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Krieg gegen Iran Israel geht ein unkalkulierbares Risiko ein

Ein Artikel im US-Magazin «Politico» Mitte dieser Woche liess aufhorchen: Die Amerikaner, so hiess es, würden es vorziehen, wenn ein Erstschlag gegen Iran von Israel ausginge, nicht von den USA. Ein militärisches Eingreifen der US-Streitkräfte gegen das Mullah-Regime in Teheran sei dem kriegsskeptischen heimischen Publikum einfacher zu verkaufen, wenn Iran auf einen israelischen Angriff mit Raketen auf Tel Aviv reagiere.

Am Samstagmorgen nun schien es zunächst tatsächlich so zu sein: Der israelische Verteidigungsminister meldete, Israel habe Iran angegriffen. Dass die USA von Beginn an am militärischen Grossangriff beteiligt waren, erfuhr die Weltöffentlichkeit erst gut eine Stunde später von US-Präsident Donald Trump. Dennoch steht die Frage im Raum: Wer treibt hier eigentlich wen an zum Militärschlag gegen Iran?

Skepsis gegenüber Diplomatie

Dass der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu mehr als skeptisch auf die Verhandlungen der USA mit Iran blickte, ist kein Geheimnis. Er fürchtete, Trump könnte sich von den Iranern über den Tisch ziehen lassen und einer Art Neuauflage des Atomabkommens von 2015 zustimmen, das die Urananreicherung durch den Iran reglementierte und 2018 von Trump einseitig aufkündigt wurde. Für Israel geht es um mehr als «nur» die Bedrohung durch eine mögliche iranische Atombombe. Es geht darum, ein für alle Mal die Bedrohung durch ein Regime zu beseitigen, dessen Credo die Auslöschung Israels ist.

Dazu will Israel die totale militärische Dominanz in der Region erlangen und nebst Irans Atom- auch dessen Raketenprogramm zerstören. Die vom Iran unterstützten Milizen der sogenannten Achse des Widerstandes, die libanesische Hisbollah und die palästinensische Hamas, sind bereits massiv geschwächt und deren Anführer getötet worden. Nun wurde auch der Kopf der Hydra abgeschlagen: Ayatollah Ali Chamenei.

Günstiger Zeitpunkt aus Sicht Israels

Nach der ruchlosen Niederschlagung der jüngsten Proteste Anfang Januar ist das Mullah-Regime intern so geschwächt und verhasst wie nie zuvor. Aus Sicht Israels also war der Zeitpunkt für einen Militärschlag gegen Teheran günstig. Eine Gelegenheit, die Premierminister Netanjahu nicht ungenutzt verstreichen lassen wollte.

Donald Trump zog mit und macht klar: Das Regime muss weg. Doch was folgt auf die Islamische Republik? Das können weder die USA noch Israel bestimmen.

Israel hat in den letzten zweieinhalb Jahren einzig auf Gewalt gesetzt. Die Regierung Netanjahu hat keinerlei Versuche unternommen, die militärischen Erfolge in politische umzumünzen. Doch wenn die Diplomatie augenscheinlich keine Chance erhält, dann sind Zweifel angebracht, ob die Sicherheit Israels langfristig gewährleistet werden kann.

Anna Trechsel

Auslandredaktorin

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Beobachtet für die Auslandredaktion die Geschehnisse in Israel und Palästina.

Info3, 1.3.2026, 17:00 Uhr

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