend an der Medienkonferenz vor dem Duell mit Norwegen für Lacher.
Xhaka keine Option von Anfang an
Gut 24 Stunden später bietet sich Yakin beim 3. Besuch in Oslo die Chance auf Besserung. Und viel wichtiger: Nach dem wilden 3:4 gegen Deutschland wollen die Nati-Cracks den 1. Sieg im WM-Jahr.
Im Vergleich zum Freitag in Basel dürfte viel rotiert werden. Auch die 3 Feldspieler, die beim ersten Test in diesem Zusammenzug nicht zum Einsatz gekommen sind (Luca Jaquez, Djibril Sow und Noah Okafor), sollten ihre Chance erhalten. Sicher nicht beginnen wird dafür Granit Xhaka. Beim Captain ist nach seiner Muskelverletzung im Januar Belastungssteuerung angesagt. Ob es für einen Kurzeinsatz reicht, werde man noch sehen.
Kein einfaches Geläuf
Klar ist auch: Es wird nach den 10 Wechseln gegen Deutschland erneut einige Änderungen während der Partie geben, denn: «Ich kann die Spieler nur beurteilen, wenn sie auf dem Platz stehen», so Yakin.
Zu reden gab an der Medienkonferenz auch der schlechte Rasen, der laut norwegischen Journalisten nicht internationalem Niveau entsprechen soll. «Mein Co-Trainer hat den Platz schon gesehen und mir gesagt, dass ich lieber nicht hinschauen soll, sonst würde ich nicht aus der Garderobe kommen», witzelte Yakin, bevor er im Ernst meinte: «Der Platz ist für alle gleich.»
Ein echter Gradmesser
Die Nati erwartet nach dem Duell mit Deutschland gleich das nächste Schwergewicht. Zwar versprüht Norwegen nicht den Klang einer Fussball-Nation, musste vor der WM 2026 28 Jahre lang auf die ganz grosse Bühne warten – und doch: Nicht nur wegen Erling Haaland, der nach seiner Pause gegen die Niederlande zum Einsatz kommen dürfte, werden die Norweger aktuell hoch gehandelt. Dies bestätigte auch Yakin: «Sie haben eine fantastische Qualifikation gezeigt und sind einer der Favoriten auf den WM-Titel.» Kein schlechter Gradmesser also für die Nati, soviel steht fest.