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Virologin van Laer: «42,4 Prozent in Ischgl haben Antikörper»
Aus News-Clip vom 25.06.2020.
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Antikörper-Studie aus Ischgl «85 Prozent der Infizierten haben Corona nicht bemerkt»

  • Im österreichischen Ischgl hat sich ein grosser Teil der Bevölkerung mit dem Coronavirus infiziert.
  • 42,4 Prozent der untersuchten Bürger haben Antikörper auf das Coronavirus entwickelt.
  • 85 Prozent der Infizierten haben Covid-19 nicht bemerkt. Das zeigt eine umfassende Studie, Link öffnet in einem neuen Fenster der Medizinischen Universität Innsbruck.

42,4 Prozent – das sei der weltweit höchste bisher publizierte Wert, sagt Dorothee von Laer, die Direktorin des Instituts für Virologie in Innsbruck. Antikörper im Blut gelten als Nachweis für eine durchgemachte Infektion.

Am stärksten vom Coronavirus betroffen war die Altersgruppe zwischen 18 und 60, wobei Männer etwas häufiger als Frauen infiziert wurden. 214 der untersuchten Personen waren Kinder (unter 18 Jahren). «Die Kinder waren weniger betroffen», sagt von Laer. In dieser Gruppe hätten 27 Prozent Antikörper gebildet.

Ischgl als Hotspot

Ischgl mit seinen Après-Ski-Bars gilt als Brennpunkt für die Ausbreitung des Coronavirus in Österreich und Teilen Europas. Nach Angaben österreichischer Behörden waren zeitweise 40 Prozent aller Fälle im Inland auf Ischgl zurückzuführen. Auch viele deutsche Touristen haben sich nach ihrer Überzeugung in Ischgl angesteckt.

Eine Kommission im Bundesland Tirol soll nun das stark kritisierte Krisenmanagement unter die Lupe nehmen. Das Paznauntal mit den Orten Ischgl und Galtür wurde am 13. März unter Quarantäne gestellt. Aus Sicht von Kritikern und Betroffenen hätte dieser Schritt früher erfolgen müssen.

Trotz des hohen Antikörper-Werts ist in Ischgl keine Herdenimmunität erreicht.
Autor: Dorothee von LaerDirektorin Institut für Virologie, Innsbruck.

Auffällig sei, dass von den positiv auf Antikörper getesteten Personen zuvor nur 15 Prozent die Diagnose erhalten hatten, infiziert zu sein, sagt von Laer. «85 Prozent derjenigen, die die Infektion durchgemacht haben, haben das unbemerkt durchgemacht.» Trotz des hohen Antikörper-Werts sei auch in Ischgl keine Herden-Immunität erreicht. Entscheidend für den Rückgang der Fälle seien die Quarantäne und die soziale Distanz gewesen, hiess es.

Da es sich bei Ischgl um eine Gemeinde handele, die aufgrund sogenannter Superspreading-Events überdurchschnittlich von der Pandemie betroffen und durch strikte Quarantänemassnahmen von der Umwelt abgeschlossen gewesen sei, könnten aus der Studie wichtige Erkenntnisse zu Virus-Ausbreitung und Infektionsverlauf gewonnen werden, so die Universität.

Rund 80 Prozent der Ischgler Bevölkerung nahmen an der Studie teil. 1473 Probanden waren zwischen 21. und 27. April untersucht worden.

Antikörpertests in der Schweiz

Auch aus der Schweiz gibt es Studien zu den Corona-Antikörpertests. Im Kanton Waadt konnten Forscher der Universität Lausanne zuletzt eine Immunität bei sieben Prozent, Link öffnet in einem neuen Fenster der Getesteten nachweisen. Für eine Studie im Bündner Südtal Misox wurde das Blut von 427 Menschen untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass 2.6 Prozent der getesteten Personen Antikörper gegen das Virus entwickelt hatten. Bei einer Untersuchung von Blutspendern und Patienten der Uniklinik in Zürich fanden sich jedoch nur bei 1.2 Prozent, Link öffnet in einem neuen Fenster der Menschen Antikörper.

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Aus dem Archiv: Virologin in Genf zu ihrer Studie
Aus News-Clip vom 23.04.2020.
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Am aussagekräftigsten ist eine Studie aus Genf mit 1335 Menschen, die einen repräsentativen Querschnitt der Genfer Bevölkerung abbilden. Sie wurden im April über mehrere Wochen auf Antikörper getestet. Die Forscher fanden in der ersten Woche nur bei 3.1 Prozent der Getesteten Antikörper, nach drei Wochen aber bei 9.7 Prozent, Link öffnet in einem neuen Fenster. Gemessen an den rund 5000 offiziell registrierten Covid-19-Fällen in der Stadt deuten auch diese Ergebnisse auf eine sehr hohe Dunkelziffer hin.

Unsicherheiten bei den Antikörpertests

Antikörpertests sollen zeigen, wie viele Menschen bereits eine Sars-CoV-2-Infektion hinter sich haben. Doch die Ergebnisse sind jeweils mit Vorsicht zu interpretieren.

Weil: Es lassen sich vor allem diejenigen freiwillig testen, die in Kontakt mit Covid-19-Patienten standen – und deshalb eine höhere Wahrscheinlichkeit hatten, sich auch mit dem Virus anzustecken.

Ein weiteres Problem: Offenbar entwickeln manche Infizierte auch nach Wochen keine Antikörper. Forscher der Universität Lübeck konnten bei rund 30 Prozent bestätigter Corona-Patienten mit leichten bis mittelschweren Symptomen in zwei aufeinanderfolgenden Analysen gar keine Antikörper im Blut nachweisen.

