- Die Nato will mit einem neuen Arktis-Einsatz zur weiteren Deeskalation des bündnisinternen Konflikts um Grönland beitragen.
- Die derzeit geplante Aktivität werde die militärische Präsenz der Nato in der Arktis und im hohen Norden noch einmal stärken, sagte Oberst Martin L. O’Donnell vom Nato-Hauptquartier im belgischen Mons.
- Nach Angaben aus Nato-Kreisen sind vor allem zusätzliche Patrouillen mit Schiffen und Flugzeugen vorgesehen.
Der Start des Einsatzes könnte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bereits Ende dieser Woche oder im Laufe der kommenden Woche angekündigt werden. Zuvor hatte «Der Spiegel» über diese Planung berichtet. Grund sei, dass sogenannte «verstärkte Wachsamkeitsaktivitäten» vom Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte in Europa, Alexus G. Grynkewich, auch ohne einen formellen Beschluss der Nato-Staaten veranlasst werden können.
Grynkewich wollte sich zum möglichen Startdatum und zu Details vorerst nicht äussern. Nach Angaben aus Nato-Kreisen sind vor allem zusätzliche Patrouillen mit Schiffen und Flugzeugen sowie Übungen zur Steigerung der Präsenz vorgesehen.
Abschreckung gegen Russland und China
Auf diese Art hatte die Nato zuletzt im September unter dem Eindruck von Luftraumverletzungen durch russische Kampfjets und Drohnen den Einsatz «Eastern Sentry» (deutsch: Wächter des Ostens) begonnen. Damit wurden vor allem zusätzliche Überwachungs- und Flugabwehrkapazitäten mobilisiert.
Der Einsatz in der Arktis soll nun «Arctic Sentry» (deutsch: Wächter der Arktis) heissen. Er war bereits vor einiger Zeit von Nato-Staaten wie Grossbritannien angeregt worden, um den Streit um Grönland zu entschärfen. US-Präsident Donald Trump hatte mit einer Annexion der zu Dänemark gehörenden Insel Grönland gedroht und damit begründet, dass andernfalls Russland oder China zugreifen könnten.
Rutte und Trump im Gespräch
Zuletzt teilte Trump dann nach einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte beim Weltwirtschaftsforum in Davos mit, dass ein Rahmen für eine zukünftige Vereinbarung über Grönland und die gesamte Arktis-Region entworfen worden sei. Dieser Rahmen sieht vor, die Sicherheit in der Arktis durch das gemeinsame Handeln der Nato zu gewährleisten, insbesondere durch die sieben arktischen Nato-Staaten USA, Kanada, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland und Island.
Gemäss Angaben aus Nato-Kreisen sollen die USA ihre Militärpräsenz auf Grönland ausweiten dürfen und möglicherweise auch ein Mitentscheidungsrecht über bestimmte Investitionen auf der rohstoffreichen Insel bekommen. Grönland ist zu vier Fünfteln mit Eis bedeckt und sechs Mal so gross wie Deutschland, hat aber nur knapp 57'000 Einwohner.