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Ein Mythos wird 50 David Bowie – Inspiration im Schatten der Berliner Mauer

David Bowie gehört zum Selbstbild der Stadt, seit er 1976 nach Westberlin zog. Drei Jahre lebte die Pop-Ikone in der eingemauerten Stadt, überwand die Drogensucht und erfand sich neu. Sein Song «Heroes» wurde zur Hymne der Stadt. Bowie inspiriert auch heute noch viele Kulturschaffende in Berlin.

«Ich sehe David Bowie eigentlich wie Shakespeare. Seine Songs sind kleine Vierminutendramen» sagt Sven Ratzke. Der Musiker und Entertainer interpretiert die Stücke neu – «da ging ‘ne Welt für mich auf. Bowie ist eine richtige Seele, die uns, dem Publikum, viel mehr gegeben hat als andere Künstler.»

Sven Ratzke liebt wie Bowie das Theatralische. Er setzt dessen Spiel mit Realität und Fiktion in seinen charmanten Erzählungen auf der Bühne fort. Mit «You're nuts, you're crazy, I love it» bekam Ratzke von Weltstar Bowie persönlich den Segen für seine Show «Starman».

Mann mit Farbe im Gesicht und an Händen.
Legende: Sven Ratzke als David Bowie: «Starman» heisst die Show und das Album von Ratzke. Dennis Veldman

Sven Ratzke schafft auf der Bühne, etwa der «Bar jeder Vernunft», ein ganz eigenes Bowie-Universum. «Für die Berliner war das am Anfang «Wat is’ denn ditte jetz» hier? Mittlerweile finden sie das geil. Wenn Du die Berliner einmal hast, dann bleiben die für immer.»

Mann mit rotem Mantel streckt die Arme aus.
Legende: «We could be heroes» – Sven Ratzke in seiner Show. Ann-Marie Schwanke

«Ich war als Jugendlicher total verknallt in David Bowie», erzählt Comiczeichner Reinhard Kleist, er sei ein Leuchtturm gewesen, dem er folgen konnte. «Er zeigte, es gibt nicht nur das kleine Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, es gibt noch eine andere Welt. Und wenn Du willst, dann kannst Du diese erreichen.»

Reinhard Kleist an einem Pult.
Legende: Comiczeichner Reinhard Kleist, hier in seinem Atelier, hat eine Graphic Novel zu David Bowies Berlin-Jahren gezeichnet. SRF

Reinhard Kleist hat eine Graphic Novel gezeichnet über Bowies Berlin-Zeit Mitte der 70er-Jahre. «Diese Zeit wird sehr verklärt. Aber Berlin war für ihn wahnsinnig wichtig, das hat er nochmals im Song ‹Where are we now› klar gemacht. Er hat auch immer gesagt, das war die glücklichste Zeit seines Lebens.»

Freiheit im Schatten der Mauer 

Bowie kam – nach Exzessen in L.A. – kaputt und pleite nach Berlin und suchte Normalität. Er wohnte in einer unauffälligen Mietwohnung in Schöneberg, fuhr mit dem Velo durch die geteilte Stadt.

Er liess sich inspirieren von den wilden 20ern, von Brecht, von den Expressionisten und vom sogenannten «Krautrock», elektronische Avantgarde-Musik von Kraftwerk und Neu!.

In den legendären Hansa-Studios, dicht an der Berliner Mauer, produzierte Bowie drei Alben, Meilensteine seiner Karriere.

Comic von David Bowie und Christine F.
Legende: Bowie und Christiane F., «Low» von Reinhard Kleist, Carlsen-Verlag Reinhard Kleist/Carlsen Verlag

Drogenentzug in der Junkie-Hauptstadt

Bowie wollte in Berlin seine Drogensucht heilen – ausgerechnet da, wo zur selben Zeit Christiane F. den Deutschen das himmelschreiende Junkie-Elend der «Kinder vom Bahnhof Zoo» erzählte – bis heute eines der meistverkauften deutschen Sachbücher. Im gleichnamigen Film hat Bowie einen legendären Auftritt – prägend für den visuellen Künstler Reinhard Kleist.

«Mein Bild von David Bowie ist die rote Jacke aus Christiane F. Diese rote Jacke versinnbildlicht so intensiv ‹Bowie in Berlin› – für mich eines der ikonographischsten Kostüme der Filmgeschichte.» 

Zur Berliner Ikone wurde auch «Heroes», Bowies Hymne über eine Liebe im Schatten der Mauer.

Musiker Sven Ratzke interpretiert «Heroes» mit Klavier. «Das ist ein universeller Text über Liebe und er berührt auf der ganzen Welt.» Aber natürlich ist es ein Berlin-Song. «Berlin hat so viele Kanten, Ecken, Lücken, das ist so eine raue und liebevolle, grässliche Stadt, die so viele Geschichten hat – deswegen ist das auch eine Stadt der Künstler.» Damals wie heute.

Echo der Zeit, 10.1.2026, 18 Uhr;liea

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