Zum Inhalt springen

Header

Audio
Das Geschäft mit dem Öl wandelt sich
Aus SRF 4 News aktuell vom 16.09.2020.
abspielen. Laufzeit 11:13 Minuten.
Inhalt

Branche im Umbruch Das Ende des Ölzeitalters – und der Anfang... wovon eigentlich?

Der Ölriese BP malt ein düsteres Zukunftsszenario für sein Kerngeschäft – und hat abenteuerliche Pläne.

Als erster Branchengigant erklärt der Ölkonzern BP das Zeitalter der unablässig steigenden Ölnachfrage für beendet. Der Verbrauch werde vielleicht nie wieder auf das Niveau zurückkehren, das er vor dem Ausbruch der Coronakrise erreicht hatte, heisst es im «Energie Ausblick 2020» von BP.

Selbst die optimistischste Schätzung für die nächsten zwei Jahrzehnte sehe die Nachfrageentwicklung «weitgehend stagnierend», da die Welt sich im Zuge der Energiewende immer mehr von fossilen Brennstoffen verabschiede.

Historischer Umbruch

Christof Rühl ist ehemaliger Chefökonom von BP und ausgewiesener Kenner der energiepolitischen Entwicklungen auf dem Globus. Bewahrheiten sich die Prognosen von BP, wäre das für Rühl eine historische Wende: «Damit würde der Ölmarkt erstmals in seiner 150-jährigen Geschichte nicht mehr wachsen, sondern schrumpfen.»

BP belässt es nicht bei Worten, sondern reagiert: Der Ölriese will seine Investitionen in erneuerbare Energien umleiten. Rühl betrachtet die Pläne mit Skepsis. «Ist eine traditionelle Öl- und Gasgesellschaft tatsächlich in der Lage, total umzusatteln? Kann sie eine ihrer Grösse entsprechende Führungsposition im Bereich der erneuerbaren Energien einnehmen?»

BP verfolgt Netto-Null-Ziel bis 2050

Box aufklappenBox zuklappen
BP verfolgt Netto-Null-Ziel bis 2050
Legende: Bernard Looney, CEO von BP Reuters

BP-Vorstandschef Bernard Looney hatte bereits im August angekündigt, fünf Milliarden US-Dollar jährlich in den Aufbau des Geschäfts mit erneuerbaren Energien zu investieren und die Öl- und Gasproduktion in den nächsten zehn Jahren um 40 Prozent zu senken. Die neue Unternehmensstrategie sieht zudem vor, den Netto-Kohlendioxid-Ausstoss des Konzerns bis spätestens 2050 auf null zu senken.

Rühl meldet Zweifel an, dass sich BPs Expertise aus dem Ölgeschäft «bruchlos» in dasjenige mit den erneuerbaren Energien übertragen lässt. Was für den Ökonomen für die gesamte Branche zutrifft, die relativ unerfahren in Bezug auf erneuerbare Energien sei.

Öl bleibt grösster Energieträger

Dass sich etwas verändern wird, ist für Rühl aber unstrittig. Und er zieht den Vergleich zu den Tabakmultis, die sich – teilweise durchaus erfolgreich – auf die sinkende Zahl von Rauchern in vielen Ländern eingestellt hätten. Das «Ende des Ölzeitalters» zieht für Rühl aber noch nicht herauf.

Allein schon bei der Herstellung von Plastik und weiteren Kunststoffen spiele Öl auf absehbare Zeit eine grosse Rolle. Und: «Öl ist mit über 30 Prozent immer noch der grösste Energieträger.» Öl werde etwa im Transportsektor noch über Jahrzehnte lebensnotwendig sein, prognostiziert Rühl.

Aramco/1951
Legende: Die Arab-American Oil Company (Aramco) 1951 auf «Öl-Expedition» in Saudi-Arabien. Der Markt verändere sich tiefgreifend, sagt Rühl. Und damit auch die geopolitische Bedeutung des Öls. Keystone

Für Rühl ist aber klar: Die Wettbewerbs- und Rahmenbedingungen verändern sich markant. Auch, weil seit Jahrzehnten ein massiver Effizienzgewinn spürbar ist. «Man braucht immer weniger Öl, um das gleiche Bruttosozialprodukt zu erwirtschaften.» Die Branche befindet sich also nicht nur wegen der Energiewende im Umbruch.

