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Wege aus Katastrophen: Der Bergsturz von Goldau (1806)
Aus Kultur Webvideos vom 10.03.2021.
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Umgang mit Leid und Schrecken Wie die Schweiz ihre Katastrophen meistert

Von wuchtigen Erdrutschen bis zu kleinen Viren: So reagierte die Schweiz im Laufe der Jahrhunderte auf ihre Katastrophen.

Tagelang hat es geregnet. Wenn sich Erdspalten auftun, hört man ab und an ein gespenstiges Krachen: Tannenwurzeln zerreissen. Dann geht es plötzlich rasend schnell. Am Rossberg löst sich der Hang und verschüttet ein ganzes Dorf.

Die traurige Bilanz: 457 Menschen lassen an diesem 2. September 1806 ihr Leben. Der Goldauer Bergsturz im Kanton Schwyz ist die erste grosse Naturkatastrophe der noch jungen modernen Schweiz. Noch heute erinnert man an das einschneidende Ereignis.

Obwohl es auch davor Katastrophen gab, hat der Begriff selbst erst seit ungefähr der Zeit um 1800 Konjunktur. Das Wort stammt aus dem Griechischen und meint in der Erzählform der Tragödie ursprünglich «Wendung».

Den Weg von der Literatur- in die Alltagssprache findet der Begriff in der Aufklärung. Kleinere und grössere «Katastrophen» prägen seither unser Leben.

Zeitgeist und Katastrophen

Was machen Katastrophen mit uns, wenn wir sie als folgenschwere Unglücksereignisse definieren? Und wie bewältigen wir sie?

Betrachtet man Katastrophen über die Zeit, verändern sich die Muster, wie wir sie bis heute sehen und mit ihnen umgehen. Dieser Wandel hat vor etwa zwei Jahrhunderten begonnen.

Bildvergleich

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Legende:Danach war alles anders: Goldau vor und nach dem Bergsturz. Bilder aus «A Tramp Abroad» von Mark Twain.British Library

Die Katastrophe von Goldau: die Strafe Gottes

In der Predigt nach dem tragischen Unglück von Goldau von 1806 spricht der Pater von der Barmherzigkeit Gottes. Gott habe in seiner Vorsehung die Totgeweihten in Einsiedeln von einer Zukunft in Sünde erlöst. Im Moment des Unheils sind dies tröstende Worte.

Die Strafe Gottes war damals sinnstiftend, um einen Schicksalsschlag zu erdulden. Denn das Jenseits wird in jener Zeit höher gewertet als das Diesseits – besonders in der christlich geprägten Welt von Goldau.

Der Weg zur Moderne

Gleichzeitig ist der Goldauer Bergsturz auch ein Wendepunkt. Er hat nicht nur eine Bruchstelle am Rossberg hinterlassen, sondern ist auch eine Schnittstelle auf dem Weg in die Moderne. Die Aufklärung macht sich langsam bemerkbar.

Seit dem fürchterlichen Erdbeben von Lissabon von 1755 gingen die klügsten Köpfe Europas über die Bücher. Ein Erdbeben und ein dadurch ausgelöster Tsunami haben die Stadt verwüstet. Und dies erst noch an Allerheiligen!

Wie konnte Gottes Strafe so furchtbar sein? Gab es nicht andere, ergänzende Erklärungen?

Mit dieser Fragestellung verschiebt sich auch die Verantwortung. Nicht mehr ein welterschaffender, jenseitiger Gott steht einem diesseitigen Sünder gegenüber. Der Gegensatz wird nunmehr in der erfahrbaren Welt selbst gesehen: In erster Linie würden natürliche Phänomene die Menschheit bedrohen. So erkannte man im Lissabonner Erdbeben die erste grossen Naturkatastrophe einer neuen Zeit.

Bild von einem Bergsturz
Legende: Xaver Triner: «Vue de la Montagne du Spietzbühl»: Ein Werk, das die Schwyzer Regierung 1806 zugunsten der Hinterbliebenen anfertigen liess. Bergsturzmuseum

Die Katastrophe wird für Schaulustige erfahrbar

Der Goldauer Bergsturz wird analog zum Lissabonner Erdbeben zum schweizerischen Ebenbild einer Naturkatastrophe. Eine kleine Lebensgeschichte verdeutlicht dies: Der aus Goldau stammende Joseph Martin Baumann baut in mühevoller Kleinarbeit naturnahe Reliefs. Die Schaukästen stellen die Gegend vor und nach dem Bergsturz dar.

