Die Anhörung von Nicolas Féraud am 13. April begann um 9 Uhr morgens und endete zwölf Stunden später. Es war das erste Mal, dass im Strafverfahren zur Brandkatastrophe von Crans-Montana ein gewählter Amtsträger aussagen musste. Féraud hat in diesem Verfahren den Status eines Beschuldigten.
Die Einschätzung des RTS-Journalisten zu den Aussagen von Féraud:
Das Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) hat Einblick erhalten ins Protokoll der Befragung. Im Grossen und Ganzen behauptete der Gemeindepräsident von Crans-Montana, dass der Gemeinderat alles richtig gemacht habe. Er übte aber Kritik am Kantonalen Amt für Feuerwesen (KAF). Dieses sei bei den Sicherheitskontrollen in öffentlichen Einrichtungen zu wenig wachsam gewesen.
Laut Walliser Gesetz müssen öffentliche Einrichtungen jährlich kontrolliert werden. Die Bar «Le Constellation», in der sich die Brandkatastrophe vom 1. Januar ereignete, wurde jedoch seit 2019 keiner einzigen Sicherheitskontrolle unterzogen.
Diese Versäumnisse waren Gegenstand zahlreicher Fragen der drei Staatsanwältinnen, die die Anhörungen leiteten. Auch die in der Sitzung anwesenden Anwälte sprachen das an.
«Keine Empfangsbestätigung»
Féraud erklärte während seiner Anhörung: «Das Kantonale Amt für Feuerwesen war das übergeordnete Kontrollorgan. Also nehme ich an, dass es sicherstellen musste, dass das, was von den Gemeinden verlangt wurde, auch getan wurde.» Seiner Ansicht nach hätte das Amt wissen müssen, dass die öffentlichen Einrichtungen des Kantons nicht ausreichend kontrolliert wurden.
Gemäss Féraud waren die Beziehungen zwischen Crans-Montana und dem Amt «nicht wirklich gut». Und er ergänzte: «Jedes Jahr schickten wir dem KAF die Berichte, die vom Sicherheitsbeauftragten seit seinem Amtsantritt jährlich erstellt wurden. Wir erhielten vom KAF nie eine Empfangsbestätigung oder eine Bemerkung.»
Féraud bezeichnete die Beteiligung des Amts an den Aufgaben zur Brandsicherheit der Gemeinden als «quasi inexistent». Zur Untermauerung seiner Aussage sagte er, dass Staatsrat Stéphane Ganzer, Vorsteher des kantonalen Sicherheitsdepartements, in den Tagen nach dem Drama ein E-Mail an die Gemeinden geschickt habe, um daran zu erinnern, dass das KAF zur Verfügung stehe, um sie zu unterstützen.
«Unser Anwalt musste intervenieren»
Gemäss Féraud war davon aber wenig zu spüren. «Einige Zeit später mussten wir sie anrufen, um ein Hotel zu schliessen, das im vergangenen Sommer kontrolliert worden war», berichtete er. «Wir mussten unseren Anwalt einschalten, damit das KAF sich herabliess, vor Ort zu kommen und mit unseren Diensten die Schliessung dieses Hotels zu analysieren.»
Der Gemeindepräsident äusserte sich zwar sehr kritisch gegenüber dem Kanton. Gleichzeitig bezweifelte er aber, dass das Drama durch mehr regelmässige Kontrollen in öffentlichen Einrichtungen hätte verhindert werden können. Er erinnerte daran, dass es für die Sicherheitsbeauftragten nicht Vorschrift gewesen sei, Materialien wie den Schaumstoff zu überprüfen, der sich am 1. Januar im «Le Constellation» entzündet hatte.
Auf Wunsch des Kantons werden seit dem Drama vom 1. Januar nun solche Kontrollen durchgeführt.