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Ukraine-Krieg Ukraine hat Russland im März bei Drohnenangriffen überholt

Erstmals hat die Ukraine mehr Drohnen in Richtung Russland abgefeuert als umgekehrt.

Im März dieses Jahres meldete Moskau den Abschuss von 7347 ukrainischen Drohnen – durchschnittlich 237 Geräte pro Tag, wie der US-Sender ABC News berichtet. Im selben Monat meldete die Ukraine die Sichtung von 6462 russischen Drohnen – rund 208 pro Tag. Somit hat die Ukraine erstmals seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 mehr grenzüberschreitende Drohnenangriffe ausgeführt als Russland.

Mann in Tarnkleidung hält eine Drohne auf einem Feld.
Legende: Ein ukrainischer Soldat hält am 10. April 2026 an einem geheimen Übungsort eine in den USA hergestellte AS3-Abfangdrohne in der Hand. REUTERS/Valentyn Ogirenko

Laut der ukrainischen «Kyiv Post» hat sich die Zahl der ukrainischen Luftangriffe zwischen Ende 2025 und Anfang 2026 verdoppelt – mittlerweile sollen jede Nacht vier verschiedene Ziele auf russischem Territorium getroffen werden. Allein in der Nacht vom 17. auf den 18. März sollen zwischen 250 und 300 ukrainische Drohnen in den russischen Luftraum eingedrungen sein – Russland bestätigte in jener Nacht das Abfangen von 238 Drohnen.

Die angegriffenen Ziele in Russland sind breit gefächert: Raffinerien, Ölhäfen, Militärbasen, Munitionsdepots, Fabriken für Militärelektronik und Sprengstoff.

Die wohl bedeutendsten Angriffe in den vergangenen Wochen gelangen der Ukraine bei den Häfen von Ust-Luga und Primorsk an der Ostsee. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bezeichnete diese Angriffe als «Terrorakte». Weitere bestätigte Ziele sind eine Chemiefabrik in der Region Stawropol, eine Fabrik für Militärelektronik in Sewastopol und Flugzeugreparaturanlagen bei Nowgorod und Pskow.

Ursache für solche Erfolge ist laut einer Analyse der «Kyiv Post», dass es der Ukraine vermehrt gelungen sei, russische Boden-Luft-Abwehr auszuschalten, welche darauf ausgelegt war, Drohnen in niedriger Höhe abzufangen.

Auf welche Drohnen setzt die Ukraine?

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Die Ukraine setzt gleich auf mehrere Typen: Die in Massenproduktion hergestellte FPV-Drohnen (First Person View) kommen täglich als Waffe an der Front zum Einsatz. Die Fire-Point-Drohne FP-2 zeichnet sich dadurch aus, dass sie resistent gegen russische Störsender sein soll.

Auf weitere Distanz setzt die Ukraine etwa die Liutyi-Drohne ein, welche eine Reichweite von über 1000 Kilometer haben soll. Auch Marinedrohnen wie die Magura V5 oder Bodenroboter wie Ratel oder Termit sollen im Einsatz sein.

Auch Russland selbst räumt mittlerweile eine gewisse Verwundbarkeit ein: In einer Sitzung, die von der russischen Agentur TASS übertragen wurde, gab der ehemalige Verteidigungsminister und heutige Sekretär des russischen Sicherheitsrates Sergei Schoigu zu, dass «die Entwicklungsdynamik der von der Ukraine verwendeten Angriffssysteme, insbesondere durch Drohnen, und die Raffinesse der eingesetzten Taktiken so beschaffen sind, dass sich keine Region Russlands als sicher betrachten kann».

Das Ziel: russisches Öl

Das Hauptziel der Ukraine ist es, die Ölinfrastruktur von Russland zu beschädigen: «Wladimir Putin verkauft Öl, nimmt das Geld und investiert es in Waffen. Und mit diesen Waffen tötet er Ukrainer», sagte der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski.

Diskutieren Sie mit:

Eine Untersuchung von Reuters Ende März ergab, dass die ukrainischen Angriffe auf Hafeninfrastrukturen die russische Ölexportkapazität vorübergehend um etwa 40 Prozent reduziert haben. Die ukrainischen Streitkräfte schätzen, dass diese Angriffe die Öllieferungen Moskaus um etwa 880'000 Barrel pro Tag reduziert haben, was für Russland einen täglichen Verlust von etwa 100 Millionen Dollar bedeutet.

Tagesschau, 21.4.2026, 19.30 Uhr;weds

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