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«America first» - Trumps Motto zur US-Aussenpolitik
Aus Echo der Zeit vom 28.10.2020.
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China, Russland, Nato Warum «America First» die USA nicht neu erfand

«Erstaunlich viele Parallelen zu seinem Vorgänger Barack Obama»: Fredy Gsteiger zu vier Jahren Trumpscher Aussenpolitik.

Mit dem Grundsatz «America First» zog Donald Trump ins Weisse Haus ein. Amerika solle für sich schauen und nicht für andere – das bezog sich auch auf die Aussen- und Sicherheitspolitik. Trump versprach damit einen radikalen Bruch mit der diplomatischen Tradition in Washington. Dieser blieb insgesamt aus, erklärt Fredy Gsteiger.

Fredy Gsteiger

Fredy Gsteiger

Diplomatischer Korrespondent, SRF

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Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St. Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

SRF News: Fand unter Trump wirklich ein radikaler Bruch in der US-Aussenpolitik statt?

Fredy Gsteiger: Im Ton war der Bruch radikal – auch wenn die USA als Supermacht schon vorher nicht auf Samtpfoten aufgetreten sind. Sie haben ihre Macht immer resolut ausgespielt. So ruppig, schroff und unberechenbar hat man die USA vorher nicht gekannt.

Vieles hat schon vor Trump angefangen und er hat es fortgeführt.

In der Sache gibt es aber erstaunlich viele Parallelen zwischen der Aussenpolitik von Präsident Trump und seinem Vorgänger Obama. Beispiele sind Syrien und Afghanistan, die Terrorismus-Bekämpfung, die Konfrontation mit China. Vieles hat schon vor Trump angefangen und er hat es fortgeführt.

China und die USA stehen sich heute fast schon wie die Sowjetunion und die USA im Kalten Krieg gegenüber. Hat Trump China erst zur Grossmacht gemacht?

Wenn eine Supermacht eine andere Macht als den Feind darstellt, ist das eine symbolische Aufwertung. Sie signalisiert damit Respekt und auch eine gewisse Angst. Chinas Aufstieg hat aber lange vor Trump begonnen. Für viele ist China bereits eine Supermacht.

Das Misstrauen gegen Chinas Dominanzstreben ist unter Trump gewachsen.

Allenfalls hat es Trump der chinesischen Führung etwas schwieriger gemacht, ihren Einfluss zu vergrössern. Es gibt nun mehr Widerstand. Das Misstrauen in den USA, aber auch in Europa und in Chinas Umgebung gegen dessen Dominanzstreben ist gewachsen. Dazu hat Trump einen Beitrag geleistet.

Warum ist die Annäherung an Russland ausgeblieben? Man dachte, die USA würden sich unter Trump freundlicher gegenüber Putin zeigen.

Hauptsächlich, weil sich in diesem Punkt das amerikanische Parlament durchgesetzt hat. Für die «Establishment-Republikaner» ist Putins Russland genauso der Feind, wie es für ihre Vorgänger die Sowjetunion war. Sie haben etwa durchgesetzt, dass die US-Sanktionen gegen Russland wegen der Annexion der Krim fortgeführt wurden.

In der Russland-Politik haben sich das US-Aussenministerium und das Parlament durchgesetzt – gegen Trump.

Trump hat zwar immer wieder signalisiert, dass er eine gewisse Bewunderung für den russischen Staatschef hegt. Zu einer wirklichen Annäherung kam es aber nicht. Trump und Putin haben sich nur zu einem richtigen Gipfel in Helsinki getroffen. Von einem Durchbruch konnte man überhaupt nicht sprechen. Am Ende haben sich in der Russland-Politik das US-Aussenministerium und das Parlament durchgesetzt – gegen Trump.

Trump wollte vorübergehend aus der Nato austreten und sich generell weniger militärisch engagieren. Wie ist hier die Bilanz?

Positiv zu vermerken ist: Unter Trump sind die USA nicht in einen neuen Krieg eingetreten und haben auch keinen ausgelöst. Aber auch das ist ein Stück weit Fortsetzung: Die USA ziehen sich aus ihrer Rolle als Weltpolizist zurück. Das hängt auch mit dem relativen Bedeutungsverlust der USA zusammen. Dieser Effekt wird auch nach Trump anhalten.