Baumann macht die Katastrophe zu seinem Lebensinhalt. Er lässt sein altes Leben als Schneidermeister in Brunnen hinter sich und geht fortan mit den Reliefs auf Tour. Damit weckt er das Interesse am Geschehen bei anderen Schaulustigen. Das alpine Unglück trifft den Nerv der Zeit.

Philipp Hofstetter

Philipp Hofstetter

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Philipp Hofstetter ist promovierter Historiker und Archivar. Er hat Geschichte, Wirtschaftsgeschichte und Ethnologie in Zürich, Lausanne, New York und Florenz studiert und war von 1999 bis 2009 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Archiv für Zeitgeschichte der ETH Zürich. Seit 2005 hat er an zahlreichen Filmprojekten und Publikationen zu historischen Themen mitgewirkt. Er ist der Geschäftsleiter von Public History Research, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Die Nation solidarisiert sich

Naturgetreue oder auch dramatisierende Darstellungen dienen dazu, Aufmerksamkeit zu erregen. So wird der Goldauer Bergsturz zum regelrechten Medienereignis.

Die Zeitungen verbreiten die Meldung rasch über ganz Europa. Der alpine Katastrophismus wird zum Impuls einer nationalen Solidaritätsaktion. Schweizweit werden bedeutende Hilfsgelder organisiert. Das Bild der gefahrenreichen Alpen verfestigt sich.

Zeitungsausschnitt
Legende: Der Bergsturz prägte sich in das kollektive Gedächtnis der Schweiz ein. Erinnerungsblatt an den Bergsturz von Goldau, veröffentlicht 1856. Schweizerisches Nationalmuseum

Der Präventionsgedanke wächst

Noch wird es Jahrzehnte dauern, bis aus den Interessen an den natürlichen Ursachen und ihren Wirkungen das Fach der Geologie an den Universitäten etabliert wird. Unmittelbar nach dem Ereignis von 1806 werden auch noch keine Überwachungs- und Warnsysteme aufgebaut.

Seit dem Bergsturz von Goldau hat sich aber etwas grundlegend verändert: Die Gesellschaft erkennt ihre Möglichkeiten. Sie begreift, dass mit besserer Kenntnis der Ursachen, Mittel und Wege beschritten werden können, um einer möglichen Katastrophe besser vorzubeugen.

Der Gedanke einer präventiven Gesellschaft wächst. Die Erkenntnis also, dass eine bessere Zukunft selbst erschaffen werden kann. Der Mensch entwickelt eine schöpferische Kraft.

«Präventive Gesellschaft» gegenüber Naturgefahren

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Musste der Mensch bei einem Unheil durch eine höhere Gewalt früher den Schicksalsschlag noch passiv hinnehmen, kann er nun mit dem Konzept der «präventiven Gesellschaft» der Katastrophe gegenüber aktiver auftreten.

Am Typus von Naturgefahren ist jüngst der Historiker Nicolai Hannig diesem Konzept weiter nachgegangen. In seiner historischen Studie beschreibt er, wie nach dem Erdbeben von Lissabon Pfade in die präventive Gesellschaft beschritten werden. Anstatt sich gottgeleitet dem Schicksalsschlag zu ergeben, geht es nach 1800 vermehrt darum, eine Gefahr zu verhindern.

Die Natur wird bewältigbar

In der Schweiz etwa werden ganze Flüsse in Kanäle versetzt, Bannwälder wiederaufgeforstet und Wildbäche verbaut. Zum Feindbild werden nicht mehr fremde Armeen, sondern wird die Natur selbst erklärt.

Die Bewältigung der Natur bringt alpine Verteidigungslandschaften hervor. Die Schweiz ist damit so erfolgreich gewesen, dass der Umwelthistoriker Christian Pfister gar eine statistisch untermauerte Katastrophenlücke zwischen 1882 und 1976 erkennt.

Die Versicherungen waren geboren

Der Glaube an eine kalkulierbare Gefahrenwelt bringt zudem einen ganzen Wirtschaftszweig hervor: Die Versicherungen – sie sind dafür da, die Risiken einzuschätzen. Doch langsam begreifen die Risikomanager auch die Grenzen einer präventiven Gesellschaft.

Zum einen ist bei Naturkatastrophen vieles menschgemacht. Der Mensch tritt selbst als Mitverursacher beim Zerstörungsausmass auf.

Zum anderen ist nicht alles im Business Model kalkulierbar: Was tun, wenn der Schadensfall nur äusserst selten eintritt? Und wenn er dennoch eintritt und zugleich kaum einschätzbare und tragbare Schäden verursacht?

Es kursieren bald einmal Begriffe wie Risikogesellschaft, Nachhaltigkeit und Resilienz (Widerstandsfähigkeit).

