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Doping bei Jugendlichen Gefährlicher Boom von «Muskel-Wundermitteln»

Immer mehr Menschen konsumieren dubiose Tabletten für den perfekten Körper. Selbst Jugendliche gehen dieses Risiko ein.

Worum geht es? Der Handel mit illegalen leistungssteigernden Wirkstoffen zum Muskelaufbau boomt. Swiss Sport Integrity (SSI), das Schweizer Kompetenzzentrum für Dopingbekämpfung, kommt für das Jahr 2025 zum Schluss: «Die Zahl der sichergestellten Produkte, die als ‹Wundermittel› beworben werden, stieg stark an.» Während Sendungen mit dem Steroidhormon DHEA abnahmen, sorgten andere riskante und verbotene Substanzen zum Muskelaufbau – etwa aus der Gruppe der sogenannten SARMs (selektive Androgenrezeptor-Modulatoren) – dennoch für eine Zunahme der sichergestellten Dopingmittel auf 1282 (2024 waren es noch 1106). Gestiegen seien nicht nur die Sicherstellungen, sondern auch die daraus resultierenden Dopingsperren.

Was sind das für «Wundermittel»? Es handelt sich um eine Vielfalt an Produkten, welche suggerieren, den Hormonhaushalt positiv zu beeinflussen und den perfekten Körper versprechen. Häufig handelt es sich gemäss SSI um gefährliche Stoffe, welche zu wenig erforscht seien.  Swiss Sport Integrity nennt insbesondere SARMs, synthetische Substanzen, welche testosteronähnliche Effekte haben sollen. Ein weiterer solcher Stoff ist Ibutamoren, der den Körper dazu anregt, mehr eigenes Wachstumshormon auszuschütten.

Wirkungsweise und Risiken von SARMs und Ibutamoren

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Die Substanzen sind gemäss Dopingliste verboten und haben ein hohes Risiko für schwere Nebenwirkungen.

  • Selektive Androgenrezeptor-Modulatoren (SARMs) sind eine Gruppe synthetischer Substanzen, die im Körper ähnlich wirken wie Testosteron und den Muskelaufbau fördern sollen. SARMs sollen testosteronähnliche Effekte – vor allem im Muskel und Knochengewebe – auslösen. Sie erhöhen das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall und können unter anderem Psychosen, Leberschäden, Unfruchtbarkeit, Hodenschrumpfung und sexuelle Funktionsstörungen verursachen.
  • Ibutamoren (auch MK-677 genannt) wird für schnelleren Muskelaufbau beworben. Vereinfacht gesagt, greift Ibutamoren in die körpereigene Hormonsteuerung ein und erhöht so die Freisetzung des Wachstumshormons. Es können jedoch auch andere Hormone ungewollt beeinflusst werden wie Cortisol und Prolaktin. Zudem kann MK-677 Wassereinlagerungen, gesteigerten Appetit, erhöhten Blutzucker und sexuelle Funktionsstörungen verursachen.

Quelle: Swiss Sport Integrity

Wer bestellt die Produkte? Die Konsumenten solcher «Wundermittel» sind häufig junge Männer. Gegenüber der Sendung «36.9°» des Senders RTS sagt ein verdeckter SSI-Ermittler, es seien «sehr viele Jugendliche unter 18», die solche Substanzen in Tablettenform per Post aus dem Ausland bestellen. «Das wird im Moment reihenweise bestellt», so der Ermittler. Er ist ehemaliger Polizist und will namentlich nicht genannt werden.

Was sind Ursachen für den Boom? Laut Swiss Sport Integrity werden diverse Produkte auf Social Media beworben – durch Videos, die sich viral verbreiten und dadurch eine grosse Reichweite erzielen. «Das ist sicher ein Grund, warum die Produkte so oft bestellt werden», kommt der SSI-Ermittler zum Schluss. Den Konsumenten geht es häufig primär um ein muskulöseres Erscheinungsbild: «Uns ist zum Beispiel ein junger Fussballer bekannt, der Dopingprodukte importiert hatte. Er tat dies nicht, um im Fussball besser zu sein, sondern um auf Social Media muskulöser auszusehen», berichtet Ernst König, Direktor von Swiss Sport Integrity.

Was sind die rechtlichen Folgen? Der Import von Dopingmitteln ist in jeder Menge verboten. Illegale Produkte werden von Zoll und Polizei beschlagnahmt und an Swiss Sport Integrity übergeben. Dort wird die Sendung kostenpflichtig vernichtet. Bei Verdacht auf Handel wird Strafanzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft erstattet. Swiss Sport Integrity überprüft auch, ob die Importeure von illegalen Produkten einen sportlichen Bezug haben. Ist dies gegeben, kann dies für Sportlerinnen und Sportler weitreichende Folgen haben: «Es kann passieren, dass eine Person eine vierjährige Sperre erhält. Das sind sehr schwerwiegende Konsequenzen, besonders für Junge», betont SSI-Direktor Ernst König im Interview mit RTS.

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SRF 1, Puls, 13.4.2026, 21:05 Uhr

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