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Sicherheitsallianz «Aukus» gibt auch in Australien zu reden
Aus Rendez-vous vom 29.09.2021.
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Atomallianz mit den USA In Australien wird Kritik am U-Boot-Deal laut

Die neue Sicherheitsallianz zwischen den USA, Grossbritannien und Australien brüskiert nicht nur Frankreich. Auch in Australien werden Fragen gestellt.

Der chinesische Sicherheitsexperte Victor Gao hielt mit seiner Einschätzung des Sicherheitsabkommens zwischen den USA, Australien und Grossbritannien (Aukus) nicht zurück: «Durch die Bewaffnung mit atomgetriebenen U-Booten wird Australien Ziel einer Attacke mit Atomwaffen», sagte er im australischen Fernsehen. Denn mit dem Erwerb amerikanischer Nukleartechnologie verliere das Land seinen Status als atomfreie Zone im Pazifik.

Auf die Frage des Moderators, wer denn Australien mit Atombomben angreifen würde, wich der Pekinger Universitätsprofessor aus. Doch es war klar: Er sprach von China.

Peking unter Kontrolle halten

Derartige Rhetorik muss nicht erstaunen. Die Aukus-Kooperation hat primär die Expansion Pekings im indo-pazifischen Raum im Visier. Australien, das seit nunmehr 70 Jahren über das sogenannte Anzus-Abkommen ein führender Verbündeter Washingtons ist, soll dabei eine entscheidende Rolle zukommen.

Canberra liess dafür einen Auftrag mit Frankreich für den Bau einer neuen, konventionell betriebenen U-Boot-Flotte platzen. Stattdessen sollen atomgetriebene U-Boote der Amerikaner für den Einsatz im Pazifik erworben werden. Zu welchem Preis, weiss niemand.

Überlegene Atom-U-Boote

Für den australischen Strategieexperten Hugh White ist der Entscheid nicht prinzipiell negativ, wie er der Sendung «7am» erklärte. Nicht nur seien die Kosten für die französischen U-Boote ins Unermessliche gestiegen. Auch seien Diesel-elektrisch betriebene U-Boote den atombetriebenen unterlegen.

Legende: Australien will seine ins Alter gekommene U-Boot-Flotte mit atombetriebenen Modellen ersetzen, die unter Führung der USA entwickelt werden sollen. (Bild: Ein US-Atom-U-Boot der Virginia-Klasse). Keystone

Sie müssen häufiger auftauchen, um Abgase abzulassen und um zu tanken. Zudem seien sie langsamer als nuklearbetriebene U-Boote. Allerdings hätten Atom-U-Boote ein grosses Problem: «Die Technologie ist sehr komplex, anspruchsvoll, und strategisch sehr empfindlich», so der Professor.

Australien wird von den USA abhängig

Zwar erlaubten die USA den Australiern Zugang zu dieser hochgeheimen Technologie, was ein absolutes Privileg sei. Doch die Herausforderung an Unterhalt und Betrieb dieser U-Boote sei enorm. Die australische Marine habe heute schon Probleme, ihre bisherigen, alten Diesel-U-Boote zu warten, so White weiter.

Das führe dazu, dass Australien auf Jahrzehnte hinaus komplett auf die USA angewiesen sei. Diese Abhängigkeit bringe grosse strategische Risiken. Premierminister Scott Morrison sage zwar, die Partnerschaft mit den USA dauere für immer. «Aber Fakt ist: Nichts ist für immer», betont White.

Australien könne nicht sicher sein, dass Grossbritannien und die USA in 20 oder 30 Jahren die Welt immer noch gleich sähen wie Australien. Doch die Abhängigkeit von diesen Ländern bleibe auch dann noch bestehen.

Australien – ein Bollwerk gegen China

Einige Kritiker warnten ausserdem, Australien sei auf dem besten Weg, zu einem Vasallenstaat der USA zu werden. Strategie-Experte White meint, die Kooperation mit Washington sei wichtig und richtig – auch aus strategischen Gründen. Doch Australien sollte seiner Meinung nach verstärkt den Dialog mit den nördlichen Nachbarländern wie Indonesien oder Malaysia suchen. Sie hätten viel Erfahrung im Umgang mit dem expansionsfreudigen China. Aber davon will Canberra nichts wissen. Australien soll ein Bollwerk des Westens im Pazifik bleiben, ein Denken aus den Fünfzigerjahren, kritisiert White.

