Wie so oft, es ist Freitagabend und just dann zucken Blitze durchs Sehfeld. Oder man hat das Gefühl, ein Elefant sitze auf der Brust. Beides sind medizinische Symptome, die man umgehend abklären muss. Am besten auf der Notfallstation.
Die Netzhautablösung – wenn Erblinden droht
Die Netzhaut, die Retina, befindet sich im hinteren Teil des Auges und kleidet als innerste Schicht die Augenhöhle aus. Sie ermöglicht uns das Sehen. Deshalb ist es so wichtig, dass man bei einer Netzhautablösung schnell handelt.
Eine Netzhautablösung kann sich durch einen Schleier oder Russpartikel im Sehfeld, Schatten oder plötzliche Blitze bemerkbar machen. «Hat die Augenarztpraxis geöffnet, sollte man bei diesen Symptomen sofort dort vorstellig werden», sagt Afreed Ashraf. Er arbeitet als Notfallmediziner auf dem Notfall des Lindenhofspitals Bern. Er ist auch bekannt aus dem SRF Format «Puls Check», wo er regelmässig als Arzt auftritt.
Hat man diese Symptome am Wochenende oder in der Nacht, so darf man guten Gewissens den Notfall aufsuchen, so der Mediziner. Denn eine unbehandelte Netzhautablösung kann zu einem Sehverlust, allenfalls sogar zu einem Verlust des Augenlichts führen.
Der Herzinfarkt – wenn der Sensenmann tonnenschwer auf der Brust sitzt
«Patientinnen und Patienten mit Herzinfarkt schildern auf dem Notfall oft, dass sie das Gefühl haben, ein Elefant sitze auf ihrer Brust», sagt Ashraf.
Ein Herzinfarkt kann sich aber auch durch atypische Symptome bemerkbar machen, insbesondere bei Frauen: Schmerzen im Oberbauch, Rückenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder starker Schwindel. Die Schmerzen können über den linken Arm auch in den Kiefer ausstrahlen.
Bei diesen Symptomen dürfe man keine Zeit verlieren, so der Mediziner. «Bei einem Infarkt geht es um die Durchblutung des Herzens. Ist diese nicht mehr gewährleistet, kann das zum Tod führen». Auch hier gilt: Ist die Hausarztpraxis geschlossen, sofort den Notfall aufsuchen. Warten bis zum nächsten Tag kann fatale Folgen haben.
Der Hirnschlag – jede Sekunde zählt
«Time is brain», heisst ein Lehrsatz aus der Medizin. Zeit ist Hirn, denn jede Sekunde zählt, wenn die Durchblutung des Gehirns eingeschränkt ist. Deshalb darf man keine Zeit verlieren. Am besten steuert man von Anfang an ein auf Hirnschläge spezialisiertes Notfallzentrum an, diese nennen sich «Stroke Unit».
Dort können zeitnah ganz gezielt massgeschneiderte Therapien eingeleitet werden. So konnten Forschende der Universität Bern aufzeigen, dass von einer gezielten früheren Behandlung mit Blutverdünnern profitiert werden kann. Zudem verringert ein frühzeitiger Behandlungsbeginn das Risiko eines weiteren Schlaganfalls.
Die Gürtelrose – ist die Praxis zu, muss man auf den Notfall
Beim Verdacht auf eine Gürtelrose darf man am Wochenende mit gutem Gewissen den Notfall aufsuchen. Für die medikamentöse Behandlung sind die ersten 72 Stunden massgebend.
«Wichtig ist eine so schnelle Therapie auch deshalb, weil eine Gürtelrose starke Schmerzen verursachen kann, die sich sogar chronifizieren können», sagt der Notfallarzt. Die Folge: Eine Schmerztherapie. Allenfalls sogar lebenslänglich.