Was früher Mitte April geschah, quält viele Betroffene in diesem Jahr schon seit Februar. Die Birke hat schon begonnen zu blühen – einen Monat früher als vor ein paar Jahrzehnten. Als wäre «immer früher» nicht schon schlimm genug, werden Pollen auch immer aggressiver. Das zeigen Studien von der Universität Augsburg. Wird das Leben der Heuschnupfen-Geplagten immer schwerer? Andrea Fischli von der SRF Wissenschaftsredaktion ordnet ein.
Warum werden Pollen aggressiver?
Weil wir Menschen die Umwelt verschmutzen. So sind Birkenpollen in der Stadt aggressiver als auf dem Land, weil sie mehr Schadstoffen ausgesetzt sind – das konnten Umweltmedizinerinnen und Umweltmediziner an der Universität Augsburg zeigen. Gegen diese Schadstoffe wehren sich die Pflanzen mit bestimmten Eiweissen. Und genau diese Eiweisse verstärken die allergische Reaktion beim Menschen.
Gibt es Pflanzen, deren Pollen mehr Probleme machen?
Ja, wenn sie stärkere Allergien auslösen, wie eben die Birkenpollen in der Stadt. Oder wenn die Pollen besonders klein sind und darum besser bis in die Lunge gelangen. Ganz schwierig wird es, wenn diese beiden Eigenschaften zusammenkommen. Das ist bei Ambrosia der Fall, einer aus Nordamerika eingeschleppten Pflanze. Auf Deutsch heisst sie «Aufrechtes Traubenkraut». Sie blüht gelb und die Pollen sind sehr klein und enthalten besonders viele allergieauslösende Stoffe. Diese verursachen besonders starke Reaktionen. Die Ambrosia blüht allerdings erst im August.
Trügt der Eindruck, dass wir Menschen immer empfindlicher werden?
Jein. Zuerst einmal sind wir einfach mehr Pollen ausgesetzt. Die Klimaerwärmung verlängert die Pollensaison, und das führt bei fast allen Pollenarten zu einer grösseren Menge an Pollen in der Luft. Der Grund: Die Klimaerwärmung entsteht ja durch mehr mehr CO₂ in der Luft. Dieses Kohlendioxid agiert wie ein Dünger und bewirkt, dass die Pflanzen mehr Pollen produzieren. Und das wiederum kann auch zu stärkeren Symptomen führen. Wir leiden also mehr – wegen der Klimaerwärmung.
Dazu kommt, dass die Umweltverschmutzung auch bei uns Menschen einen Effekt hat: Luftschadstoffe können die Nasenschleimhaut entzünden oder undichter machen. Dann können wir uns nicht mehr so gut gegen die Pollen schützen.
Wie können sich Betroffene schützen?
Sich testen lassen und herausfinden, auf was man allergisch ist – also zum Beispiel Erle, Hasel, Birke oder Gräser. Dann diesen Pollen aus dem Weg gehen. Also die Pollenbelastung checken, bevor man aus dem Haus geht. Da gibt es Pollenprognosen und Monitorings, zum Beispiel von SRF Meteo. Und wenn man mal den Pollen ausgesetzt war: die Haare waschen, Kleider wechseln, keine Strassenkleidung im Schlafzimmer tragen und den Kopfkissenbezug oft wechseln. Draussen können Masken und enge Sonnenbrillen mildernd wirken.
Gegen die Symptome helfen auch Medikamente wie Antihistaminika oder Kortison. Linderung verschafft oft auch eine Desensibilisierung. Also eine Therapie, bei der der Körper an die allergieauslösenden Stoffe gewöhnt wird.