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Relative Wirkung Wie wach macht uns Kaffee wirklich?

Die Menschen in der Schweiz trinken viel Kaffee. Aber: Wie gut wirkt er? Und wie gesund ist Kaffee eigentlich? Unser Lieblings-Heissgetränk im Check.

Rund zwei Tassen Kaffee trinken die Menschen in der Schweiz im Schnitt pro Tag und Person. Damit liegen wir im europäischen Vergleich weit vorn – nur in den skandinavischen Ländern trinken die Menschen noch mehr Kaffee.

Viele erhoffen sich davon einen morgendlichen Energieschub. Wissenschaftlich gesehen ist dieser Effekt durchaus real: Koffein blockiert die Rezeptoren für das Müdigkeitsmolekül Adenosin und stimuliert die Produktion von Dopamin, das eher anregend wirkt.

Für regelmässige Kaffeetrinkerinnen und -trinker ist dieser morgendliche Boost unter dem Strich aber oft kein Gewinn an Energie und Wohlbefinden, wie Yasser Khazaal, Psychiater und Suchtexperte am Universitätsspital Lausanne, gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) sagt.

Wer täglich Kaffee trinkt, erlebt durch den Konsum zwar eine Stimmungsverbesserung – sie ist aber hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass die Entzugssymptome gelindert werden, die sich während der Nacht eingestellt haben, wie Müdigkeit und Reizbarkeit. Besser als normal macht uns der Kaffee nicht, er bringt uns einfach in unseren Grundzustand zurück, indem er die Auswirkungen des Mangels aufhebt.

Diese Analyse bestätigt in einem Artikel der New York Times auch die Psychologin Laura Juliano. Ein wahrer Schub sei vorwiegend den gelegentlichen Kaffeetrinkerinnen und -trinkern vorbehalten, sagt sie dort. Dieser positive Effekt ist laut einer Studie übrigens in den ersten zweieinhalb Stunden nach dem Aufwachen am stärksten ausgeprägt und hilft uns, die Trägheit des Schlafs zu überwinden.

Hand hält Super Good Becher vor Gebäck im Café.
Legende: Gehört für viele zur Morgenroutine: Kaffee zum Mitnehmen, hier am Zürcher Hauptbahnhof. KEYSTONE / Christian Beutler

Koffein stimuliert jenen Teil unseres Nervensystems, der für die «Kampf-oder-Flucht»-Reaktion verantwortlich ist und den Körper darauf vorbereitet, mit Stress umzugehen. Das äussert sich unter anderem mit höherem Puls und Blutdruck – Reaktionen, die der Körper auch zeigt, wenn wir Angst haben. Der Effekt hänge von der Dosis ab, sagt Yasser Khazaal: Ab etwa 400 mg pro Tag – das entspreche etwa vier Espresso – werde es signifikant, so der Lausanner Psychiater.

Für die These, dass Kaffee gegen Depressionen helfe, gibt es übrigens keine belastbaren Beweise. Eine Meta-Analyse von 2023 zeigt zwar einen Zusammenhang zwischen hohem Konsum und einem geringeren Depressionsrisiko. Die Autoren sowie andere Expertinnen und Experten betonen jedoch, dass dies keinen Kausalzusammenhang bedeute und Kaffee nicht als Behandlung betrachtet werden könne.

Kaffee kann tatsächlich ein Gefühl des Wohlbefindens hervorrufen. Bei Gewohnheitstrinkerinnen und -trinkern muss man diese Wirkung allerdings relativieren. Die meisten Fachpersonen empfehlen einen moderaten Konsum – etwa ein bis zwei Tassen pro Tag.

RTS, Fast check, 20.3.2026, 14:20 Uhr; wilh

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