Epidemien, Bergstürze und Hochwasser

Wie Bergstürze, Lawinen oder Hochwasser werden auch die Epidemien am Ende des 19. Jahrhunderts als Katastrophen wahrgenommen. Wie sich davor schützen?

Auch bei Krankheiten sollen Vorsorge- und Fürsorgekonzepte greifen. Das gilt auch für die damaligen Geschlechtskrankheiten wie Gonorrhoe und Syphilis.

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Wege aus Katastrophen: Syphilis (um 1900)
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Was zuvor eine unsichtbare Bedrohung war, bringen verbesserte Diagnosetechniken und Erkenntnisse in der Forschung ans Licht: Bakterien sind die Verursacher.

Insbesondere kann Syphilis über verschiedene Stadien zum Tod führen. In der Schweiz sterben um die Jahrhundertwende von 1900 rund 150 bis 200 Menschen pro Jahr, sagt die offizielle Statistik.

Bakterien unter dem Mikroskop
Legende: Syphilis-Erreger, identifiziert von Schaudinn und Hoffmann im Jahr 1905. Historia / Shutterstock

Die Moral hinter der Krankheit

Die Historikerin Brigitte Ruckstuhl spricht heute eher von einer Skandalisierung als von einer Katastrophe. Nicht die Krankheit Syphilis an sich, sondern die bürgerliche Moralisierung des Sexualverhaltens sei für das historische Verständnis gegenüber dem Umgang mit Geschlechtskrankheiten zentral.

Es sind zu jener Zeit weniger die Moralkeulen der Kirchenvertreter, die wirksam sind. Eher macht sich ein aufgeklärtes Bürgertum Schuld- und Schamgefühle zunutze.

Syphilis als Sinnbild von Verstädterung

«Syphilis war ein Symbol für den Zerfall», sagt Brigitte Ruckstuhl. Die Krankheit wird zum Sinnbild von Verstädterung und Industrialisierung. Sie trage die negative Seite dieses Wandels in die Familie hinein, meinen die damaligen Sittenhüter. Und diese müsse geschützt werden.

Damit wird die Hauptverantwortung der Frau übertragen. Sie wird auf ihre Schamgefühle angesprochen, um aussereheliches Sexualverhalten zu verhindern.

Schwarz-Weiss Bild einer Strasse mit Häusern dran
Legende: Das Dermatologische Institut an der Zürcher Hohlstrasse war eine Anlaufstelle für Syphilis-Kranke (Bild: 1931). ETH-Bibliothek Zürich / Bildarchiv

Moral und Medizin verflechten sich

Die damalige Einsicht im Wissen um die sexuell übertragbaren Krankheiten: Jede und jeder kann von der Krankheit betroffen werden. Darum wird Aufklärung betrieben.

Moral und Medizin werden so untrennbar verflochten. Nur so könne erfolgreich Prävention betrieben werden, so der Konsens. Es geht um den Schutz des gesunden Volkskörpers. Neben der Vorsorge wird daher auch Fürsorge betrieben. Fachärzte stellen ab 1910 in eigens eingerichteten Ambulatorien die Diagnose. Sie behandeln Betroffene mit einem marktreifen Medikament namens Salvarsan.

Drei Ampullen auf schwarzem Untergrund
Legende: Im Jahr 1910 war es endlich soweit: Das erste moderne Medikament gegen Syphilis war verfügbar und löste die Quecksilberbehandlung ab. picture-alliance / Leemage / Costa

Mit dem Einsatz des antibakteriellen Penicillins ab den 1940er-Jahren mündet der Optimismus in Euphorie. Denn man ist sich gewiss: Bald werden diese Krankheiten ausgerottet sein.

Atomkraft? Ja, bitte.

Den Optimismus in der Medizin teilt die Schweiz in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Glauben an die Atomkraft. Die friedliche Nutzung der Atomenergie begeistert die Atomphysiker auch hierzulande.

Sie führen das Land in ein neues Zeitalter, in dem es keine Sorgen mehr über die Energieversorgung geben wird. Das Ziel: der Bau eines eigenen, kommerziell nutzbaren Reaktors. Mit im Gepäck haben die Verantwortlichen ein Sicherheitskonzept, welches einzig auf Prävention baut.

Schwarz-Weiss Bild von einem Kernreaktor
Legende: Bonjour tristesse: Der Kernreaktor nach dem Reaktorunfall im waadtländischen Lucens, 1969. Getty Images / J.M.Manzoni / RDB / ullstein bild

Der Traum platzt

In einer Kaverne im waadtländischen Lucens wird der Plan letztlich umgesetzt. Was kann schon Schlimmes tief im Berg passieren?

