Zum Inhalt springen

Header

Audio
Die iranische Bevölkerung will keinen Krieg
Aus SRF 4 News aktuell vom 18.09.2019.
abspielen. Laufzeit 10:57 Minuten.
Inhalt

Angriff auf saudische Ölanlage «Iran fürchtet sich vor einer kriegerischen Auseinandersetzung»

Saudi-Arabien und die USA machen den Iran für die Drohnenangriffe auf saudische Ölanlagen verantwortlich. Der Iran verwahrt sich gegen diese Vorwürfe. Wie seine Bevölkerung die Situation erlebt, schildert Natalie Amiri.

Natalie Amiri

Natalie Amiri

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Die deutsch-iranische Journalistin Natalie Amiri ist für die ARD im Nahen Osten tätig.

SRF News: Wie geht die iranische Führung mit den Anschuldigungen um, Iran sei für die Angriffe auf die Ölraffinerie in Saudi-Arabien verantwortlich?

Natalie Amiri: Die Vorwürfe werden von allen Seiten zurückgewiesen. Bisher haben sich die Huthi-Rebellen im Jemen dazu bekannt. Doch das scheint die beteiligten Player nicht zu befrieden. Der Ausgangspunkt des Angriffs soll gemäss US-Quellen im Südwesten des Iran gelegen haben. Mehr als 20 Drohnen und mindestens zwölf Raketen sollen eingesetzt worden sein.

Wie reagieren die Iranerinnen und Iraner darauf, dass ihr Land erneut gewissermassen zum Buhmann gemacht wird?

Dass Iran der Buhmann der Weltpolitik ist, daran haben sich die Iraner gewöhnt. Um den Abschluss des Atomabkommens herum gab es eine kurze Erholungsphase, als Iran nicht mehr als Schurkenstaat bezeichnet wurde. Man dachte, man gehöre wieder zur Welt.

Sarif hat vor ein paar Wochen Trumps Lieblingssender ein Interview gegeben. Er hoffte, dass Trump sich das anschaut, ohne von den Hardlinern beeinflusst zu werden.

Nun ist das obsolet und man fürchtet sich vor einer militärischen Eskalation. Es gibt einen Friedhof in Teheran, der mit Todesopfern aus dem letzten Krieg gepflastert ist, und man möchte auf keinen Fall noch einmal eine kriegerische Auseinandersetzung.

Haben die Hardliner um Ayatollah Ali Chamenei auch Anteil an der verfahrenen Situation? Gibts Kritik an Chamenei?

Das ist die rote Linie. Chamenei als Revolutionsführer darf offiziell nicht kritisiert werden. Hinter vorgehaltener Hand gab es in vergangenen Jahren immer wieder Kritik an seiner Politik und am Raketenprogramm, zum Beispiel, weil auf den Raketen Vernichtungssprüche gegen Israel standen. Das ist kontraproduktiv für eine Annäherung an den Westen und für das Atomabkommen. Dennoch sagt der Iran, er habe sich ans Atomabkommen gehalten.

US-Aussenminister auf dem Weg nach Saudi-Arabien

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Nach dem Angriff auf wichtige Ölanlagen in Saudi-Arabien wird sich US-Aussenminister Mike Pompeo mit der saudischen Führung über eine allfällige Reaktion austauschen. Das US-Aussenministerium in Washington teilte mit, Pompeo werde am Mittwoch in der saudischen Hafenstadt Dschidda mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman zusammentreffen. Pompeo werde dabei auch «Bemühungen koordinieren, der iranischen Aggression in der Region entgegenzuwirken». Saudi-Arabien ist ein enger Verbündeter der USA.

Die Huthi-Rebellen im Jemen hatten sich zu den Angriffen am vergangenen Samstag auf die Ölanlagen im benachbarten Saudi-Arabien bekannt. Die US-Regierung macht jedoch Iran für die Anschläge verantwortlich. Iran weist die Vorwürfe zurück.

Wie gross ist die Angst vor einem neuen Krieg bei den Iranern und Iranerinnen?

Sehr gross. Doch gibt es auch jene, die sich verteidigen wollen. Und da gibt es noch diese starke und immer stärker und mächtiger werdende Revolutionsgarde, die für die Verteidigung des Landes und zur Bewahrung der islamischen Republik gegründet wurde.

Die Revolutionsgarde ist bereit für eine militärische Auseinandersetzung.

Sie ist bereit für eine militärische Auseinandersetzung. Aber den Iran anzugreifen – das wissen auch die USA – wird einen grossen Flächenbrand in der Region mit sich ziehen.

Hat Trumps Entlassung von Sicherheitsberater John Bolton Hoffnungen geweckt, dass sich die Lage wieder etwas beruhigen könnte?

Es gab erst mal ein Aufatmen. Aussenminister Mohammed Sarif hat immer vom B-Team gesprochen. Damit meinte er John Bolton, Mike Pompeo und Benjamin Netanjahu, die den US-Präsidenten beeinflussten. Sarif hat Trump nie attackiert, er meinte vielmehr, er müsste direkt mit ihm reden. Deshalb hat er auch vor ein paar Wochen Trumps Lieblingssender, Fox News, ein Interview gegeben. Er hoffte, dass Trump sich das anschaut, ohne von den Hardlinern beeinflusst zu werden.

Video
Aus dem Archiv: Angst vor militärischer Eskalation im Iran
Aus Tagesschau vom 16.09.2019.
abspielen

Der iranische Präsident Hassan Rohani wird nächste Woche an der UNO-Vollversammlung in New York teilnehmen. Wie gross ist die Chance, dass es zu einem Treffen zwischen ihm und Trump kommt?

Was hinter verschlossenen Türen in New York stattfinden wird, kann ich natürlich nicht sagen. Im Moment sieht es nicht danach aus, dass es direkte Gespräche zwischen Präsident Rohani und Präsident Trump geben wird, denn gestern hat Chamenei gesagt, es werde keine Gespräche geben.

Das Gespräch führte Roger Aebli.

Zahlen und Fakten zum Iran
Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

49 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Oliver Gawlowski  (Oliver Gawlowski)
    Der Grund warum sich der Iran so konservativ verhält: Die Geschichte rückblickend, zuerst Jahrzehnte lang kolonisiert von den Briten, dann wurde die demokratisch gewählte Regierung von Mosadegh (Verstoss gegen das UNO Völkerrecht, Gewaltverbot) illegal gestürzt durch die Amerikaner und der pro USA Shah etabliert und wieder lit das Volk. Dann lehnte sich das Volk auf und die Kleriker mit Chomenei kamen an die Macht, bis heute. Es ist einfach, das Regime in Iran will selbstständig sein.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Oliver Gawlowski  (Oliver Gawlowski)
    Saudi Arabien spricht von "Beweisen", auch die kann man bekanntlich fälschen oder bekämpfen. Schauen wir uns doch mal den Fall Khasoggi an, der geriet ganz in Vergessenheit. Da lagen auch Beweise vor, ein durchwegs plausibles Motiv und viel Kalkül. Der Fall wurde nicht gelöst resp. es gab keine Konsequenzen für das Saudi Regime. Dasselbe Regime nun legt "Beweise" vor wo nichts klar ist. Der Iran mag konservativ sein und sein Regime streng aber sie sind nicht dumm und gefährden die ganze Region!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Werner Sägesser  (WeSä)
    Egal ob fingiert oder tatsächlich mit dem Iran als Aggressor: Trump wird irgendwann in den Krieg ziehen. Sein oberstes Ziel ist eine zweite Amtszeit. Was ihn mit seinen Vorgängern verbindet. Sind die USA im Krieg, ist die Schwelle für eine Abwahl des aktuellen Amtsinhaber sehr hoch. Zynisch und real. Ich hoffe, ich irre mich. Doch das wäre wohl nur ein Hinweis, dass er sich seiner Wiederwahl sicher ist. Bedenkliche Entwicklung.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von m. mitulla  (m.mitulla)
      Bisher hat Trump keine Zustimmung durch das Amerikanische Volk - der Widerstand gegen die vielen Kriege wächst.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen