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Stimmen aus der Community «USA haben keine Gerichtsbarkeit ausserhalb ihres Territoriums»

Mit der Gefangennahme von Nicolás Maduro hat US-Präsident Donald Trump klar gegen das Völkerrecht verstossen. Er hat damit aber auch einen autoritären Machthaber gestürzt. Die «dialog»-Community diskutiert, ob in einem solchen Fall der Zweck die Mittel heilige.

Die Antwort einer klaren, aber nicht repräsentativen, Mehrheit der «dialog-Community» lautet: Nein. Über drei Viertel der Community verurteilen den US-Angriff in Venezuela. Was sind ihre Argumente?

Diskutieren Sie mit:

Der User «Esprit Lucide» beispielsweise schreibt: «Das Völkerrecht existiert, muss angewendet und respektiert werden. Es gibt internationale Haftbefehle. Es gibt eine internationale Justiz. Friedliche und konstruktive diplomatische Mittel stehen allen zur Verfügung. Warum will man sich über das Völkerrecht stellen? Warum will man den Stärkeren spielen? Warum diese teuer erkauften Errungenschaften zerstören? Warum die Weltordnung destabilisieren?»

Ist es moralisch niemals legitim, den Teufel mit teuflischen Mitteln zu bekämpfen!
Autor: «Martin Ke» «dialog»-User

Und nicht nur das Völkerrecht, sondern auch das eigentliche Ziel von Trump spricht gegen das Vorgehen der USA, wie User «Peter Uhr» schreibt: «Die USA haben den Regierungschef von Venezuela entführt, um sich – wie Trump sehr deutlich sagt – das Erdöl des Landes anzueignen. Weder das Ziel noch die Mittel sind in irgendeiner Weise zu rechtfertigen. Für die wenigen Leichtgläubigen, die meinen, es handle sich um Gerechtigkeit: Die USA haben keinerlei Gerichtsbarkeit ausserhalb ihres Territoriums. Sie haben sich zudem aus dem Internationalen Strafgerichtshof zurückgezogen und drohen Europa sogar regelmässig mit einer Militäroperation in Den Haag, um die Richter dieser Instanz zu entführen.»

Frage der Moral

Dem hält «Martin Ke» aus der «dialog»-Community entgegen: «Bitte schaut alle Verbrechen gegen die Menschlichkeit an, die Maduro seit seiner Amtseinsetzung begangen hat, bevor ihr den aktuellen (völkerrechtlich illegalen) Versuch der USA, in Venezuela eine Demokratie zu befördern, uneingeschränkt verurteilt! Oder beantwortet die Frage: Ist es ethisch beziehungsweise moralisch niemals legitim, den Teufel (wenn es nicht anders geht!) mit teuflischen Mitteln zu bekämpfen? Immerhin gibt es ja in der Moralphilosophie das Konzept des Tyrannenmordes … Da sehe ich eine konzeptionelle Verwandtschaft.»

Darauf antwortet der User «F. Meyer»: «Wäre Venezuela weltweit die einzige Diktatur, würde ich Ihre Ansicht teilen. Doch Maduro ist bei Weitem nicht der einzige Diktator. Somit ist es meiner Meinung nach offensichtlich: Den USA geht es nicht darum, Diktaturen zu beenden, sondern nur um das, was für sie von Interesse ist.»

Eine Ansicht, die auch «François Delafontaine» teilt. Er merkt an, «dass das angestrebte Ziel nicht der Sturz eines Diktators ist, sondern die Aneignung des Erdöls – die Trump-Administration macht nicht einmal ein Geheimnis daraus. Weder dies noch der ‹Drogenhandel›, der eine ganze Reihe von Verbrechen verursacht hat, ist stichhaltig. Aber selbst wenn man den Staatsstreich als Motiv akzeptiert, bleibt es eine Einmischung, die gegen das Völkerrecht verstösst.»

Auch zeigt sich durch die Intervention nun in der Community die Furcht, dass Venezuela nur ein erster Schachzug von Trump gewesen sei. So schreibt etwa die Userin «Unabhängige Teilnehmerin»: «Akzeptiert man diese direkte Einmischung in einen Drittstaat, kann für jeden weiteren Eingriff in andere Länder, Kolumbien, Kuba, Iran, Dänemark, genauer gesagt Grönland, immer ein Grund gefunden werden. Man beachte auch die entsprechenden Begründungen von Russland oder China.»

SRF 4 News, 5.1.2026, 6:47 Uhr ; 

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