Am 21. Januar 1969 kommt es zur Kernschmelze und der Reaktor explodiert. Der Kavernenbau verhindert eine Umweltkatastrophe, doch der Traum vom eigenen Reaktor ist geplatzt.

Der Fortschrittsoptimismus bricht

«In der internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse wird heute Lucens auf der Stufe 5 von 7 angesiedelt. Das heisst, es war ein schwerer Unfall», so der Historiker Michael Fischer, der über die Schweiz im damaligen Atomfieber forscht.

Dieser Fortschrittsoptimismus wird mit der atomaren Technikkatastrophe von Lucens gebrochen.

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Der Reaktorunfall von Lucens, 1969
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Atomkraft? Nein, danke.

Die Grenzen des Wachstums wurden plötzlich sichtbar. Die Schweiz bricht damals das Experiment ab. Mit der Anti-Atomkraft-Bewegung wird das Katastrophenszenario schliesslich umgedeutet.

Der Alarmismus der Umweltbewegung rüttelt die Gesellschaft auf: Der Mensch soll mit und in der Natur leben, nicht dagegen. Der Chemieunfall von Schweizerhalle 1986 und die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl im gleichen Jahr bewirken ein gesellschaftliches Umdenken.

Schwarz-Weiss Foto von Männern, die Schutzkleidung anziehen
Legende: Nachdem es zur Reaktor-Katastrophe gekommen war, begannen Restaurationsarbeiten, um den Kernreaktor in Lucens wieder in Betrieb zu nehmen. (Bild: Januar, 1969) KEYSTONE / PHOTOPRESS-ARCHIV / Joe Widmer

Das Virus und die Randgruppe

Auch die Bekämpfung globaler Epidemien erlebt einen argen Dämpfer. Ab 1981 breitet sich die Immunschwächekrankheit AIDS aus, die durch das HIV-Virus ausgelöst wird – auch in der Schweiz. Anfangs scheint sich das Muster, wie bei der Syphilis, zu wiederholen. Wieder werden als Schuldige einer sexuell übertragbaren Krankheit zuerst Randgruppen ausgemacht.

Dieses Mal sind es nicht mehr die Prostituierten, sondern Schwule, Fixerinnen und Schwarze. Die Fachärzte ringen um Deutungshoheit. Doch wie bei der Syphilis weicht dieses Bild bald der Erkenntnis, dass auch das HIV-Virus vor niemanden Halt macht.

Solidarität mit Randgruppen

Historikerin Ruckstuhl sieht nun aber einen bemerkenswerten Wandel. Ausgelöst wurde dieser durch die sexuelle Revolution der Vorjahre, welche die Gesellschaft verändert hat.

Anstatt sich weiter von den Risikogruppen abzugrenzen, zeigt sie sich die Gesellschaft solidarisch.

Hand mit Dose voller Medikamenten in der Hand
Legende: So sieht der Pillen-Cocktail aus, der einer HIV-positiven Frau 1998 verschrieben wurde. KEYSTONE / Patrick Aviolat

Der Schrecken des Virus

An der Jahreswende 1986/87 beginnt schweizweit eine beispiellose Aufklärungskampagne. Dieses Mal wird nicht der Verzicht auf Sex gefordert, sondern der Gebrauch des Kondoms. Auch therapeutisch werden Fortschritte angestrebt und erreicht.

Zwar fehlt ein Impfstoff. Dennoch ist in der Schweiz der Schrecken des unmittelbaren Todesurteils durch das Virus genommen worden. Die Gesellschaft hat gelernt, mit dem Virus zu leben: Wir schützen uns, behandeln Betroffene und forschen weiter im medizinischen Bereich, in der Hoffnung ein Heilmittel zu finden.

Der neue Player: Klimawandel

Von den Viren und Bakterien, über die noch kleineren, aber zerstörerischeren Atome bis zur Wucht der alpinen Naturdesaster. Der Bergsturz von Bondo im Jahr 2017 – er ist noch vielen in der Schweiz gegenwärtig – bewegt die Menschen teilweise nach dem bewährten alpinen Katastrophenmuster.

Grundsätzlich funktioniert das Warn- und Schutzkonzept. Doch die Welt um die Naturkatastrophe hat sich verändert. Ein neues Deutungskonzept ist im Umlauf: Der vom Menschen mitverursachte Klimawandel. Die globalisierte Welt ist unmittelbarer und verletzbarer. Immer weniger Risiken werden rein lokal eingeschätzt. Sie haben stattdessen ein globales Ausmass.

Wird die höhere Gewalt überflüssig?

Noch einmal verschiebt sich damit die Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung. Wenn sich der Mensch als Verursacher der globalen Erwärmung sieht, dann beeinflusst er die Natur.