Der Kontinent solle, liess die australische Regierung verlauten, zu einer Basisstation der Amerikaner in der Region werden – zur «Unterstützung anspruchsvoller Kriegsführung und kombinierter militärischer Operationen».

SRF 4 News, Rendez-vous vom 29.9.2021, 12.30 Uhr

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Patrick Janssens  (patrickjanssens)
    @ Peter Mueller
    Wozu braucht Australien Militärische Gewaltkontrolle über den Gesamtpazifik?
    Leicht erweiterter Bereich der Hoheitsgewässer reichen zur Landesverteidigung.
    Der Restpazifik da hat die USA genug Atomuboote um dort strong America zu hantieren.
  • Kommentar von Christoph Studer  (Christoph Studer)
    Warum muss Australien Atom-U-Boote anschaffen? Zwischen Australien und China liegt die ganze ASEAN-Ländergruppe, mit Australiens direkten Nachbarn Indonesien und Malaysia. Sie fühlen sich dadurch von Australien bedroht. Der pazifische Nuklearfreiraumvertrag erlitt ein herben Schlag. Damit ist auch die Beziehung zwischen Ausralien und Neuseeland vergiftet. Kann das sein? Australien will mit den Atom-U-Booten tatsächlich den Handelsweg vor seinem grössten Handelspartner China selbst schützen?
    1. Antwort von Urs Müller  (Jackobli)
      Der erwähnte Vertrag, unter dem Titel: « Vertrag von Rarotonga» firmierend, verbietet die Stationierung, den Besitz und die Herstellung von nuklearen Waffen, sowie die Lagerung von Abfällen in den Gewässern.
      Er untersagt nicht den Betrieb von Kernkraftwerken, wozu die Antriebe der U-Bote gezählt werden können.
      NZ fürchtet nukleare Unfälle in seinen Hoheitsgebieten und hat deshalb protestiert.
    2. Antwort von Ricardo Lang  (RicRic)
      Es ist die bekannte Inselketten Strategie der USA (Island Chain Strategy), es geht um Einflusssphäre der USA im Pazifik, Mit dem Aufrüsten der 2. Inselkette (Guam, Australien…) geht die USA eigentlich davon aus dass die 1. Inselkette (Japan, Südkorea, Taiwan) mittelfristig nicht mehr zu halten ist. Aukus ist nur politisches Kalkül, wir haben jetzt gesehen was wirklich Sache ist, Biden hat Xi angerufen und kurz danach Huawei CFO gehen lassen, Sherman war in China, Kerry und Yellen werden folgen.
  • Kommentar von Andy Gasser  (agasser)
    Wer das TV Interview mit Victor Gao gesehen hat versteht, dass Australien den richtigen Schritt getroffen hat. Während wir in Europa immer noch der Illusion unterliegen, dass man mit China ein Konsens finden könne, bereiten sich Chinas Nachbarn auf das was kommt vor.
    1. Antwort von Peter Mueller  (Elbrus)
      Glauben Sie ernsthaft, dass Australien mit einem 25 Mia Verteidigungsbudget gegen China bestehen kann. Das ist etwa soviel wie Italien ausgibt. Nur ist Australien etwa 25x so gross wie Italien.
      Die Chinesen haben ganz andere Ressourcen. Die gehen nur einmal nach Australien für immer.
    2. Antwort von Urs Müller  (Jackobli)
      Nun, Herr Müller, die Chinesen gehen eben nicht nach AUS, weil das automatisch Folgereaktionen nach sich ziehen würde.
      China rüstet mit enormen Kostenfolgen auf, hat gleichzeitig zwar noch eine grosse Armee, aber die Überalterung der chinesischen Bevölkerung steigt rapide an. Ob es dann mal eine Seniorenarmee gibt?
    3. Antwort von Charles Grossrieder  (View)
      Herr Gao war logisch und klar in dem er sagte, dass sich Australien dadurch als Atommacht profiliert und dadurch auch zu einem atomaren Angriffsziel, was nicht atomare Länder nicht seien. Stan Grant hatte große Mühe dies zu verstehen und wollte erzwingen, dass Herr Gao sage China hätte Atomwaffen auf Australien gerichtet und wäre der Aggressor. Was Gao mit keinem Wort sagte.
      Gao wollte lediglich auf möglichen Konsequenzen dieser Status Änderung hinweisen, was die Regierung nicht tat.