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Was bedeutet Glück?
Aus Bleisch & Bossart vom 01.07.2021.
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Philosophisch durch den Alltag Epikur in der Hängematte: Wo wahres Lebensglück liegt

Glücklich sein ist eine Entscheidung, heisst es. Pustekuchen: Suchen Sie die kleinen Glücksmomente im Garten, empfiehlt unser Autor.

Wer nachhaltig glücklich sein will, sollte vom Leben wie dem Glück nicht zu viel erwarten. Wie die klügeren meiner antiken Kolleginnen und Kollegen begriffen, geziemt sich aus philosophischer Sicht deshalb eine eher defensive Definition des mutmasslichen höchsten Gutes unserer Existenz.

Wolfram Eilenberger

Wolfram Eilenberger

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Wolfram Eilenberger ist Philosoph, Autor und gelegentlicher Moderator der Sendung «Sternstunde Philosophie». Für sein Buch «Philosophie für alle, die noch was vorhaben» wurde er mit dem Mindelheimer Philosophiepreis ausgezeichnet.

So bestimmte Epikur (341-271 v. Chr.) den Zustand des Glücks einst als einen, in dem wir von durchweg angenehmen Empfindungen durchdrungen sind – und gleichzeitig frei von unangenehmen. Epikur, Sie erinnern sich, das war auch der mit dem Garten samt daran angeschlossener Gartenglücksakademie.

Zufluchtsort Garten

Womit wir direkt in unserer Gegenwart angekommen wären. Hat sich der eigene Garten, sofern vorhanden, doch gerade in heutiger Seuchenzeit als wahre Oase sozial distanzierten Wohlbefindens und nachhaltiger Sorgenfreiheit bewährt.

Im direkten Anschluss an Epikur mag dies auf eine ebenso zeitgemässe wie erfahrungsgeschärfte Glücks-Präzisierung führen: Im eminenten Sinne glücklich nennen wollen wir, wer im Garten möglichst nachhaltig und also andauernd einen Zustand zu erreichen vermag, der ausschliesslich angenehm ist – und also kein bisschen unangenehm. Woraus lebensphilosophisch wiederum quasi notwendig folgte: Das Glück ist eine liegebereite Hängematte!

Serie: Philosophisch durch den Alltag

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Gespannt entspannt in der Hängematte

Zunächst nämlich gibt es für eine Hängematte klarerweise keinen passenderen Ort als den eigenen Garten. Darüber hinaus gibt es weniges, ja genau genommen gar nichts, was Menschen wirklich länger tun können als in einer Hängematte zu liegen. Vor allem aber, und hier berühren wir wohl das Geheimnis wahren Lebensglücks, ist das Liegen in einer Hängematte keineswegs als prolongierte Form existentieller Laschheit zu fassen.

Legende: Wer richtig in einer Gartenhängematte liegt, fühlt sich in der frohen Gespanntheit der Matte vom eigenen Gewicht getragen und gestärkt, ist unser Autor überzeugt. SRF / Sandra Bayer

Vielmehr verlangt es, recht verstanden und ausgeführt, nach einer spezifischen, sowohl geistigen wie leiblichen Gesamthaltung, die phänomenologisch wohl am treffendsten als «gespannte Entspanntheit» oder auch «entspannte Gespanntheit» zu beschreiben ist.

Wer richtig und also glücklich in einer Gartenhängematte liegt, fühlt sich in der frohen Gespanntheit der Matte vom eigenen Gewicht getragen und gestärkt. In frohem Wälzen aktiviert er oder sie dabei bald die eine, bald die anderen Muskelgruppe und weiss sich darüber hinaus im besten Einklang mit der Natur.

Lebensglück im Liegen

Im Idealfall eines lauen, ab und an böenden Sommerwindes wird die eigene Ausgesetztheit an das grosse Werden in besonders anregender Weise erfahrbar. So vollends aufgehoben und doch im Freien, so unbehaust geworfen und doch paradiesisch geborgen, folgen die eigenen Gedanken bald in freiem Spiel dem Wesen und Wirken der Naturkräfte selbst. Mit anderen Worten: Wahre, nachhaltige Musse stellt sich ein. Was für ein göttliches Geschenk, so im Sein wogen zu dürfen!

Weshalb der Text an dieser Stelle auch zügig enden muss. Sie ahnen es: Die Hängematte, sie ruft einmal mehr vom Sommergarten her. Ach, das wahre Glück, es liegt so nah!

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Hanspeter Zaugg  (rägetag)
    Epikur hatte in so vielem recht. Gerade in dieser Pademie sollte der Mensch waren Verzicht üben zb Nicht Reisen in ferne Galaxien ehm Länder natürlich, Mass hallten usw
    allen Kranken und einsamen Kraft und Zuversicht
  • Kommentar von Harald Buchmann  (Harald_Buchmann)
    ich bin faul und zelebriere es, solange wir noch vom Kolonialismus profitieren, oder wie die alten Griechen unsere Sklaven und Frauen haben, die uns bedienen, scheint das ganz vernünftig. Gegenüber den fleissigen Indern, Japanern, Chinesen und Äthiopiern ist das hingegen keine langfristige Strategie (wie es auch für die Griechen gegenüber den Etruskern nicht langfristig klappte). Zwei Generation werden so wohl noch durchkommen.
  • Kommentar von Attila Baumgartner  (AtBa)
    Bitte macht einen Podcast aus dieser Sendung, ich würde sie sehr gerne abonnieren!