Zugespitzt formuliert: Bei dieser Interpretation braucht es keine höhere Gewalt mehr, wie sie noch zweihundert Jahre zuvor beim Bergsturz von Goldau dominierend war. Die Menschheit hat sich endgültig an die Stelle Gottes gesetzt.

Menschen vor einem Trümmerhaufen
Legende: Am 23. August 2017 stürzten vier Millionen Kubikmeter Gestein vom Piz Cengalo oberhalb von Bondo ins Tal und verschütteten einen Teil des Bündner Dorfes. KEYSTONE / Pascal Mora

Wer trägt die Verantwortung?

Sicher ist: Einen eindimensionalen Weg durch Leid und Schrecken gibt es nicht. Die Sache ist komplexer. In jedem Katastrophenfall greift die Gesellschaft ältere sinnstiftende Erzählmuster auf – und passt diese an die neue Situation an. Dabei werden Verantwortlichkeiten ausgehandelt und definiert.

Hinter jedem Katastrophennarrativ steckt somit letztlich eine Verantwortungskonstellation. Sind einmal Verantwortliche ausgemacht, sind damit automatisch Lösungsansätze verbunden. Diese Lösungen haben wiederum enorme Konsequenzen auf die Gesellschaft. Dies gilt selbstverständlich auch für die Covid-19-Pandemie, wenn wir sie als Katastrophe erleben.

Mutig in die Zukunft: Die Schwerpunkt-Woche

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Zeichnung von zwei Frauen mit Maske, wobei eine Frau aus einem schwarzen Loch steigt.
Legende: srf

Die Coronakrise hat unser Leben verändert. Ein Jahr nach dem Shutdown startet SRF Kultur einen thematischen Schwerpunkt mit Geschichten, die Mut machen, die Welt von morgen zu gestalten. Ab Samstag, 13. März 2021, zeigt SRF den multimedialen Schwerpunkt im Fernsehen, Radio und online.

SRF 1, Sternstunde Religion, 14.03.2021, 10 Uhr

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Samuel Nogler  (semi-arid)
    Interessanter Artikel. Das Bergsturzmuseum in Goldau kann ich sehr empfehlen. Zwar sehr klein, dennoch sehr informativ. Ebenfalls empfehlen kann ich die Museen im Piuro, sei es das fast nie geöffnete Kleinmuseum neben der Kirche zum Bergsturz von Piuro 1618 (gehörte damals den 3 Bünden) oder auch die Villa Vertemate unweit davon. Sehr spannend, um zu lernen, was in vergangenen Tagen im Alpenraum geschah.
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  • Kommentar von David López Garcia  (David López)
    Sehr guter Artikel aber es fehlt der Hinweis, dass wir heute noch damit zu kämpfen haben, dass Menschen egostisch sein können, eigene Verschwörungsgeschichten glauben und sehr schlecht Gefahren in der Zukunft erkennen.

    - Bereits heute stirbt ein grosser Teil der Schweizer Wälder an der Klimaerwärmung.
    - Wir Schweizer lagern unsere Umweltprobleme ins Ausland um hier schön zu wohnen.
    - Dauerhaftes Endlager Schweiz, wie lange suchen wir das schon?

    Alles was wage in der Zukunft
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    1. Antwort von Urs Dupont  (udupont)
      a) Wo sterben Wälder? Das war einmal eine der vielen alten Angstmachereien (zusam. mit der Warnung vor neuer Eiszeit, dem Ozonloch, etc.)!
      b) Stimmt z.T.. Mit der riesigen Zuwanderung importieren wir aber auch sehr viele Umweltprobleme und übernehmen einen Teil des grössten (Umwelt-)Problems "Bevölkerungsexplosion", wo viele Staaten ihre Hausaufgaben nicht machen
      c) Technisch gelöst (besichtigen Sie doch mal das Felslabor der Nagra am Grimsel), aber es ist ein politisches / emotionales Problem
  • Kommentar von Urs Dupont  (udupont)
    Und vielleicht noch eine sehr gewagte Bemerkung: Schlimmer als der Virus selber war wie schlecht wir vorbereitet waren, wie wir zuerst viel zu spät und nachher mit Rundumschlägen und der Hammermethode nur wenig bewirkt haben, aber sehr viel Kollateralschaden verursacht haben und letztendlich noch Massnahmen durchgesetzt wurden, die eindeutig kontraproduktiv waren / sind (Ladenöffnungszeiten verkürzt, Restaurantterrassen, Hallenbäder, Saunas, etc.geschlossen), die helfen gesund zu bleiben.
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