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Ausschreitungen nach PSG-Sieg Warum es in Paris eskaliert – und was das mit Fussball zu tun hat

Nach dem Champions-League-Sieg von Paris Saint-Germain gegen Arsenal kam es in Frankreich zu heftigen Ausschreitungen. Landesweit wurden rund 900 Personen festgenommen und 178 Sicherheitskräfte verletzt, der Grossteil davon in Paris. Frankreich-Korrespondentin Mirjam Mathis zu den Hintergründen der Krawalle.

Mirjam Mathis

Frankreich-Korrespondentin

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Mirjam Mathis ist seit 2022 SRF-Korrespondentin in Frankreich (Paris). Zuvor arbeitete sie als Korrespondentin in der Westschweiz und als Redaktorin und Moderatorin beim Regionaljournal Zentralschweiz. Mathis hat in Genf Internationale Beziehungen studiert und einen Master in Journalismus absolviert.

Weshalb kommt es zu so heftigen Ausschreitungen, obwohl der PSG gewonnen hat?

Das ist tatsächlich auf den ersten Blick erstaunlich, allerdings ein Phänomen, das in Paris immer wieder zu beobachten ist. Solche Krawalle entstehen oft nicht aus Frust über eine Niederlage, sondern aus der Dynamik eines Massenereignisses. In den Strassen von Paris haben Zehntausende Menschen friedlich den Sieg gefeiert. Alkohol, Emotionen und Gruppendruck können dabei vereinzelt zu überbordendem Verhalten führen. Und kleine, gewaltbereite Gruppen nutzen diese Dynamik aus, um Brände zu legen, Geschäfte anzugreifen oder die Konfrontation mit der Polizei zu suchen.

Wer sind die Menschen, die hier randalieren – Fans oder ganz andere Gruppen?

Die Gewalttäter und Gewalttäterinnen sind nur zum Teil echte Fans. Sicherheitsbehörden berichten regelmässig von einer Mischung aus einzelnen gewaltbereiten Ultra-Gruppen, Jugendlichen ohne direkten Fussballbezug und opportunistischen Gruppen, die bewusst Krawalle suchen oder Plünderungen nutzen. Der Fussball ist also nicht der Grund, sondern bietet die Gelegenheit für solche Ausschreitungen.

So heftig waren die Krawalle

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In mehreren französischen Städten hatte es rund um den PSG-Sieg Krawalle gegeben. Teils wurden Geschäfte geplündert und Brände gelegt. Landesweit wurden rund 900 Menschen festgenommen.

Auf dem Pariser Prachtboulevard Champs-Élysées, wo sich Tausende Menschen versammelt hatten, gerieten vermummte Personen und Einsatzkräfte mehrfach aneinander. Wurfgeschosse und Tränengas wurden eingesetzt. Innenminister Laurent Nuñez zufolge wurden insgesamt 178 Sicherheitskräfte verletzt. Rund 22’000 Sicherheitskräfte waren landesweit im Einsatz, davon 8000 allein in Paris.

8000 Sicherheitskräfte waren in Paris im Einsatz – war das genug?

Die Präsenz war hoch, aber Ausschreitungen entstehen oft dezentral und spontan. Selbst viele Einsatzkräfte können nicht überall gleichzeitig sein. Sicherheit lässt sich erhöhen – aber nicht vollständig garantieren. Ausserdem entfacht die starke Polizeipräsenz zum Teil auch Scharmützel, da sie als Provokation aufgefasst wird.

Wie kann Frankreich solche Bilder künftig verhindern?

Der Staat kann noch stärker eingreifen – mit mehr Polizei, Prävention und Strafen. Komplett verhindert werden können solche Ausschreitungen dennoch kaum. Frankreichs Strategie ist aktuell, möglichst viele der Randalierenden festzunehmen und sie im Schnellverfahren der Justiz vorzuführen. In Paris wurden im Vorfeld mehrere Gerichtssäle reserviert und Personal mobilisiert für eine schnelle Aburteilung. Dies soll ein klares Signal setzen und von weiteren Ausschreitungen abschrecken.

Sind solche Krawalle Ausdruck tieferer gesellschaftlicher Probleme?

In gewisser Weise schon. Besonders in den Banlieues rund um Paris ist die Jugendarbeitslosigkeit hoch, die Jugendlichen haben wenig Perspektiven und ein zwiespältiges Verhältnis zum Staat, von dem sie finanziell abhängig sind. Bei Grossereignissen kann sich dieser Frust schnell in gewalttätigen Ausschreitungen und in Scharmützeln mit der Polizei entladen, die eine Art Feindbild verkörpert. Gleichzeitig hat sich in Paris eine gewisse Gewöhnung entwickelt: Ausschreitungen bei grossen Events gehören fast schon zur Normalität, was die Hemmschwelle für solche Taten senkt.

Tagesschau, 31.05.2026, 19:30 Uhr ; 

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