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Keine Militärparade in Russland
Aus Tagesschau vom 09.05.2020.
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75 Jahre Kriegsende Der Verlierer am Tag des Sieges

Die weltweite Coronavirus-Pandemie hat Wladimir Putin den «Tag des Sieges» gründlich versalzen. Anstatt sich der Weltöffentlichkeit als Oberhaupt einer Siegernation präsentieren zu können, machte der Präsident heute einen verlorenen und verlassenen Eindruck im Regen vor den Mauern des Kremls. Die Schwächen des Systems, das er selbst geschaffen hat, lassen sich nicht übertünchen.

Die Perspektiven des Kremls waren während den gesamten vergangenen 20 Jahren unter Wladimir Putin wohl selten so düster wie zurzeit. Das Coronavirus beschleunigt den seit Jahren schleichenden Zerfall der Zustimmungswerte des russischen Präsidenten.

Die Aufmerksamkeit gilt in diesen Tagen ganz der Eindämmung der Infektionskrankheit. Noch ist das Land weit davon entfernt, die Pandemie in den Griff zu bekommen. Doch selbst wenn dies gelingen sollte, steht Putin erst am Anfang einer langfristigen Stagnation, die unaufhaltsam scheint.

Absehbare Protestbewegung

Die wachsende Unzufriedenheit in der Bevölkerung ist keine unmittelbare Bedrohung für den Machterhalt von Wladimir Putin. Doch das Land zu regieren, dürfte für Putin in Zukunft deutlich anstrengender und vor allem auch teurer werden.

Zum einen wird er sich mehr Proteste im Inland vom Hals schlagen müssen, angesichts sinkender Realeinkommen und fehlenden Zukunftsperspektiven. Zum anderen wird es teuer werden, die Elite bei Laune zu halten. In letzter Konsequenz dürfte Putin weniger Geld für seine aussenpolitischen Abenteuer in Syrien, Libyen und Venezuela bleiben.

Fehler der Vergangenheit

In der Krise rächt sich, dass Putin während Jahren die gesamte Macht im Land monopolisierte. Eine Pandemie fordert Entscheidungen in einem Tempo, welches keine Zentralmacht liefern kann. So hat Wladimir Putin dies zwar auch realisiert und den Gouverneuren das Krisenmanagement übertragen.

Doch in der grossen Mehrheit sind dies Personen, die nicht wegen ihrer innovativen Entscheidungskraft in Ämter gehoben wurden, sondern weil sie sich als leicht kontrollierbar erwiesen haben.

Bedenklicher Realitätsverlust

Es war nicht von vornherein aussichtslos für Wladimir Putin, gestärkt aus der Krise zu treten. Aber nach 20 Jahren an der Macht fühlt sich Putin zu sicher im Sattel und scheint sich selbst zu überschätzen. Während weltweit Staaten die eigene Bevölkerung in diesen schwierigen Monaten unterstützen, überlässt der russische Staat seine Bürger weitgehend sich selbst.

Statt Fehler einzuräumen, werden die steigenden Infektionszahlen wahlweise entweder der Bevölkerung oder Ärzten in die Schuhe geschoben. Putin täte sich selbst einen Gefallen, die drängenden Probleme ernstzunehmen. Ansonsten dürfte er nicht nur heute wie ein Verlierer wirken.

Luzia Tschirky

Luzia Tschirky

Russland-Korrespondentin

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Luzia Tschirky ist SRF-Korrespondentin für die Region Russland und die ehemalige UdSSR.

Tagesschau, 9.5.2020, 13:00 Uhr

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61 Kommentare

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  • Kommentar von Klaus KREUTER  (SWISSKK)
    Eigentlich schlimm wie man Frau Tschirky hier doch so oft nicht anständig behandelt.
    Es muss bei uns im Land doch auch viele Anhänger des KGB - Offiziers geben. Bedenklich.
  • Kommentar von Reto Blatter  (against mainstream)
    Wieso wird bei diesen russischen Feierlichkeiten nicht erwähnt, dass ohne die Unterstützung der USA mit Waffen, Munition, Fahrzeugen, Ausrüstung und Nachschub der Kampf an der Ostfront wohl anders verlaufen wäre.
    1. Antwort von Matthias Sommer  (abcdef)
      Es brauchte mMn in der Tat beide Mächte, um Hitler zu besiegen! Deshalb stimme ich Ihnen zu. Warum so viele die russische Autokratie gut finden hier in der Schweiz, ist für mich äusserst unklar. Was meinen die Befürworter? Was macht es denn so lebenswert, in einer Autokratie zu wohnen? Nähme mich Wunder
    2. Antwort von Hans Peter Auer  (Ural620)
      Vermutlich, dass der Autokrat das Denken fuer seine Untertanen uebernimmt!
    3. Antwort von Udo Gerschler  (UG)
      Und sie glauben ohne Russland hätte England durchgehalten.Schon die Fragestellung ist an abartigem nicht zu übertreffen.Seien wir froh das wir heute recht beschaulich und FREI leben weil viele Menschen gegen die Verbrecher des 2.Weltkrieg ihr Leben gegeben haben.
    4. Antwort von Matthias Sommer  (abcdef)
      @Gerschler: UK hat Hitler getrotzt, als der Hitler-Stalin-Pakt noch galt. Während UK seit 1939 (Sitzkrieg), sicher ab seit Mai 1940 mit Hitler in direkten Auseinandersetzungen stand, herrschte bis Juni 1941 noch Friede zwischen der SU und Hitler. Stalin hat den Angriff ja nicht geglaubt. Ihre Argumentation ist mMn komplett an den Haaren herbeigezogen und widerspricht jeglicher historischer Genauigkeit. Klar war der Angriff ab 1941 für UK gut, aber am gefährlichsten war's für UK im 1940 (ohne SU)
    5. Antwort von Udo Gerschler  (UG)
      Herr Sommer, an den Haaren herbeigezogen ist die Argumentation „hätte,könnte,würde“bei diesen Thema.Ob der Feldzug Napoleons oder Hitler zum Glück wurde eine Allianz geschmiedet gegen Größenwahnsinnige und deren Helfershelfer.
    6. Antwort von Matthias Sommer  (abcdef)
      Herr Gerschler: Sie verwenden doch den Konjunktiv ebenso! Mitnichten habe ich gesagt, der Russlandfeldzug sei hinderlich gewesen für die Westallierten, um den Krieg zu gewinnen. Indem sie aber Herr Blatters fundierte Aussage in Zweifel ziehen (wer hat die übrigen Mitalliierten unterstützt - die USA), aber nicht auf den Hitler-Stalin-Pakt eingehen, argumentieren Sie fadenscheinig. UK stand Auge in Auge mit Hitler, während die SU noch über ein Jahr mit Hitler einen Pakt hatte. Das ist einfach Fakt
  • Kommentar von Reto Blatter  (against mainstream)
    Wieso gedenkt eigentlich Russland den Opfern des 2. Weltkrieges, nicht aber den vielen Millionen mehr Russen, welche ab 1917 durch die Kommunistische Revolution ums Leben kamen.