Als im «Black Summer» 2019/20 grosse Teile von Kangaroo Island brannten, gingen Bilder verkohlter Koalas um die Welt. Rund die Hälfte der Insel war betroffen. Für viele war klar: eine ökologische Apokalypse.
Doch Feuer gehört in Australien seit Millionen Jahren zum ökologischen System. «Feuer ist natürlich», sagt die Biologin Peggy Rismiller von der Universität Adelaide. Viele Pflanzen sind auf Hitze angewiesen. Eukalypten treiben nach Bränden neu aus. Andere speichern Energie in unterirdischen Organen. Manche Samen keimen erst, wenn Rauchstoffe ihre Keimruhe beenden.
Feuer auf Kangaroo Island
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Bild 1 von 3. Ein Wildtierretter bringt im Januar 2020 einen Koala aus einem brennenden Wald nahe Cape Borda auf Kangaroo Island in Sicherheit. Während der Buschfeuer 2019/20 konnten viele der sich langsam bewegenden Koalas den Flammen nicht entkommen. Bildquelle: IMAGO/AAP.
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Bild 2 von 3. In den 1920er-Jahren wurden Koalas auf Kangaroo Island angesiedelt, um eine Population ausserhalb des australischen Festlands aufzubauen. Heute prägen sie das Bild der Insel. Bildquelle: Michael Marek.
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Bild 3 von 3. Verbrannte Vegetation im Flinders Chase National Park infolge der Buschbrände 2021 auf Kangaroo Island. Bildquelle: IMAGO/Dreamstime.
Feuer wirkt wie ein «Reset-Knopf». Es entfernt altes, trockenes Material, setzt Nährstoffe frei und öffnet das Blätterdach. Licht erreicht den Boden. Wochen nach den Flammen spriessen Farne und Akazien. Ohne periodische Brände würden diese Ökosysteme überaltern und anfälliger für extreme Feuer werden.
Auch Tiere sind angepasst: «Wir haben keine Art verloren», sagt Rismiller. Populationen schrumpften, erholten sich jedoch. Buschfeuer sind hier kein Ausnahmezustand, sondern Teil der Evolution.
Die Schnabeligel – klein und alt
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Bild 1 von 2. Der Schnabel- oder Ameisenigel ist eines der ältesten lebenden Säugetiere der Erde. Seine Vorfahren lebten bereits zur Zeit der Dinosaurier. Er hat Eiszeiten, Dürren und starke Schwankungen im Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre überlebt. Und er kann fast so alt wie Menschen werden – etwa 60 bis 70 Jahre alt. Bildquelle: Michael Marek.
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Bild 2 von 2. Die Biologin Peggy Rismiller ist Expertin für den Schnabeligel. Das etwa 30 Zentimeter grosse Wesen gehört zu den eierlegenden Säugetieren. Bei Gefahr wie Feuer vergraben sie sich im Boden, so dass die Flammen über sie hinwegziehen. Ausserdem können sie ihre Körpertemperatur den Umgebungsbedingungen anpassen. Bildquelle: Michael Marek.
Über Jahrtausende nutzten Aboriginal Peoples Feuer als Werkzeug, um mosaikartige Landschaften zu schaffen: ein Flickenteppich unterschiedlich alter Vegetation aus frisch verbrannten, vor einigen Jahren gebrannten und lange unberührten Flächen.
«Es gab immer Bereiche, in denen Tiere Schutz und Nahrung fanden», sagt der australische WWF-Ökologe Darren Grover. Traf ein Blitz auf bereits verbrannte Flächen, erlosch das Feuer oft mangels Brennmaterial.
Megafeuer im Klimawandel
Problematisch wird es, wenn Intensität und Rhythmus kippen. Genau das geschieht weltweit. Längere Dürreperioden, Hitzewellen und veränderte Landnutzung machen Landschaften brennbarer.
Die energetischsten Feuer haben sich seit den 2000er-Jahren um mehrere Hundert Prozent verstärkt.
In Kanada brannten 2023 über 17 Millionen Hektar Wald, so viel wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Rauch hüllte selbst New York in Smog.
«Die energetischsten Feuer haben sich seit den 2000er-Jahren um mehrere Hundert Prozent verstärkt», resümiert WWF-Waldexperte Peer Cyriaks. Auch der Amazonas, indonesische Torfregenwälder und Teile Südeuropas stehen häufiger in Flammen – teils durch Brandrodung, teils durch Hitze und Monokulturen. Besonders betroffen sind boreale Wälder in Kanada, Alaska und Sibirien. Sie galten lange als zu kalt und zu feucht zum Brennen. Doch steigende Temperaturen trocknen selbst Moorböden aus.
Emissionen und Zerstörung nehmen zu
Vegetationsbrände setzten 2023 weltweit rund 8.6 Milliarden Tonnen CO₂ frei – fast ein Viertel der globalen fossilen Emissionen. Einzelne Feuersaisons übertreffen inzwischen die Jahresemissionen ganzer Industriestaaten. Ein Teufelskreis: Feuer beschleunigt den Klimawandel, der wiederum extreme Feuer begünstigt.
Kangaroo Island zeigt, wie resilient ein feuerangepasstes Ökosystem sein kann. Doch selbst hier werden Intervalle kürzer. «Buschfeuer sind nicht der Feind», sagt Rismiller. «Wir empfinden sie so, weil sie uns etwas wegnehmen.»
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob es brennt. Sondern wie und unter welchen Bedingungen. Ob moderne Gesellschaften lernen, Feuer gezielt zu nutzen und gleichzeitig den Klimawandel zu begrenzen, bevor aus einem natürlichen Prozess eine globale Dauerkrise wird.