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Die USA und Nordkorea reden erneut
Aus Echo der Zeit vom 01.10.2019.
abspielen. Laufzeit 03:55 Minuten.
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Atomverhandlungen mit den USA Nordkorea wird stärker und stärker

Singapur, Hanoi, Panmunjom – drei Begegnungen von zwei Staatschefs, die sich offenbar ganz gut verstehen. Bloss: Erreicht wurde bisher rein gar nichts. Substanzielle Verhandlungen über das nordkoreanische Atomprogramm fanden gar keine statt, sagt Mark Fitzpatrick, Experte für Massenvernichtungswaffen beim Strategieinstitut IISS.

Ende Woche soll sich das nun bei einem Treffen auf Arbeitsebene ändern. Tatsächlich herrscht auf beiden Seiten zunehmend Frustration. Die Nordkoreaner bezichtigten vor der UNO die Amerikaner, nichts zu tun.

Stillstand zwischen Pjöngjang und Washington

Am liebsten wären ihnen wohl gar keine Verhandlungen auf Arbeitsebene, sondern einfach imageträchtige Gipfeltreffen. Der Grund: Nordkorea fühlt sich zurzeit stark, sagt Jung Pak von der liberalen Denkfabrik Brookings, die zuvor Chefpositionen in den US-Geheimdiensten bekleidete: «In Pjöngjang sieht man, dass die Sanktionen löchriger werden und dass in Washington Konfusion herrscht rund um ein mögliches Amtsenthebungsverfahren. Ergebnis: Nordkorea blockiert. In 16 Monaten Diplomatie hat man im Grunde nichts erreicht. Man führt immer noch Gespräche darüber, Gespräche zu führen.»

In Washington ist man genervt über den Stillstand. Für Mark Fitzpatrick ist klar: «Beide Seiten müssen sich nun vom Maximalansatz verabschieden.» Die Nordkoreaner davon, dass zuerst die Sanktionen aufgehoben werden und dann erst über atomare Abrüstung geredet wird. Die USA von der vorgängigen Totalabrüstung, bevor an eine Sanktionslockerung zu denken ist. «Chancen hat einzig ein Schritt-für-Schritt-Vorgehen.»

Abgang von John Bolton als Chance

Ein Zwischenabkommen könnte so aussehen: Nordkorea friert sein Atom- und Raketenprogramm auf dem jetzigen Stand ein. Die USA gewähren eine begrenzte Erleichterung der Sanktionen. «Eine solche Vereinbarung hätte Chancen», glaubt Fitzpatrick, «denn Trump möchte unbedingt endlich einen Erfolg – und der grosse Bremser, Sicherheitsberater John Bolton, ist weg.»

Jung Pak ist skeptischer. Sie vermutet, die Nordkoreaner seien auch jetzt nicht bereit, über atomare Abrüstung zu verhandeln. An einen vollständigen Verzicht des Regimes auf Atomwaffen glauben ohnehin beide auf absehbare Zeit nicht.

Massive Aufrüstung in Nordkorea

Vorläufig passiert, von der Weltöffentlichkeit weitgehend ignoriert, sogar das Gegenteil. Das Kim-Regime nutzte nämlich die Phase der Diplomatie zu massiver Aufrüstung. «Es hat demonstriert, dass es Fortschritte macht, vor allem in der Raketentechnologie», sagt Jung Pak.

Zwar verzichtet Pjöngjang seit Ende 2017 auf Atom- und Interkontinentalraketentests. Das verringert zumindest die unmittelbare Kriegsgefahr. Doch die Herstellung von spaltbarem Material für Atombomben schreitet zügig voran.

Nordkorea hat 30 bis 40 Atombomben

Auf etwa dreissig Atombomben schätzt Mark Fitzpatrick das nordkoreanische Arsenal – fixfertige oder dank des vorhandenen Urans und Plutoniums in Kürze herstellbare. Andere Experten sprechen gar von vierzig Bomben. Das sind drei- oder viermal mehr als die meisten Atomwaffenstatistiken bisher ausweisen. Nordkorea ist also heute militärisch stärker als vor dem ersten Gipfel mit Donald Trump.

Das bedeutet: Die USA, aber auch der Rest der Welt, müssten allergrösstes Interesse daran haben, dass Washington und Pjöngjang endlich in ernsthafte Verhandlungen zwischen den jeweiligen Unterhändlern treten. Denn wenn es nicht endlich Fortschritte gibt, wird Nordkorea gefährlicher und gefährlicher.

Fredy Gsteiger

Fredy Gsteiger

Diplomatischer Korrespondent, SRF

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Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St. Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Stäbler  (Stab)
    An der Stelle von Kim würde ich mich auch nicht bewegen. Da Trump alles blockiert hat er alle Zeit der Welt um aufzurüsten ohne dass ihm irgendeinen Vorwurf machen kann.
    Aber wenn Trump seinen "besten Freund" einfach hinhält ist die Reaktion von Kim durchaus verständlich. Aufgrund der Erstarkung Nordkoreas hat Kim immer mehr Trümpfe in in der Hand wenn es dann einmal zu Verhandlungen kommt. Es ist also für Amerika wichtig endlich mit ernsthaften Gesprächen zu beginnen.
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  • Kommentar von Bruno Bär  (Wahrheitssucher)
    Ich hab's schon vor dem ersten Treffen der Beiden geschrieben, es wird nichts zählbares herauskommen für die USA. Trump als Egomane ist mit der Show, wo er im Mittelpunkt steht, schon zufrieden. Kim wird weiter aufrüsten, denn intelligents mässig ist er Trump weit überlegen.
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    1. Antwort von Daniel Bucher  (DE)
      Nun, Trump versucht wenigstens etwas zu ändern. Was hat Obama getan? Unter seiner Führung hat es Nordkorea zur Atommacht gebracht....
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    2. Antwort von Thomas F. Koch  (dopp.ex)
      Nordkorea begann lange vor Obama's Präsidentschaft mit dem Atomwaffenprogramm.
      Nordkorea gab am 10. Februar 2005 offiziell bekannt, einsetzbare Kernwaffen zu besitzen. Vier Jahre vor Obama als noch Georg W. Bush US-Präsident war.
      Die Entwicklung dieser Waffen fand also mindestens unter den Präsidenten Georg H. Bush, Bill Clinton und Georg W. Bush statt. Eher auch schon unter Ronald Reagan, obwohl Nordkorea 1985 dem Atomwaffensperrvertrag beitrat, wenn auch nur auf Druck der Sowjetunion.
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    3. Antwort von Klaus KREUTER  (SWISSKK)
      Na ja Herr Bär immerhin hat Donald es wenigstens mal zu einem Gespräch resp. deren 2 gebracht. Andere Präsidenten vor ihm haben sich da vornehm zurück gehalten. Der Anfang ist gemacht, nun müsste eben mehr kommen.
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  • Kommentar von Marcel Chauvet  (xyzz)
    Trump wird mit seiner ignoranten Politik Pleiten, Pech und Pannen erleben, nicht nur was Nordkorea anbelangt. Kim denkt nicht im Traum daran seine Waffenarsenale seinem selbsternannten Freund Trump zu opfern, weil all das seine Lebensversicherung, besser gesagt Überlebensversicherung ist. Alle vergangenen und künftigen Gespräche ein unendliches bla, bla, bla, leere Hände werden ihm für seinen Wahlkampf nichts einbringen.
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