Vor einem Jahr noch schien Johannes Hösflot Kläbo mehrere Male in Nöten auf dem Weg zu seinem historischen 6. Gold an der Nordischen Ski-WM im heimischen Trondheim. Mit 5 Titeln in der Tasche schickte er sich an, zum Abschluss den Massenstart über 50 km zu gewinnen. Zum Ende hin profitierte der Norweger auch vom Sturz eines Landsmannes und natürlich von der eigenen berüchtigten Endschnelligkeit.
Bei Milano Cortina schickt sich der 29-jährige Langlauf-Dominator nun an, am Samstag dasselbe Kunststück eine Stufe höher – und damit auf der höchstmöglichen – zu wiederholen. Die Olympiasiege im Skiathlon, im Einzel-Sprint, über 10 km Freistil, in der Staffel und im Teamsprint nennt Kläbo bereits sein Eigen.
Noch nie hat eine Athletin oder ein Athlet an derselben Austragung von Winterspielen 6 oder mehr Goldmedaillen eingeheimst. Beim Sommer-Pendant gelang dies einem Schwimm-Trio sowie dem Kunstturner Wital Schtscherba.
Klassisch-Kläbo noch stärker
Dass die Langlauf-Wettbewerbe bei Grossanlässen häufig mit dem «50er» beschlossen werden, kommt nicht von ungefähr. Die Disziplin gilt wenig überraschend als härteste und somit prestigeträchtigste, prädestiniert also für einen krönenden Abschluss.
Im Wechsel Olympia – WM wird das Rennen über 50 km im Frei- und im klassischen Stil absolviert. Heuer im Val di Fiemme steht letzterer an. Das spielt Kläbo noch mehr in die Karten, als Klassik-Läufer ist er nahezu unschlagbar. Wobei: An der hohen Hürde 50 Kilometer sind in der Vergangenheit schon zahlreiche Favoriten gescheitert. Auch der 4-fache Olympiasieger Dario Cologna konnte an einem Grossanlass nie in der Königsdisziplin gewinnen.
Vorteil für die ausgeruhte norwegische Konkurrenz?
«Es sieht gut aus. Jetzt lade ich meine Akkus auf – und ich hoffe, dass ich am Samstag wieder voll angreifen und um den Sieg mitlaufen kann», hatte Kläbo nach seinem Triumph im Teamsprint zu Protokoll gegeben.
Seine grösste Konkurrenz stammt wie eigentlich immer aus dem eigenen Lager. Harald Östberg Amundsen und Mattis Stenshagen sind hinter Kläbo die Nummern 2 und 3 im Distanz-Weltcup und gehen relativ ausgeruht in den «50er» – beide haben zuletzt Rennen ausgelassen. Auch Martin Löwström Nyenget gehört zu den arrivierten Distanzläufern. Nicht am Start steht der Sieger von Peking 2022: Der Russe Alexander Bolschunow ist von Olympia ausgeschlossen (damals war das Rennen aufgrund schwieriger Wetterbedingungen auf knapp 30 km verkürzt worden).