Darum geht es: Am Montag ist in Kuba das landesweite Stromnetz erneut zusammengebrochen. Der Vorfall ist der jüngste in einer Reihe von grossflächigen Stromausfällen, die schon Tage andauern. Am Wochenende hatten diese zu seltenen, gewaltsamen Protesten in dem kommunistisch regierten Land geführt. US-Präsident Donald Trump äussert sich derweil zu seinen Plänen zur «Übernahme» und «Befreiung» des Karibikstaates.
Alte Infrastruktur und Abhängigkeit: Die Energieversorgung der Karibikinsel stützt sich hauptsächlich auf veraltete Kraftwerke, welche häufig vom Netz gehen und notdürftig repariert werden. Venezuela spielte lange eine zentrale Rolle bei der Ölversorgung. Infolge der Festnahme von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro hat Trump venezolanische Öllieferungen nach Kuba unterbunden und jedem Land mit Zöllen gedroht, das Öl an die Insel verkauft. Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel erklärte vergangene Woche, sein Land habe seit drei Monaten keine Treibstofflieferungen mehr erhalten. Am Freitag teilte die Regierung in Havanna mit, Gespräche mit den USA aufgenommen zu haben.
Trumps Pläne: Mit der Andeutung einer möglichen «Übernahme» Kubas durch die USA verschärfen sich die Spannungen mit dem sozialistischen Nachbarstaat. Trump glaubt, dass er «die Ehre haben werde», Kuba «in irgendeiner Form zu übernehmen» oder zu «befreien», sagte der US-Präsident vor Journalisten im Weissen Haus. «Ich kann alles damit machen, was ich will.» Was seine konkreten Pläne sind, führt er nicht aus.
Jahrzehntelange Spannungen: Die Beziehungen zwischen Havanna und Washington sind seit der sozialistischen Revolution unter der Linken-Ikone Fidel Castro vor fast 70 Jahren angespannt. Misswirtschaft, Korruption und das historische Handelsembargo der USA haben das autoritär regierte Land an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs gebracht. Vor allem seit der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro im Januar, einem Verbündeten der Führung in Havanna, sind die jahrzehntelangen Spannungen zwischen dem Karibikstaat und den USA noch grösser geworden.
Es ist ein gescheiterter Staat. Sie haben kein Geld, sie haben kein Öl, sie haben gar nichts.
Die USA verstärkt den Druck: Trumps abschätzige Äusserungen über Kuba dürften bei der Führung in Havanna für Unmut sorgen: «Es ist ein gescheiterter Staat. Sie haben kein Geld, sie haben kein Öl, sie haben gar nichts», sagte der US-Präsident – um dann hinterherzuschieben: «Sie haben ein schönes Land.» Seit dem Beginn von Trumps zweiter Amtszeit vor gut einem Jahr verstärkt sich der Druck. Mit Zolldrohungen gegen potenzielle Energielieferanten und der Blockade venezolanischer Öltanker liess er Kubas Zugang zu Öl weitgehend abschneiden. Für die Stromversorgung ist das Land aber auf den Rohstoff angewiesen.
Eine Übernahme wird schwierig: Trotz der schwierigen Lage auf der Insel ist unklar, warum der US-Präsident meint, in Kuba leichtes Spiel zu haben. Das Land wird seit dem Sieg der Revolution autoritär regiert, die Kommunistische Partei kontrolliert Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Andere Parteien sind nicht zugelassen. Die meisten Bewohner kennen kein anderes Regierungssystem. So dürfte die Unterstützung für einen von den USA initiierten Umsturz bei aller Kritik an der aktuellen Regierung eher gering ausfallen.