2000 hat das Publikum die Serie geliebt. «Malcolm mittendrin», Originaltitel «Malcolm in the Middle», die Sitcom, die so anders war. Die Ausgangslage war klassisch: Mutter, Vater und vier Söhne, die in einem Haus in einem Vorort wohnen. Der Rest war nicht normal.
Sohn Malcom (Frankie Muniz), die zentrale Figur, war hochbegabt. Sein älterer Bruder Reese (Justin Berfield) hatte nur Unsinn im Kopf. Dewey, der jüngste (Erik Per Sullivan) wurde von den anderen drangsaliert. Francis (Christopher Masterson), der älteste, war schwierig und unberechenbar: ein Vorbild für die jüngeren.
Die Eltern waren eine Klasse für sich. Mutter Lois (Jane Kaczmarek): aufbrausend, strikt, mit einem miesen Job im Supermarkt. Vater Hal (Bryan Cranston): ein seltsamer Kerl, der seltsame Dinge tat.
«Malcolm in the Middle» vermied das übliche Heile-Welt-Bild, das Sitcoms damals vermittelten. Die Familie war dysfunktional, jede Figur hatte eine Störung, das Geld war knapp. Das Ganze wirkte trotzdem seltsam realistisch.
Die Machart war unüblich. Malcolm sprach direkt in die Kamera, die Schnitte waren schnell, die Witze manchmal intelligent, manchmal reinster Slapstick. Wenn man die alten Folgen heute schaut, hat man nicht das Gefühl, dass sie schon über 20 Jahre alt sind.
Warum jetzt die Fortsetzung?
Wie im Filmbereich setzt Hollywood heute – in der Annahme, dass Leute eher was schauen, was sie kennen – auf etablierte Stoffe. Dazu kommen niedrigere Entwicklungskosten, weil Figuren und die Welt, in der sie agieren, bereits existieren.
Ergänzt wird es durch den Trend zur Nostalgie. In unsteten Zeiten scheint für viele das Gestern unbeschwerter, friedlicher, lustiger gewesen zu sein. Deshalb funktionieren Reunions, wie das «Friends»-Special vor ein paar Jahren und deshalb wurde auch die Serie «Scrubs» wiederbelebt.
«Malcolm in The Middle» kommt bescheiden zurück. Es sind vier halbstündige Folgen, in denen eine Geschichte erzählt wird. Lois und Hal bereiten die Feier anlässlich ihres 40. Hochzeitstages vor. Das Ehepaar hat einen Deal: Hal darf die eigentliche Feier nicht mitorganisieren. Sie hat Angst vor seinen übertriebenen, peinlichen Liebesbekundungen in aller Öffentlichkeit.
Kaputt wie immer
Die macht Hal im Vorfeld der Feierlichkeiten trotzdem. Er singt im Supermarkt, überschüttet Lois mithilfe eines Baggers mit Rosen und lässt dicken Männern Liebesgedichte an Lois auf den Rücken tätowieren.
Und Malcolm? Der hat seine Familie seit Jahren nicht gesehen. Weil er meint, dass es ihm dadurch besser geht. Er ist alleinerziehender Vater und auf den ersten Blick scheint er alles unter Kontrolle zu haben. Aber nur auf den ersten Blick. Und es ist klar, dass er der Familie nicht entkommen kann.
Ausser Dewey-Darsteller Erik Per Sullivan sind alle bei der Neuauflage dabei – natürlich merklich gealtert. Auch wenn die Familie kaputt ist wie vor 20 Jahren, hat die Fortsetzung nicht das Tempo und die Energie von einst. Erwachsene haben einfach andere Probleme als ein Haufen wilder Jungs. Highlight ist Bryan Cranston als Hal. Unglaublich, wie er nach einer zufälligen Drogeneinnahme seine eigene Geburt erlebt.
Es bringt Spass, die alten Gesichter zu sehen, und manch einen guten Gag gibt es auch. «Malcolm in the Middle: Life’s Still Unfair» ist Nostalgie pur. Also nichts für Neueinsteiger. Insofern: Nur Wiedersehen macht Freude.
Streaming-Start: 10. April auf Disney+