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Iran-Krieg «Ein langer Krieg wäre ein strategischer Vorteil für Peking»

China verurteilt die Angriffe der USA und Israels auf den Iran – denn auch für China steht viel auf dem Spiel. Wie der Krieg China wirtschaftlich schadet und warum ein langer Konflikt auch Vorteile für Peking bringen könnte, erklärt Simona Grano, China-Expertin an der Universität Zürich.

Simona Grano

Sinologin, Universität Zürich

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Die Sinologin Simona Grano ist Privatdozentin an der Universität Zürich. Sie leitet dort das «Taiwan Studies»-Projekt und beschäftigt sich mit China-Fragen.

SRF News: Welche Risiken bringt der Krieg für China?

Simona Grano: Chinas Verhältnis zum Iran ist vor allem von Eigeninteressen geprägt. Aus dem Iran erhält Peking günstiges Öl – trotz der westlichen Sanktionen gegen Teheran. China will aber auch seine guten Beziehungen zu den arabischen Staaten nicht gefährden. Und es will sich als neutraler Machtfaktor im Nahen Osten präsentieren, etwa, indem es eine Annäherung des Irans an Saudi-Arabien vermittelt hat.

13 Prozent des von China importierten Öls stammen aus dem Iran, zudem wird noch viel mehr Öl aus den Golfstaaten in Richtung China durch die inzwischen gesperrte Strasse von Hormus transportiert. Wie sicher ist Chinas Energieversorgung noch?

Sicher ist: Beim Thema Öl ist China besonders verletzlich. Es kauft in der Tat rund 80 Prozent des von Iran exportierten Öls – zu günstigen Preisen. Und erst gerade hat Peking den Zugang zu billigem Öl aus Venezuela verloren. Das alles ist für Peking durchaus ein Problem, auch, weil die Ölpreise wegen des Kriegs gegen den Iran bereits stark gestiegen sind.

Falls die Seewege länger blockiert werden, wird es für China wirklich problematisch.

Zugleich wächst der Energiebedarf in China, etwa wegen des Aufbaus und Betriebs neuer Rechenzentren für künstliche Intelligenz. Peking muss das Öl also zunehmend zu Weltmarktpreisen einkaufen. Die in China angelegten Ölreserven helfen da nur für eine begrenzte Zeit. Falls die Seewege länger blockiert werden, wird es für China wirklich problematisch.

Was bedeutet der Krieg für die Taiwan-Frage?

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Trump und Xi in Nahaufnahme.
Legende: Reuters/Evelyn Hockstein

«Klar – jede Rakete, welche die USA jetzt im Nahen Osten abfeuern, fehlt im Szenario Taiwan. Denn das sind genau die Systeme, die eigentlich für einen möglichen Konflikt um Taiwan vorgesehen sind», sagt China-Expertin Simona Grano.

Zudem binde derzeit der Konflikt im Nahen Osten die Aufmerksamkeit und die Ressourcen der USA und beeinflusse auch die Politik. Aber: «Viel wichtiger für Chinas Haltung zu Taiwan wird das Treffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping Ende März sein.»

Trump hatte im Februar angekündigt, Ende März oder Anfang April für ein Gipfeltreffen mit Xi nach China zu reisen. Das Treffen ist von chinesischer Seite allerdings noch nicht offiziell bestätigt worden.

China ist zwar abhängig von Ölimporten, bei anderen Rohstoffen, etwa den Seltenen Erden, sind die USA aber auf China angewiesen. Könnte Peking dies als Druckmittel verwenden?

Ja, absolut. China hat in der Vergangenheit bereits demonstriert, dass es bereit ist, kritische Rohstoffe als politisches Druckmittel einzusetzen. Die USA verbrauchen derzeit viel modernes Waffengerät – etwa Patriot-Abfangraketen oder den F-35-Kampfjet –, für dessen Produktion Gallium und andere Seltene Erden gebraucht werden.

China kann über industrielle Wege beeinflussen, wie viele Waffen die USA herstellen können.

Peking hat dabei den Vorteil, dass es grosse Teile der Lieferketten dieser Rohstoffe kontrolliert. China kann also über industrielle Wege beeinflussen, wie viele neue Waffen die USA herstellen können.

Hat Peking hier also Trumpf gegen Trump in der Hand?

Man kann es etwa so formulieren: Für Peking ist ein langer Konflikt im Nahen Osten strategisch günstig, weil er die amerikanischen Bestände dezimiert und Chinas Verhandlungsposition stärkt.

Die USA dezimieren derzeit ihre Munitionsbestände, was Trumps Handlungsspielraum in nächster Zeit einschränkt.

Wie ist Ihr Fazit: Wird Peking eher gestärkt oder geschwächt vom Krieg im Iran?

Wenn die USA den Krieg schnell beenden und vielleicht eine prowestliche Regierung installieren können, wäre dies eher zum Nachteil Chinas. Wenn der Krieg aber länger andauert, wird das zum strategischen Vorteil für Peking: Die USA sind in dem Krieg gebunden, dezimieren ihre Munitionsbestände, was wiederum Trumps Handlungsspielraum in nächster Zeit einschränkt. Andererseits schadet der Krieg China kurzfristig wirtschaftlich, vor allem wegen der steigenden Ölpreise.

Das Gespräch führte Silvan Zemp.

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SRF 4 News aktuell, 4.3.2026, 6:50 Uhr ; 

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