US-Präsident Donald Trump und Nato-Generalsekretär Mark Rutte haben sich in Davos auf einen Rahmen für eine zukünftige Vereinbarung über Grönland geeinigt. Was das bedeutet und wie es zu werten ist, erklärt SRF-Auslandredaktor Fredy Gsteiger.
In welchen Punkten hat man sich angenähert?
Der wichtigste Punkt ist wohl, dass es Nato-Generalsekretär Mark Rutte offenbar gelungen ist, aus einem Konflikt zwischen den USA und Dänemark um Grönland ein Anliegen zu machen, mit dem sich die Nato-Allianz beschäftigt. Die Nato soll als Ganzes für den Schutz Grönlands zuständig sein. Beim zweiten Punkt geht es um den «Golden Dome», den neuen Raketenabwehrschirm, den Trump aufspannen will. Die Federführung für den Schutz von Grönland und der Arktis übernehmen dabei klar die USA. Dazu werden sie ihre Militärbasen auf Grönland vermutlich nicht nur nutzen können, sondern sie künftig auch besitzen. Grönland als Ganzes bleibt aber unangetastet. Der dritte Punkt ist offenbar, dass die USA weitgehende Mitspracherechte oder sogar ein Vetorecht erhalten, wenn es um chinesische Investitionen auf Grönland geht. Zudem sollen die USA einen privilegierten Zugang zu den dort vorkommenden Rohstoffen erhalten. Und nicht zuletzt werden die von Trump angedrohten Strafzölle gegen mehrere Nato-Länder ausgesetzt.
Wie nachhaltig ist diese Vereinbarung?
Das weiss angesichts von Trumps Sprunghaftigkeit niemand. Zumindest aber hat er gegenüber den Aussagen in seiner Rede von Davos – dort sagte er mehrmals, die USA müssten Grönland besitzen – eine Kehrtwende vollzogen. Sicher scheint: Auch wenn der Einfluss der USA in Grönland wohl grösser wird – die Grönländer können Grönländer bleiben und müssen nicht gegen ihren Willen Amerikaner werden. Bei Trump muss man jedoch immer mit einer erneuten Kehrtwende rechnen. Er ist verlässlich unzuverlässig. Zudem müssen viele Punkte in diesem Abkommen noch ausgehandelt und präzisiert werden. Bemerkenswert ist im Übrigen auch, mit wie wenig man in der Nato in diesen Tagen bereits zufrieden ist: Im Sommer beim Nato-Gipfel war man schon erleichtert, dass die USA dem Bündnis nicht ganz den Rücken kehrten. Jetzt ist man erleichtert, dass nicht ein Nato-Land ein anderes Nato-Land oder einen Teil davon annektiert oder gar erobert. Beides sind Dinge, die man sich vor wenigen Jahren unmöglich hätte vorstellen können.
Wie ist die Umkehr Trumps im Fall Grönland zu erklären?
Trump scheint der Ansicht zu sein, dass er zu Hause in den USA auch ein Abkommen ohne vollständigen Besitz Grönlands als Erfolg verkaufen kann. Das ist für ihn das Entscheidende. Dafür spricht, dass eine Übernahme Grönlands in der amerikanischen Öffentlichkeit mehrheitlich abgelehnt wird und dass auch zahlreiche Parlamentsabgeordnete aus Trumps konservativer Partei einen solchen Schritt nicht wollen. Zudem hat die US-Wirtschaft keinerlei Interesse an noch weitergehenden Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Europa.