Obwohl das Meereis rund um die norwegische Inselgruppe stark zurückgegangen ist, bleibt die Zahl der Eisbären auf Spitzbergen bislang stabil. Mehr noch: Die Tiere scheinen sich körperlich sogar in besserer Verfassung zu befinden.
Legende:
Keine andere Eisbärenpopulation hat einen so schnellen Verlust an Meereis erlebt wie diejenige in der Barentssee-Region. Seit 1980 ist die Temperatur auf Spitzbergen um bis zu zwei Grad Celsius pro Jahrzehnt gestiegen. Dennoch hält sich die dort lebende Eisbärenpopulation seit einer Zählung im Jahr 2004 stabil bei etwa 2650 Tieren.
Trine Lise Sviggum Helgerud/Norwegian Polar Institute
Tatsächlich haben die Fettreserven der Eisbären auf Spitzbergen seit dem Jahr 2000 zugenommen. Das hält ein Forschungsteam um Jon Aars des Norwegischen Polarinstituts in einer aktuellen Studie fest. Die Ergebnisse erstaunen. Schliesslich verlieren die Raubtiere mit dem Eis ihre wichtigste Jagdplattform.
Legende:
Um ihren Gesundheitszustand zu erfassen, werden die Eisbären betäubt. Zwischen 1992 und 2019 nahmen Forschende auf diese Weise Körpermessungen bei mehr als 770 erwachsenen Eisbären auf Spitzbergen vor. Dabei entstehen auch Bilder wie dieses, das einen betäubten Eisbären zeigt, an den sich sein Junges eng anschmiegt.
Jon Aars/Norwegian Polar Institute
Eine mögliche Erklärung für die Stabilität und gute Körperverfassung der Eisbären sehen die Forschenden in der Erholung ehemals stark bejagter Beutetiere wie Rentiere und Walrosse. Zudem konzentrieren sich Robben auf immer kleiner werdende Eisflächen, was die Jagd auf sie vorübergehend effizienter machen dürfte.
Legende:
Unter allen Eisbärenpopulationen wird für diejenige auf Spitzbergen der grösste Verlust an Meereis erwartet. Die Bären müssen sich demnach zunehmend an Land aufhalten und sind auf terrestrische Nahrung angewiesen. Oder sie müssen längere, energieaufwändige Schwimmstrecken zwischen ihrem Jagdgebiet und ihrem Winter- und Paarungsgebiet zurücklegen.
Geir Wing Gabrielsen/Norwegian Polar Institute
Grund zur Entwarnung gibt das Forschungsteam allerdings nicht. Setzt sich der Eisverlust fort, dürfte auch die Spitzbergen-Population unter den zunehmend schwierigeren Bedingungen leiden.