Wladimir Putin dürfte am Wochenende mit gemischten Gefühlen nach Washington geblickt haben. Der rasche Enthauptungsschlag gegen die Regierung eines kleinen Nachbarn, die Gefangennahme des Präsidenten, der wie eine Trophäe ins Land des Angreifers geschleppt wird. Die Selbstverständlichkeit, mit der jetzt von einem Regimewechsel die Rede ist.
All das hatte Putin 2022 für die Ukraine vorgesehen. Nun ist in den USA in Venezuela in einer Nacht gelungen, was Russland seit bald vier Jahren in der Ukraine nicht schafft.
Zum Zuschauen verdammt – wie bei Assad
Auf den ersten Blick sieht der Sturz von Maduro wie eine Schmach für Moskau aus. Russland war mit Maduro verbündet und hatte diesem im Streit mit den USA volle Unterstützung zugesichert. Doch das Ende von Maduros Herrschaft konnte der Kreml genauso wenig verhindern wie dasjenige des Verbündeten Assad-Regimes in Syrien.
Die Reaktion aus Moskau beschränkte sich darauf, Maduro Freilassung zu fordern und ohne jede Spur von Ironie an das Völkerrecht und das Prinzip staatlicher Souveränität zu appellieren.
Sorge vor sinkenden Ölpreisen
Unbehagen in Moskau ausgelöst haben, dürfte auch Trumps Absicht, venezolanische Ölfelder amerikanischen Firmen zu übergeben. Die bisher sanktionierte venezolanische Ölindustrie war für Russland lange keine Konkurrenz.
Sollte dereinst wieder mehr Öl aus Venezuela auf den schon jetzt übersättigten Markt strömen, dürfte der weltweite Ölpreis noch tiefer sinken. Russlands Exporteinnahmen, die es für seinen Krieg gegen die Ukraine bitter nötig hat, werden weiter schrumpfen.
Grossmächte unter sich
Doch Putin ist bereit, viele Rückschläge hinzunehmen, um seine Vision der Weltpolitik zu verwirklichen. Dass Trump Putins Ukraine-Plan in Venezuela nachahmt, ist für Russland ein Schritt in die richtige Richtung. Hin zu einer Welt, in der kein Völkerrecht, sondern nur das Recht des Stärkeren gilt.
Eine Welt, in der Grossmächte in ihren Einflusssphären tun und lassen dürfen, was sie wollen. Nun hat Russland amerikanische Völkerrechtsverstösse schon immer genutzt, um seine eigenen zu rechtfertigen.
Aber die US-Regierung spricht nach dem Angriff auf Venezuela explizit von ihrer Dominanz in der westlichen Hemisphäre und distanziert sich seit Monaten von ihren altgedienten Verbündeten in Europa. Europa, das Russland als seine Einflusssphäre betrachtet.
Pakt zwischen Trump und Putin?
Trumps imperiales Abenteuer in Venezuela dürfte für Putin eine viel interessantere Entwicklung sein als noch eine Runde Gespräche über eine Feuerpause in der Ukraine.
Am liebsten würde der Kreml-Chef über die Köpfe der Ukrainer und Europäer hinweg mit den USA zu einer Vereinbarung über die Aufteilung der Welt kommen. Die US-amerikanische Machtdemonstration in Lateinamerika ist für den Kreml ein weiteres Zeichen, dass Trump einem solchen Pakt zustimmen könnte.