Wir alle wollen im Alter gesund sein. Doch schreiten die Jahre voran, altert unser Körper und es zeigen sich immer wieder Gebrechen. Dabei belegt nun die Forschung: Unsere Organe altern nicht alle gleich schnell. Unser Herz kann fit sein, während unsere Nieren Probleme machen.
Detaillierterer Blick dank «Organuhr»
Hier setzt der Schweizer Forscher Tony Wyss-Coray an. Er lehrt und forscht an der amerikanischen Eliteuniversität Standford im Innovationsmekka Silicon Valley. Dort hat er eine sogenannte «Organuhr» entwickelt: Ein Test, der zeigt, wie schnell die einzelnen Organe altern.
Tony Wyss-Cory war mit seinem Team eigentlich auf der Suche nach einem Medikament gegen Alzheimer. Dabei fand er etwas in unserem Blut, das Aufschluss über unser Alter gibt. Im Blutplasma finden sich unterschiedliche Proteine, die spezifischen Organen zugeordnet werden können.
Organspezifische Proteine als Lösung
Proteine, welche zum Beispiel, in der Leber besonders aktiv sind, sind also organspezifische Proteine der Leber. Solche spezifischen Proteine gibt es auch für andere Organe, wie die Lunge, die Niere oder das Gehirn.
Insgesamt haben Wyss-Coray und seine Kolleginnen auf diese Weise mehrere Hundert Proteine, all unseren Organen zugewiesen. Und entdeckt, dass sich diese Proteine verändern, je älter wir werden.
So funktioniert der Test
Im Blut messen die Wissenschaftler die Konzentration der organspezifischen Proteine. Diese Konzentration wird verglichen mit den Werten von über 1000 gesunden Menschen zwischen 20 und 90 Jahren.
Liegt die Konzentration der organspezifischen Proteine über dem Durchschnitt, kann man daraus eine schnellere Alterung des entsprechenden Organs lesen. Es besteht demnach ein erhöhtes Erkrankungsrisiko.
Zusammen mit der Ärztin Heike Bischoff-Ferrari lanciert Tony Wyss-Coray nun einen Campus für gesunde Langlebigkeit am Zentrum für universitäre Altersmedizin Felix Platter in Basel. Dieser soll in den nächsten Monaten eröffnen und den Test anbieten.
«Wenn wir sehen, dass ein Organ schneller altert, dann können wir dort genauer hinschauen und bessere Empfehlungen abgeben. Wir können frühzeitig etwas tun, bevor sich strukturelle Veränderungen einstellen», so Bischoff-Ferrari. Der Test mache weder jünger noch halte er das Altern auf. Aber: «Das ist eine wertvolle Zusatzinformation, die wir bislang in der Medizin noch nicht zur Verfügung haben. Das wollen wir nutzen!»
Wie der Test genutzt wird, muss sich zeigen. Wichtig ist: Selbst wenn es Hinweise auf eine mögliche Krankheit gäbe, bleibe das Recht auf Nichtwissen bestehen. Das betont Bischoff-Ferrari. Wer sich für einen Test entschieden hat, kann trotzdem jederzeit sagen, dass er oder sie die Resultate nicht erfahren möchte.
Das Ziel sei es, noch bevor die ersten körperlichen Beschwerden auftauchen, einen guten, präventiven Weg beschreiten zu können, um die Gesundheit im Alter zu fördern.