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Aufklärerischer Bürgerjournalist aus Wuhan
Aus Echo der Zeit vom 31.01.2020.
abspielen. Laufzeit 03:42 Minuten.
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Bürgerjournalismus in Wuhan Ein Youtuber als Alternative zu Chinas Staatsmedien

Der chinesische Aktivist Chen Qiushi berichtet auf Youtube aus der chinesischen Stadt Wuhan, dem Zentrum der Epidemie.

«Hier gibt es ein paar Apotheken, aber die sind geschlossen und auch Restaurants sind viele zu.» Chen Qiushi spricht durch seinen Mundschutz, filmt geschlossene Geschäfte. Sein Youtube-Video ist verwackelt. Angeklickt wurde es dennoch rund 750'000 Mal. Chen ist Anwalt, 34 Jahre alt, er stammt ursprünglich aus Nordost-China. Seit rund einer Woche filmt er in Wuhan.

Auch in Spitälern. Wie ist dort die Situation? «Am Anfang mussten die Leute sehr lange anstehen. Doch das hat sich etwas verbessert», sagt Chen. «Inzwischen sehe ich immer weniger Leute in den Spitälern selbst, weil sie jetzt zu Hause in Quarantäne sind.» Damit seien aber viele unzufrieden: «Sie machen sich Sorgen und fragen sich: Soll ich jetzt etwa zu Hause sterben?»

Zwei Gesichtsmasken übereinander

Er selbst übernachtet in einer Pension, nachdem sein Hotel schloss und ihn auf die Strasse stellte. Macht er sich eigentlich keine Sorgen? «Natürlich habe ich Angst. Ich trage zwei Gesichtsmasken übereinander. Und jetzt auch noch eine Schutzbrille für die Augen.» Am Anfang habe er nur eine Schwimmbrille gehabt. «Ich desinfiziere mehrmals am Tag meine Kleidung und auch mein Handy.» Seine ganze Unterkunft rieche nach Desinfektionsmittel, sagt er.

«Los geht's!» twittert Chen Qiushi aus Wuhan

Chen wiederholt im Gespräch mehrmals, dass er kein professioneller Journalist sei. Für Chinas offizielle Medien möchte er denn auch nicht arbeiten. «Der Fokus ihrer Berichterstattung liegt wenn immer möglich auf dem Positiven. Negative Punkte werden eher nicht berücksichtigt.»

Vom chinesischen Internet «entfernt»

Chen sieht sich als Bürgerjournalist. Letztes Jahr reiste er nach Hongkong und berichtete auf Chinesisch über die Proteste gegen die Regierung. Dabei sagte er, die Demonstrierenden seien mehrheitlich friedlich. Nicht alle seien Randalierer. Er widersprach damit den Berichten der chinesischen Staatsmedien. Und das nicht ohne Folgen: Die Polizei habe ihn vorübergehend festgenommen, sagt er.

Er habe sich dann vor verschiedenen Behörden erklären müssen: «Ich wurde sozusagen vom chinesischen Internet entfernt. Mein Weibo-Konto wurde gesperrt auch mein chinesisches Tiktok-Konto. Ich kann meine Beiträge dort nicht mehr publizieren.» Deshalb sei er auf YouTube ausgewichen. Die Plattform ist zwar in China gesperrt, ist aber über einen VPN zugänglich; einer Applikation, mit der man die Zensurmauer umgehen kann.

Kommentare aus Taiwan und aus Hongkong

Geschaut werden die Videos trotzdem von vielen Chinesen. Die Kommentare der Nutzer sind auf Chinesisch. «Anhand der Schriftzeichen stammen die meisten vom chinesischen Festland», glaubt Chen. «Aber auch Nutzerinnen und Nutzer aus Taiwan und aus Hongkong hinterlassen Kommentare.»

Wie lange er noch in Wuhan bleibt, wisse er nicht, sagt Chen. Noch ist die Stadt unter Quarantäne. Er darf sie – wie Millionen andere – nicht verlassen. Bis die Sperre aufgehoben ist, will er mit seinen Videos weiter über die Situation in Wuhan berichten.

Chen Qiushi ist inzwischen verschwunden

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Der chinesische Youtuber Chen Qiushi ist kurz nach Erscheinen dieses Artikels verschwunden. Es gebe kaum gesicherte Informationen über seinen Verbleib, sagt SRF-Korrespondent Martin Aldrovandi. «Familienmitglieder und Bekannte berichten, dass sie ihn nicht erreichen könnten.» Das ist seltsam, denn falls er sich in Quarantäne befände, müsste er wenigstens per Telefon erreichbar sein.

Auch um einen weiteren Blogger, der kürzlich ein kritisches Video aus Wuhan veröffentlicht hatte, wurde es inzwischen still, weiss Aldrovandi. Beide seien zwar schon davor von chinesischen Social-Media-Plattformen verbannt gewesen und nur Nutzer mit VPN konnten auf ihre Inhalte zugreifen. Aber den chinesischen Behörden dürften die Bilder von überfüllten Spitälern und chaotischen Szenen nicht gefallen haben.

Echo der Zeit, 31.01.2020, 18:00 Uhr

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