Inmitten wachsender Kriegssorgen sollen sich im Iran mehrere Explosionen ereignet haben.
Betroffen sind gemäss iranischen Medien Bandar Abbas und Teheran.
Bei einer Explosion in der Hafenmetropole Bandar Abbas im Süden des Landes am Persischen Golf seien eine Person getötet und 14 Menschen verletzt worden, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim.
Augenzeugen berichteten auch von einer Explosion und aufsteigendem Rauch nahe der Hauptstadt Teheran. Einem Behördenvertreter zufolge war jedoch lediglich Schilf an einem Fluss in Brand geraten, wie iranische Medien berichteten.
Das iranische Online-Portal «Nur News» berichtete zudem unter Berufung auf den Feuerwehrchef der Stadt Ahwas im Südwesten des Landes, dass sich dort eine Gasexplosion ereignet habe. Den Angaben nach gab es vier Tote.
Nachrichtenagentur dementiert Gerüchte
Iranische Medien und Behörden haben die zwei Explosionen auf Gaslecks zurückgeführt. In der Hafenstadt Bandar Abbas handele es sich nach einer ersten Einschätzung um ein solches Leck, sagte der örtliche Feuerwehrchef Mohammed in einem von der halbstaatlichen Nachrichtenagentur Mehr veröffentlichten Video. Auch im Fall der Explosion in der Stadt Ahwas mit vier Toten berichtete die Zeitung «Tehran Times» von einem Gasunglück.
Die Nachrichtenagentur Tasnim, die den iranischen Revolutionsgarden (IRGC) nahesteht, dementierte Gerüchte, wonach die Explosion in Bandar Abbas ein Anschlagsversuch auf den Kommandeur der IRGC-Marine, Aliresa Tangsiri, gewesen sei.
Die staatliche Nachrichtenagentur Irna veröffentlichte ein Foto einer teilweise zerstörten Häuserfront eines mehrgeschossigen Wohnhauses. Der Grund für die Explosion sei noch unklar, hiess es.
Israel soll jede Verantwortung zurückweisen. Zwei Regierungsvertreter sagten der Nachrichtenagentur Reuters, ihr Land sei nicht in die Explosionen verwickelt. Dies lässt sich nicht unabhängig überprüfen.
Sorge vor einem Krieg
In Kürze beginnt ein dreitägiges Marinemanöver der iranischen Revolutionsgarden im Persischen Golf, an dem auch China und Russland teilnehmen sollen. Hintergrund sind militärische Spannungen.
Iran und USA offenbar im Gespräch
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Die iranische Führung bemüht sich nach wiederholten Drohungen von US-Präsident Trump um Deeskalation: Weder der Iran noch die USA hätten Interesse an einem Krieg, sagt der iranische Präsident Massoud Peseschkian.
Die Arbeiten an einem Verhandlungsrahmen mit den USA schreiten voran, wie der iranische Sicherheitsberater Ali Larijani auf der Onlineplattform X schreibt. Entgegen einer «künstlich geschürten Kriegsrhetorik der Medien» sei der Aufbau einer Struktur für Verhandlungen im Gange. Details nannte er nicht.
US-Präsident Donald Trump bestätigte, dass der Iran mit den USA im Gespräch sei. «Wir werden sehen, ob wir etwas tun können», so Trump gegenüber dem Fernsehsender Fox News. Einzelheiten zu den Gesprächen nannte auch er nicht.
US-Präsident Donald Trump hatte eine Flotte samt Flugzeugträger in die Region verlegt. Der Republikaner hatte der Führung in Teheran wiederholt gedroht, in dem Land einzugreifen, nachdem der Sicherheitsapparat brutal gegen Proteste vorgegangen war.
Einschätzung der SRF-Nahost-Korrespondenten Anita Bünter und Jonas Bischoff
Stand jetzt gibt es keine Hinweise darauf, dass es zwischen den Explosionen und den Angriffsdrohungen der USA einen Zusammenhang gibt. Die iranischen Behörden sprechen von Gaslecks als Ursache. Und die USA und auch Israel haben signalisiert, dass sie nichts mit den Explosionen im Iran zu tun hätten.
Dass solche Meldungen sofort Schlagzeilen machen, zeigt aber, wie angespannt die Lage ist. Die Signale sind derzeit widersprüchlich: Einerseits ist da die Drohung von US-Präsident Trump, eine Armada sei unterwegs Richtung Iran. Und die Gegendrohung Irans, man sei bereit zurückzuschlagen, falls man angegriffen werde.
Andererseits laufen aber auch diplomatische Bemühungen, um einen militärische Eskalation zu verhindern. Vermittelt wird vor allem von der Türkei und den Golfstaaten. Vor kurzem hat der Chef des iranischen Sicherheitsrats, Ali Larijani, geschrieben, man arbeite an den Rahmenbedingungen für Verhandlungen mit den USA. Und US-Präsident Donald Trump bestätigte gegenüber Fox News, dass die Iraner mit den USA reden würden. Man müsse nun sehen, ob dabei etwas herauskommt.
Doch auch wenn von beiden Seiten nun Gesprächsbereitschaft signalisiert wird, heisst das noch lange nicht, dass es am Schluss zu einem Durchbruch kommt.
Denn die Positionen von Washington und Teheran liegen extrem weit auseinander, wenn es ums iranische Atom- und Raketenprogramm geht. Daran sind schon wiederholt Verhandlungen gescheitert.