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Legende: Audio Syrien geht das Benzin aus abspielen. Laufzeit 06:13 Minuten.
06:13 min, aus HeuteMorgen vom 25.04.2019.
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Benzinknappheit in Syrien «An einen Wiederaufbau ist nicht zu denken»

In Syrien herrscht eine akute Benzinknappheit, das vor allem durch die US-Sanktionen gegen Syrien und den Iran. Syrien hat den Grossteil seines Öls aus Iran erhalten. Diese Ölknappheit ist inzwischen so gravierend, dass die Regierung das Benzin rationiert. SRF-Korrespondentin Susanne Brunner über die prekäre Lage im kriegsgeschüttelten Land.

Susanne Brunner

Susanne Brunner

SRF-Nahostkorrespondentin

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Für SRF ist Susanne Brunner seit Frühling 2018 Korrespondentin im Nahen Osten. Sie wuchs in Kanada, Schottland, Deutschland und in der Schweiz auf. In Ottawa studierte sie Journalismus.

Bei Radio SRF war sie zuerst Redaktorin und Moderatorin bei Radio SRF 3. Dann ging sie als USA-Korrespondentin nach San Francisco und war nach ihrer Rückkehr Korrespondentin in der Westschweiz. Sie moderierte auch das «Tagesgespräch» von Radio SRF 1. Zudem hat Susanne Brunner bei «10vor10» zudem Fernseherfahrung gesammelt.

SRF News: Auslöser der Versorgungskrise sind vor allem die US-Sanktionen gegen Syrien und auch gegen den Iran, welche diese Woche noch weiter verschärft wurden. Spitzt sich die Lage nun zu?

Susanne Brunner: Einerseits treffen die US-Sanktionen gegen den Iran Syrien besonders hart. In den letzten drei Monaten von 2018 lieferte der Iran täglich rund 66 000 Barrel Öl nach Syrien, seit Anfang Jahr keinen Tropfen mehr. Die syrische Regierung kann im Moment nur noch Öl aus Russland beziehen und im eigenen Land nur aus dem Kurdengebiet, das von den USA unterstützt wird.

Grosse Teile der Infrastruktur des Landes sind zerstört

Der Iran hat der syrischen Regierung früher auch Geld gegeben, unter anderem in Form von Krediten. Zudem gehen die Rebellen, die noch Teile von Syrien kontrollieren, härter gegen Schmuggler vor, die Öl in den Teil des Landes liefern wollen, das Assad kontrolliert.

Autostau auf Strasse.
Legende: Überall im Land stauen sich die Autos vor Tankstellen. Reuters

Wie sehr trifft die Benzinknappheit das Land?

Diese Krise kommt nach einer Heizgasknappheit in einem ausserordentlich langen und kalten Winter in dieser Region. Die Leute hatten kaum genug Gas, um sich warm zu halten. Nun also diese Öl- und Benzinknappheit. Die Regierung von Präsident Baschar al-Assad will die Wirtschaft in Schwung bringen, was so aber nicht geht. An einen Wiederaufbau ist unter solchen Umständen nicht zu denken. Der Unmut und die Verzweiflung nach acht Jahren Krieg wachsen.

Autos vor Tankstelle.
Legende: Die US-Sanktionen gegen den Iran treffen Syrien besonders hart. Seit Anfang Jahr liefert der Iran keinen Tropfen Benzin mehr nach Syrien. Reuters

Was bedeutet die Knappheit für die Stabilität des Landes?

Stabil ist Syrien bei weitem noch nicht. Der Krieg ist noch nicht vorbei. Die Kämpfe in Idlib im Norden gehen weiter. Der IS ist bei weitem noch nicht besiegt. Grosse Teile der Infrastruktur des Landes sind zerstört; die Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern ist ein Problem. Dass der Geld- und Ölhahn in Syrien nun zugedreht wurden, könnte Syrien in die nächste Krise stürzen. Die Menschen haben Angst, sich wirklich kritisch zu äussern oder offen zu protestieren, aber wollen eigentlich ein Leben in Frieden, ein wirtschaftlich besseres Leben, als das sie nach acht Jahren Entbehrung hatten.

Wie reagiert die syrische Regierung auf die Krise?

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur berichtet nun fast täglich über die langen Schlangen vor den Tankstellen und bezeichnet die Sanktionen als neuen Krieg gegen das Land. Regierungsvertreter gehen hart mit anderen arabischen Staaten ins Gericht, die Syrien nicht unterstützen.

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur bezeichnet die Sanktionen als neuen Krieg gegen das Land.

Die Golfstaaten helfen nicht und die syrische Regierung befürchtet, dass der Westen, allen voran die USA, die arabische Welt spaltet, sodass jedes Land nur noch eigene Interessen vertritt.

Stau auf Strasse.
Legende: Die Ölproduktion in Syrien ist seit dem Beginn des Bürgerkrieges vor acht Jahren drastisch gesunken. Reuters

Die USA wollen gegenüber Syrien und dem Iran hart bleiben. Die Regierung um Assad ist international isoliert. Was bedeutet das für die Zukunft Syriens?

Die Regierung erklärt, dass sie eigene Ölquellen ausschöpfen werde. Die Ölproduktion war vor dem Krieg ein wichtiger Teil der syrischen Wirtschaft, global gesehen aber ist Syrien als Ölproduzent völlig unbedeutend. Die Ölproduktion ist seit dem Beginn des Bürgerkrieges vor acht Jahren drastisch gesunken. Um die vorhandenen Quellen wirklich auszuschöpfen, braucht es Investitionen aus dem Ausland. Die aber gibt es wegen den Sanktionen und Sicherheitsbedenken potenzieller Investoren kaum.

Das Gespräch führte Joel Hafner.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Andrew Simon (A. Simon)
    Man könnte meinen, die USA und ihre Sanktionen sind an der katastrophalen Lage in Syrien Schuld. Wer für die humanitäre Katastrophe zueallerst Verantwortung trägt, ist die syrische Regierung. Und zum Erdöl: Anstatt die Revolutionsgarden nach Syrien zu schicken (was machen die bloss dort??? Die Russen helfen doch schon), könnte Iran ja Öl schicken, davon haben sie ja genug.
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  • Kommentar von Sascha Freitag (SF)
    Sanktionen der USA sind schlichtwegs eine Frechheit, nachdem Obama schon zugegeben hat, dass der Überfall auf den Irak den IS erst hat entstehen lassen. Das Pentagon hat vor dieser Gefahr gewarnt. Und Kerry gibt zu, man hat mit Absicht lange nur zugeschaut.
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  • Kommentar von Stanic Drago (Putinversteher)
    Schon abgemachte Deal zwischen SDF und syrische Regierung hat USa gekippt. USA hat verboten SDF Oel aus Oel Felder Omar an Regierung zu liefern. So hat niemand etwas von diesen Oel. Es ist zu erwähnen, dass IS dürfte uneingeschrankt diese Oel nach Türkei und sogar zu syrische Regierung liefern. Einzige Ziel USa in Syrien nach niederlage IS ist Land in Chaos zu stürzen.
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