Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Britische Militärbasen Wird Grossbritannien nun auch Kriegspartei?

Iran und seine Unterstützer sind zum Gegenangriff übergegangen. Ein iranisches Drohnenziel war am späten Abend eine britische Luftwaffenbasis auf Zypern. Grossbritannien-Korrespondent Patrik Wülser sagt, was dies für Grossbritannien bedeutet.

Patrik Wülser

Grossbritannien-Korrespondent

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Patrik Wülser arbeitet seit Ende 2019 in London als Grossbritannien-Korrespondent für SRF. Wülser war von 2011 bis 2017 Afrika-Korrespondent und lebte mit seiner Familie in Nairobi. Danach war er Leiter der Auslandsredaktion von Radio SRF in Bern.

Was weiss man über den iranischen Drohnenangriff auf die Luftwaffenbasis Akrotiri auf Zypern

Gemäss einer Medienmitteilung des britischen Verteidigungsministeriums soll vergangene Nacht eine iranische Drohne den britischen Luftwaffenstützpunkt Akrotiri auf Zypern getroffen haben. Es kam zu einer Explosion, aber es sollen keine Personen zu Schaden gekommen sein. Eine zweite Drohne konnte offenbar in der Luft abgefangen und zerstört werden. Militärisches Personal sei danach evakuiert worden.

Warum erlaubt Grossbritannien den USA nun die Nutzung seiner Luftwaffenbasen?

Mit den Angriffen auf Hotels und Flugplätze in verschiedenen Golfstaaten habe sich die Ausgangslage komplett verändert, erklärte am Montagmorgen die britische Aussenministerin Yvette Cooper vor den Medien. In der Region lebten gegen 300’000 Britinnen und Briten. Es gelte, ihre und britische Interessen zu schützen. Das Vereinigte Königreich nehme sein kollektives Selbstverteidigungsrecht wahr. Der argumentative Balanceakt war hörbar. Man sitzt nicht mehr einfach an der Seitenlinie dieses Kriegs. Man versucht aber, den Anschein zu vermeiden, dass man zusammen mit Israel und den USA Kriegspartei geworden sei, selbst wenn man diesen Krieg mittlerweile logistisch unterstützt.

Ein Kampfjet über einer Absperrung aus Nato-Draht.
Legende: Ein Kampfjet steigt von der britischen Militärbasis Akrotiri auf. Keystone / Petros Karadjias

Was genau erlauben die Briten den Amerikanern?

Die britische Regierung erlaubt den USA die Benutzung von amerikanischen oder gemeinsamen Luftwaffenstützpunkten auf britischem Territorium, z.B. auf Zypern, auf Diego Garcia – der strategisch wichtigen Insel mitten im Indischen Ozean – oder 130 Kilometer westlich von London auf dem Stützpunkt Fairford. Sie dürfen sie für Angriffe auf iranische Militärziele wie Abschussrampen oder Munitionslager nutzen – aber nicht für Angriffe auf zivile oder politische Ziele und nicht zur Eliminierung von weiterem Personal der iranischen Führung.

Können sich die Briten aus dem Krieg raushalten?

Premierminister Keir Starmer macht innenpolitisch und aussenpolitisch einmal mehr keine klare Ansage. Heute Morgen machte der rechtskonservative Nigel Farage vor den Medien Druck, Grossbritannien müsse sich unmissverständlich auf die Seite des langjährigen Alliierten USA stellen. Auf der anderen Seite werden innerhalb von Labour Stimmen laut, die davor warnen, nicht den gleichen Fehler wie im Irak zu machen und sich von den USA «nicht in einen völkerrechtswidrigen Krieg ziehen zu lassen».

Es ist davon auszugehen, dass dies auch ein Grund für das Zögern von Starmer ist: Der damalige Premierminister Tony Blair hat mit dem Irak-Feldzug seine politische Reputation bis heute schwer beschädigt. Dem US-Präsident die Hilfe zu versagen, könnte auf der anderen Seite das Verhältnis zu Trump wahrscheinlich arg zerrütten. Gleichzeitig macht Starmers diplomatische Wortakrobatik Grossbritannien wohl nicht sicherer. Die Wahrscheinlichkeit, dass britisches Territorium und Einrichtungen nun ebenfalls zum Ziel von weiteren Angriffen aus dem Iran werden können, wächst aber wohl mit jeder Stunde.

Rendez-vous, 2.3.2026, 12:30 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel