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Maskentragen: Eine Frage der politischen Gesinnung?
Aus Echo der Zeit vom 17.07.2020.
abspielen. Laufzeit 06:26 Minuten.
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Corona in den USA «Maskenträger gelten als Weicheier und Angstmacher»

Die Coronapandemie ist in den USA ein Politikum. Die Frage, welches die richtigen Schutzmassnahmen im Kampf gegen das Virus sind, ist zunehmend eine politische und weniger eine wissenschaftliche. Wie sich das in Florida äussert, einem neuen Hotspot der Corona-Infektionen, schildert SRF-Korrespondent Matthias Kündig.

Matthias Kündig

Matthias Kündig

USA-Korrespondent, SRF

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Matthias Kündig berichtet seit Herbst 2018 aus Miami über die USA, Mexiko, Zentralamerika und die Karibik. Davor war er Produzent beim «Echo der Zeit» und Sonderkorrespondent in Ägypten. Kündig studierte an der Universität Bern Geschichte und Politologie.

SRF News: Woran erkennt man die Epidemie, wenn man in Miami auf die Strasse geht?

Matthias Kündig: Mittlerweile trägt rund die Hälfte der Menschen in der Stadt eine Hygienemaske, zum Teil jedoch unter dem Kinn. Und das, obwohl eigentlich seit drei Wochen in der Öffentlichkeit eine generelle Maskentragepflicht gilt. Diese wird aber kaum durchgesetzt. Es gibt auch eine nächtliche Ausgangssperre ab 22 Uhr, aber Polizeikontrollen gibt es keine.

Maskentragepflicht und nächtliche Ausgangssperre werden kaum durchgesetzt.

Das Nacht- und Partyleben hat sich einfach in den privaten Raum zurückgezogen. Am Sonntagnachmittag habe ich in einem reichen Villenvorort von Miami gleich drei grosse Gartenpartys gesehen mit jeweils mehr als 50 Personen, die alle ohne Mundschutz gefeiert haben.

15'000 Neuansteckungen – pro Tag

15'000 Neuansteckungen – pro Tag
Legende:srf/matthias kündig

In Florida (Bild: Skyline von Miami) werden derzeit täglich bis zu 15'000 Neuinfektionen mit Sars-CoV-2 gemeldet. Und das bei einer Bevölkerung, die knapp dreimal so gross ist wie jene der Schweiz. Im Verhältnis würde das also bedeuten, dass die Schweiz 5000 neue Fälle pro Tag hätte – dreimal mehr, als zum bisherigen Höhepunkt der Pandemie im März.

Plakat mit den Corona-Vorschriften am Strand.
Legende: Eigentlich gilt in der Öffentlichkeit in Florida eine Maskenpflicht. Doch kontrolliert wird das nicht. srf/matthias kündig

Haben die Leute denn keine Angst?

Die gibt es bestimmt, vor allem bei der älteren Generation. Doch vor allem herrscht hier in Miami Verwirrung und Verunsicherung. Vielen ist unklar, was gilt. Auch wissen nicht alle, welches Verhalten gefährlich sein kann.

Hier in Miami herrscht Verwirrung und Verunsicherung.

Es wird viel gespottet in der Art: «In New York haben sie die Menschen in ihre Häuser verbannt, als sie 10'000 Neuansteckungen pro Tag hatten – in Florida wurde Disneyland wiedereröffnet, als wir mehr als 10'000 Neuansteckungen erreichten.» Unklar ist auch, warum man im April zu Hause bleiben musste – bei täglich 3000 Neuansteckungen – und jetzt, bei 15'000, nicht.

Polizistin in einem Polizeigefährt, sie trägt eine Hygienemaske.
Legende: Immerhin die Strandpolizei in Miami hält sich an die Maskenpflicht. srf/matthias kündig

Hängt es von der politischen Einstellung ab, ob man eine Maske trägt?

Ende Mai habe ich in einer kleinen Gemeinde in Zentralflorida einmal mit aufgesetzter Maske ein Restaurant betreten, so wie das vorgeschrieben ist. Ich wurde von unmaskierten Gästen empfangen mit den Worten: «look, another liberal» («schau, schon wieder so ein Linker»).

Laut Umfragen setzt ein Umdenken zum Maskentragen ein.

Für viele Republikaner, vor allem Trump-Anhänger, bedeutet die Maske ein politisches Zeichen gegen Trump. Maskenträger sind Weicheier und Angstmacher. Allerdings zeichnet sich hier laut Umfragen ein Umdenken ab: Mittlerweile befürwortet auch eine Mehrheit der Republikaner eine generelle Maskentragepflicht.

Ron DeSantis legt sich eine Hygienemaske an.
Legende: Floridas Gouverneur Ron DeSantis orientiert sich an US-Präsident Trump: Restriktionen setzt er nicht durch, am liebsten möchte er alles öffnen – trotz Rekord-Infektionszahlen. imago images

Florida ist von Gouverneur Ron DeSantis republikanisch regiert. Wie verhält er sich in der Corona-Krise?

Restriktionen erfolgen erst, wenn der Druck so gross ist, dass sie sich nicht mehr vermeiden lassen. Noch immer weigert sich DeSantis, eine generelle Maskentragepflicht für den gesamten Staat auszurufen. Auch veröffentlicht er nur selektive Zahlen: Wochenlang hat er sich geweigert, bekannt zu geben, wie viele Personen wegen Corona pro Tag neu in Spitalpflege müssen. Erst als verschiedene Medien dagegen klagten, rückte er mit den Zahlen heraus.

Es gibt einen Flickenteppich von Regeln und eine Kakophonie an Botschaften.

DeSantis orientiert sich zudem stark an den politischen Bedürfnissen von Präsident Donald Trump: Schulen und Wirtschaft vollständig öffnen, möglichst schnell zurück zur Normalität. Er agiert wie Trump und schiebt die Verantwortung auf die Bezirke und Städte ab. Daraus entsteht ein Flickenteppich von Regeln und eine Kakophonie der Botschaften. De facto galt zeitweise in gewissen Strassen auf der einen Strassenseite eine Maskenpflicht, auf der anderen Seite nicht.

Das Gespräch führte Roger Brändlin.

Ältere mit Trump immer unzufriedener

Ältere mit Trump immer unzufriedener

Dass Trumps Umfragewerte sinken, hat wohl auch damit zu tun, dass vor allem die ältere Bevölkerung unzufrieden ist mit dem Krisenmanagement des Weissen Hauses. Die älteren Generationen haben eine noch viel klarere Vorstellung davon, wie ein Präsident in einer Krise agieren sollte, von der ja mehr ältere Menschen durch schwere Coronaverläufe betroffen sind. Da kommt es schlecht an, wenn der Präsident sich dauernd selber lobt und alle anderen verantwortlich macht, für das, was nicht funktioniert. In einer solchen Krisensituation möchten sie einen Präsidenten, der hinsteht, Verantwortung übernimmt, das Land eint und Zuversicht verbreitet. (kuem)

SRF 4 News aktuell, Echo der Zeit vom 17.7.2020, 18.00 Uhr;

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44 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Maskenträger gelten als Weicheier und Angstmacher. Armes Amerika, soweit habt ihr es gebracht, dass ihr auf die falschen Leute und einem dummen Präsidenten hört. Dem ist eure Gesundheit egal. Hört auf den Virologen und befolgt die Weisungen, dann gibt es weniger Ansteckungen.
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  • Kommentar von Beatrice Koubi  (Beatriceko123)
    Ich lebe in Florida, Miami um genau zu sein. Die meisten tragen Masken wenn sie in der Nähe anderer sind, oder in Läden und Restaurants. Viele tragen Masken auch wen sie alleine spazieren. Seit dem 16ten gibt es Feins. Ich kenne Leute die Feins bekommen haben weil sie keine Masken tragen wollen. Die sind aber die Wenigstens, die Meisten tragen Masken weil sie auch Läden und Restaurants unterstützen wollen. Sonst müssen die zumachen.
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  • Kommentar von Jesko Mertha  (Jesko)
    Ich trage die Maske mit Stolz und breiter Brust, weil ich felsenfest davon überzeugt bin das Richtige zu tun! Es wahr wohl selten so einfach, sich selbst und seinen Nächsten einen Gefallen zu tun. Da mache ich mir doch eher bei all jenen, die das nicht auf die Reihe kriegen etwas Sorgen um das Auffassungsvermögen.
    Angst übrigens ist etwas für Menschen vollkommen normales und egal ob angebracht oder nicht: Sie hat unserer Art im Zweifel seit ihrem Anbeginn den A. gerettet...
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    1. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Angst gehört zum Menschen und ist auch sehr nützlich. So hätten früher Menschen ohne Angst kaum überleben können. Angst ist ein Schutzmechanismus in uns. Angst warnt uns vor Risiken. Oder nehmen wir die bekannte Schrecksekunde, das ist der Augenblick indem wir blitzschnell entscheiden müssen. Angst ist somit auch eine mobilisierende Emotion. Unter Angst sind oft Menschen zu Höchstleistungen fähig. ...
      Also geht vorsichtiger mit dem Begriff Angst um...und nicht mit Furcht verwechseln !
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    2. Antwort von Roger Stahn  (jazz)
      Christa Wüstner, Angst ist für nichts gut. Angst blockiert unser Denken, sowie eine wechselwirkende Kettenreaktion auslöst, die zu emotionalen Ausprägung hinführt (Organismus Körper ist geschwächt, nicht in einem harmonischen Zustand – hier bitte auch die Konsequenzen mit bedenken...), welche uns das Gefühl der Angst in unserem Bewusstsein mit den dafür assoziativen Bildern und Denkweisen weiterhin versorgt und weiterhin lähmt und zu Fehlentscheiden führen kann, die existenziell gefährlich sind.
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    3. Antwort von Roger Stahn  (jazz)
      Christa Wüstner, Angst ist für nichts gut. Angst blockiert unser Denken.
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    4. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Nein Furcht hemmt uns, Angst ist ein normaler Mechanismus im Menschen.
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