Ausserdem ist die Fehlerquote der Antikörpertests selbst ein Problem. Diese fällt statistisch gesehen umso mehr ins Gewicht, je höher der Anteil der Nicht-Infizierten in der Bevölkerung ist.

Wichtig ist auch: Die Daten aus den einzelnen Hotspots taugen nicht, um eine Aussage über die Immunität in einem gesamten Land zu treffen.

SRF 4 News, 12.30 Uhr;

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34 Kommentare

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  • Kommentar von Damian Derungs  (Domino)
    Wieso denn das ganze theater, wenn 85% es nicht mal bemerken das sie krank sind? Sagen wir wie es ist, die politik hat masslos überreagiert aufgrund von aussagen experten, die das virus nich mal ansatzweise lange genug studiert haben um fundierte aussagen treffen zu können und unsere sensationgeilen medien springen sowieso auf alles auf, solange sie auf der moralisch guten seite sind, ob das aber auch gut fpr uns ist, ist egal
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    1. Antwort von Andre Mahr  (Andre M.)
      ...deutlich überreagiert & sich vom virengebenden Land China klar treiben lassen. Wer weiss: vlt. schauen wir alle in 2 Jahren zurück, welchen Wahnsinn an Schulden wir unseren Kindern & Kindeskindern hinterlassen. Ich bin KEIN Verschwörungstheoretiker. Die Frage sei erlaubt, ob es Absicht sein könnte, einen Virus auf die (westliche) Menschheit & deren Industrien 'loszulassen'. Man erinnere sich an die Viren der neueren Vergangenheit zurück. SARS hatte ebenso den Ursprung im 'Land des Lächelns'.
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  • Kommentar von Reto Derungs  (rede)
    42,4 % ist nicht der weltweit höchste bisher publizierte Wert. Da irrt sich Dorothee von Laer, die Direktorin des Instituts für Virologie in Innsbruck. In Bergamo wurden bei 57 % der Bevölkerung Antikörper gefunden. Und gemäss Prof. Dr. Drosten besteht bei bis zu 65 % der Bevölkerung eine Hintergrundimmunität, die eine Ansteckung verhindert. Somit haben wir in Ischgl mit der Kombination aus Personen mit Antikörpern und der Hintergrundimmunität die Herdenimmunität erreicht.
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  • Kommentar von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
    Nähme mich wunder, was bei der Fallsterblichkeit herauskommt. In Ischgl leben ja wohl alle möglichen Leute, und das Virus ging ganz schön um. Dass 40% mit Antikörpern keine Herdenimmunität bedeute, ist wieder einmal eine völlig überflüssige Anmerkung - die Leute können den Zeigefinger einfach nicht unten lassen. Spricht immerhin für eine gelungene Beruhigung im Tal.
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    1. Antwort von Andreas Müller  (Hugh Everett)
      Nein gerade dafür spricht es eben nicht. Keine Herdenimmunität bedeutet einfach nur keine Herdenimmunität. Das Virus könne sich also wieder schnell verbreiten. Punkt.
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    2. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      @Müller, mit Ihnen darf ich: R0 wird mittlerweilen auf um etwas über 2 geschätzt, oder? Da wäre doch mit 40% so gut wie eine Herdenimmunität erreicht. Allerdings wollte ich nur sagen, dass dies völlig unerheblich ist; Herr Bossert will doch nur dort skifahren gehen, um zu provozieren - ausserdem ist Sommer, nichts mit Après-Ski!
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    3. Antwort von Kurt Looser  (Dremel)
      Die Fallsterblichkeit liegt anscheinend bei 0,26%. Es gab 2 Tote im Zusammenhang mit dem Coronavirus, neun Menschen mussten im Krankenhaus behandelt werden, davon eine auf der Intensivstation.
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    4. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Danke, Herr Looser! Ist das Ergebnis einigermassen repräsentativ? Allen, die das vom Schiff verneinen wollen, sei gleich auch gesagt, dass auch die Menschen in Ischgl von der Wucht des Superspreading überrascht worden sind. An der relativen Fallsterblichkeit ändert das nichts, wohl aber scheint mir das Vorgehen der Pandemiologen dilettantisch, jedenfalls für dieses Virus schlicht unangemessen, die natürliche Vorsicht informierter Individuen schlechterdings auszublenden. Und zwar von Anfang an.
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    5. Antwort von Kurt Looser  (Dremel)
      Herr Streeck hat eine Ortschaft im Kreis Heinsberg untersucht und kam auf 0.37% Fallsterblichkeit (Markus Lanz...). Er betont natürlich ausdrücklich, dass dies nicht repräsentative sei, aber die Zahlen aus einem Hotspot mit hoher Ansteckung stammen. Aufs Glatteis bewegt er sich glücklicherweise nicht, sonst wäre er sofort auf dem Coronaleugnerabstellgleis.
      Grossanlässe nein, aber ansonsten genügen die üblichen Hygieneregeln.
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    6. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      @Looser, Streeck geht davon aus, dass sich die relative Sterblichkeit um das herum bewegen wird. Selbst Grossanlässe wären möglich, würde man das Publikum in rückverfolgbare Sektoren teilen. Streeck fand die Lockdowns übertrieben, ist dann, schwer angegriffen, vorsichtiger geworden und zeigt mittlerweile, nachdem die Ergebnisse geprüft sind, wieder ziemlich deutlich, was er von den Alarmisten hält.
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