Der FC Zürich hat kurz vor Weihnachten das Kapitel Milos Malenovic geschlossen. Mit dem zum Cheftrainer beförderten Dennis Hediger beginnt am Sonntag bei Servette eine neue Ära – und bestenfalls auch eine Aufholjagd.
Wer als Sportchef in die Fussstapfen von Malenovic treten wird, war lange offen. Ad interim übernahm Ancillo Canepa den Lead beim vakanten Posten und die damit verbundenen Aufgaben, wie etwa die Auflösung des Vertrags von Steven Zuber und den Transfer von Mariano Gomez. Am Freitag wurde dann bekannt: Es gibt eine Umstrukturierung beim FCZ – mit Alessandro Mangiarratti als Technischem Direktor.
Europacup als Heilsbringer
Es sind gewichtige Abgänge, die Hediger zu Beginn dieses Jahres hinnehmen musste. Zuber und Gomez waren zwei von jenen Spielern, denen der neue Coach so viel Bedeutung zumass, weil sie mit ihrer Erfahrung den Jungen Halt und Sicherheit gaben. Auch wenn Hediger sagt, sein erster Blick bei Bedarf an Spielern gehe immer Richtung eigene Akademie, so ist speziell der Abgang von Zuber mit einem Nachwuchsspieler nicht zu kompensieren.
Als Achter mit beträchtlichem Rückstand auf die Europacup-Plätze kann sich der FCZ mit dem Beginn seiner Aufholjagd nicht viel Zeit lassen. Ziel ist es immer noch, Ende Saison ins internationale Geschäft zu kommen. Mit dem Europacup steht und fällt in finanzieller Hinsicht alles beim FC Zürich, könnte man etwas überspitzt sagen.
Ohne die Prämien der Uefa lässt sich das strukturelle Defizit nicht decken. Die Canepas schossen in den letzten beiden Geschäftsjahren ohne Europacup über 15 Millionen Franken in den Klub ein. Es fehlte dem FCZ in den nun fast 20 Jahren unter Präsident Canepa trotz zweier Meistertitel und dreier Cupsiege die Nachhaltigkeit, die es in Basel und Bern ermöglichte, über den Europacup die Vereinskasse regelmässig zu füllen.
Energie ist da, Punkte müssen kommen
Für den sportlichen Neuanfang nach dem Fiasko unter Mitchell van der Gaag wählte man beim FC Zürich eine Mischung aus Risiko und Sicherheit. Risiko, weil der 39-jährige Hediger erstmals auf höchstem Niveau als Chefcoach im Einsatz ist, Sicherheit, weil die Zürcher Führung anders als beim Anfang Saison rasch entlassenen Niederländer van der Gaag den Trainer bestens kennt.
Seit zwei Jahren ist Hediger als Nachwuchs-, Assistenz- und Interimscoach im FCZ tätig. Gekommen war er vor zwei Jahren vom FC Basel dank Malenovic.
Für den bis 2027 unter Vertrag stehenden Berner sprachen mehr die Fortschritte des Teams und seine Ausstrahlung als die nackten Resultate. Sein Punkteschnitt von etwas mehr als einem Zähler pro Spiel, seit er Ende Oktober das Traineramt zunächst interimsmässig übernommen hat, ist keine beeindruckende Referenz. Aber seine Energie konnte überzeugen. Hediger scheint der Richtige zu sein, um eine junge Mannschaft anzutreiben.