Viele der Mythen und geopolitischen Konsequenzen, die sich immer ums Öl gerankt haben, werden an Bedeutung verlieren.
Autor: Christof RühlÖkonom und Energiexperte

Der Ökonom rechnet damit, dass der Ölmarkt schon in den nächsten Jahren schrumpfen könnte. Sollte das eintreten, werde sich das gesamte Geschäft mit dem Öl schlagartig verändern. «Dann wird es für Kartelle wie OPEC auch nicht mehr möglich sein, den Preis durch Produktionskürzungen hochzuhalten.»

Die fünf grössten Ölhändler
Legende: Wohin geht die Reise für die Ölmultis? Es könnte sie verstärkt zu den erneuerbaren Energien ziehen, so Rühl. Ein Umlagerungseffekt sei in einer «ersten Welle» schon bei Investitionen ins Gasgeschäft spürbar gewesen. Reuters

Kommt der Ölpreis unter Druck, profitieren Produzenten mit niedrigen Kosten wie Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate. Andere Akteure dürften mehr Schwierigkeiten haben, das «braune Gold» zu Geld zu machen, sagt der Branchen-Kenner: «Viele der Mythen und geopolitischen Konsequenzen, die sich immer ums Öl gerankt haben, werden an Bedeutung verlieren.» Und das sei auch gut so.

SRF 4 News, 16.09.2020, 11:19 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

37 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Frank Henchler  (Die Wahrheit ist oft unbequem)
    Ich glaube in der CH wäre man schon ein ganzes Stück weiter, wenn man bei den Bürgerlichen endlich einsieht, dass Öl keine Zukunft hat, zumindest langfristig nicht.
  • Kommentar von Hanspeter Burri  (HPABRRBU)
    Herr Schulenburg: Sie haben offenbar ein arges Problem mit der
    Wirtschaft. Sie schreiben über die Wirtschaft, als ob diese
    alle Raubritter wären. Vergessen wird im allgemeine, das viele
    Menschen von der Wirtschaft abhängig sind, indem ihnen einen
    Arbeitsplatz zur verfügung gestellt wird. Die Wirtschaft verteufeln
    können nur Personen, die entweder Pensionär- oder Angestellter
    einer Behörde sind.
    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Genau genommen sind auch Pensonäre und Behördenmitglieder und - Angestellte von der Wirtschaft abhängig. Nur sind sie es sich oft zu wenig bewusst. Aber die Wirtschaft, und damit vor allem die prominenten Exponenten derselben, könnte natürlich auch sehr viel tun um dieses latent negative Image los zu werden. Und zwar ohne sich selbst zu gefährden. Nur mit etwas mehr Weitsicht unterwegs sein wäre oft schon hilfreich.
    2. Antwort von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
      @Burri: Sie treffen den Nagel auf den Kopf: Wir sind abhängig von der Wirtschaft. Darum nehmen wir es als natürlich gegeben hin, dass die Wirtschaft Milliarden, Billiarden abzieht und auf Privatkontis verschwinden lässt während die Pensionskasse runtergeht, das AHV Alter rauf, die Bürger die Krankenkassen und Mieten nicht mehr zahlen können, als Eltern mit drei Jobs die Familie kaum versorgen kann, die Regierung grosszügige Steuergeschenke an Multis verteilt, die Reallöhne seit 30J. stagnieren
    3. Antwort von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
      @Burri: Nein, ich bin beides nicht.
  • Kommentar von Samuel Nogler  (semi-arid)
    Ich dachte immer, wie wären noch in der Steinzeit, da immer noch deutlich mehr Stein als Öl benötigt wird und auch die Geologen die Gesteinsschichten analysieren und nicht die Ölschichten.
    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      So kann es kommen, wenn man sich nicht genug mit der Materie auseinandersetzt. Bekanntlich ist Öl eine Flüssigkeit und ist deshalb nicht in Schichten zu finden. Allenfalls dazwischen. Aber seis drum.