Wenn Trump wichtige Allianzen schwächt, schwächt er auch die USA.

Unter diesen Rahmenbedingungen wirkt es irrational, dass Trump die wichtigen Allianzen der USA geschwächt hat: diejenige mit der Nato, aber auch mit den ostasiatischen Partnern Japan, Südkorea und Taiwan. Diese Allianzen haben es den USA über Jahrzehnte erlaubt, ihre Bedeutung in der Welt zu vergrössern. Wenn Trump diese schwächt, schwächt er auch die USA.

Das Gespräch führte Roger Brändlin.

Echo der Zeit vom 28.10.2020, 18 Uhr;

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Mathew Kuzhippallil  (Mathew)
    Nur wenige westliche Medien haben neutral über Trump berichtet:
    Er hat 44 Tausend Soldaten nach Hause geholt. Keine Kriege angezettelt. Die NATO Partner an ihre Pflichten erinnert. Die QUAD Allianz massiv verstärkt. Neue, und für die USA fairere Trade Deals mit mehreren Ländern abgeschlossen. Die Steuern für Alle gesenkt und dadurch Millionen neuen Jobs geschaffen. Die Corona-Zahlen gemessen auf 100000 sind viel besser als in der Schweiz!!! Und er hat Firmen in die USA zurückgeholt.
  • Kommentar von Maria Müller  (Mmueller)
    Lange Rede kurz gefasst: Trump ist der erste Präsident seit Carter, der keine neuen Kriege begonnen hat. Obama war der Präsident, mit der längsten Anzahl von Kriegsjahren/bzw. ---tagen. (Deswegen nannte man ihn z.T. ja auch "Barracks Obama") Und was ist der allg. "linke Tenor" der ganzen Geschichte: Trump gilt als der grottenschlechteste Präsident aller Zeiten. Obama ist Friedensnobelpreisträger...
  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    Einen Aspekt, aus Sicht der Europäer, hat her Steiger nicht erwähnt: Durch den Abzug/Verlagerung von Truppen in Europa und der Aufforderung mehr in die Sicherheit (2.0% vom BIP) von Europa zu investieren ist Europa endlich erwacht: Deutschland und Schweden stocken ihre Streitkräfte auf und DE, FR und GB planen auch einen neuen Kampfjet (Nachfolger Eurofighter), womöglich 6G (Generation), zu entwickeln. Ergo, dank Trump wieder mehr Eigenverantwortung der Europäer.
    1. Antwort von Domi Becker  (die etwas andere Sichtweise)
      Das kann man aber auch anders sehen.
      Die Flüchtlingsströme aus dem nahen und mittleren Osten, direkt durch die aggressive, amerikanische aussenpolitik mitverursacht, verursachen enorme Kosten für Europa, an denen sich die USA nicht beteiligen. Diese Kosten würde ich erst mal gegenrechnen beim Sicherheitsbudget.
    2. Antwort von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
      @Becker: Sie dürfen nicht Sicherheitspolitik mit Migrationspolitk vertauschen, lieber Becker. Seit Ende des 2. Weltkrieges sind die USA, natürlich auch mit Begleitung eigener Interessen, der Garant für relativen Frieden in Europa. Die Flüchtingsströme werden vielfach aus wirtschaftlichen Überlegungen erwirkt. Niemand kann sagen, wie die Situation ohne Eliminierung von Saddam und Gaddafi aussehen würde. Einer schlägt Kapital daraus: Erdogan.
    3. Antwort von Domi Becker  (die etwas andere Sichtweise)
      2. Und was die USA mit ihrer Klimapolitik anrichten, wird in den kommen Jahren ein x-faches mehr an Flüchtlingen verursachen als ihre Kriege.
      Wenn die USA und der Westen die Rohstoffe der Welte nur etwas gerechter entlöhnt hätten, hätten sie dem Sozialismus den Nährboden entziehen können. Sry, aber nach der Befreiung der Welt von den Nazis und den Japanern haben sie derart viel falsch gemacht, das hat die Welt gefährlicher gemacht, nicht sicherer.