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Biden geniesst die Unterstützung des demokratischen Partei-Establishments
Aus SRF 4 News aktuell vom 04.03.2020.
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Demokraten suchen Kandidat «Sanders ist in die Herausforderer-Rolle abgedrängt worden»

Nach dem «Super Tuesday» dürften die noch anstehenden Vorwahl-Termine in den USA bei den Demokraten von einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Joe Biden und Bernie Sanders geprägt sein. Der Ausgang sei dabei offen, sagt der Kölner USA-Experte Thomas Jäger.

Thomas Jäger

Thomas Jäger

Politikwissenschaftler

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Der Politologe Thomas Jäger ist Professor für Internationale Politik und Aussenpolitik an der Universität Köln mit Schwerpunkt USA.

SRF News: Ist Joe Biden mit dem Rückenwind, den er jetzt erhalten hat, überhaupt noch zu stoppen? Wird er demokratischer Herausforderer von Amtsinhaber Donald Trump?

Thomas Jäger: Das hoffen auf jeden Fall die Parteifunktionäre bei den Demokraten – ganz im Gegensatz zu den Anhängern von Bernie Sanders.

Wie ist Bidens Comeback zu erklären?

Ausschlaggebend war sein grosser Erfolg in South Carolina, nachdem er in den drei Staaten zuvor miserabel abgeschnitten hatte. Mit seinem riesigen Vorsprung auf Sanders konnte Biden dort beweisen, dass er noch gewinnen kann. Das war jenes Signal an die demokratische Partei, damit sich nun alle hinter Biden versammeln.

Vor allem die afroamerikanischen Wähler sind für den grossen Erfolg Bidens beim ‹Super Tuesday› verantwortlich.

Insbesondere die afroamerikanischen Wähler sind Sanders gegenüber sehr skeptisch. Vor allem sie sind für den grossen Erfolg Bidens beim «Super Tuesday» verantwortlich.

Sanders.
Legende: Der «demokratische Sozialist» Sanders hat in Biden jetzt einen ernsthaften Gegner, Keystone

Auch Sanders hat allerdings gut abgeschnitten und gewinnt etwa im wählerstarken Kalifornien. Was heisst das für seine Kandidatur?

Er ging als Favorit ins Rennen, konnte aber weit weniger gut abschneiden, als das erwartet worden war. Sanders und Biden dürften nach dem «Super Tuesday» fast gleichauf an der Spitze liegen. Allerdings wird jetzt wohl Biden als neuer Spitzenreiter das Feld der demokratischen Bewerber anführen und Sanders ist in die Herausforderer-Rolle abgedrängt worden.

Sanders mobilisiert vor allem junge Wählerinnen und Wähler in den urbanen Zentren.

Sanders steht mit seiner Politik für dezidiert linke Positionen. Hilft ihm das?

Ja und nein. Die linken Positionen helfen ihm vor allem, junge Wählerinnen und Wähler in den urbanen Zentren zu mobilisieren. Unter ihnen gibt es einen grossen Enthusiasmus. Auf der anderen Seite hat er einen schweren Stand bei den demokratischen Parteifunktionären. Sie sehen sich und ihre Politik durch den eigentlich unabhängigen Sanders – er tritt bei den Demokraten bloss als Präsidentschaftskandidat an – nicht vertreten und befürchten, er werde die Präsidentenwahl für die Demokraten verlieren.

Warren hätte sich schon lange zurückziehen sollen.

Elizabeth Warren vertritt ähnliche Positionen wie Sanders, schnitt am «Super Tuesday» jetzt aber sehr schlecht ab. Müsste sie sich jetzt nicht zurückziehen?

Sie hätte sich vorher schon zurückziehen sollen. Unter anderem, weil sie das nicht gemacht hat, steht Biden jetzt so gut da. Im moderaten Lager hatten sich die beiden Kandidaten Amy Klobuchar und Pete Buttigieg ja vor dem «Super Tuesday» zurückgezogen und sich hinter Biden gestellt. Wenn nun Warren Sanders hätte unterstützen wollen, hätte sie dasselbe tun müssen.

Bloomberg erleidet Schiffbruch

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Bloomberg erleidet Schiffbruch

Der Milliardär Michael Bloomberg hat 500 Millionen Dollar für Werbung ausgegeben – mehr als alle anderen demokratischen Kandidaten zusammen. «Das zeigt: Mit Geld allein gewinnt man keinen Wahlkampf. Es braucht einen Kandidaten dahinter, sozusagen ein Produkt, das man verkaufen kann», sagt dazu Politologe Jäger. Doch Bloomberg habe keine Strahlkraft, in den wenigen Debatten, in denen er sich beteiligt hatte, habe er nicht sattelfest gewirkt, bloss blass und zittrig. «Jetzt hat er einige Delegiertenstimmen geholt, wird sich aber sicher überlegen, wie lange er die Kandidatur noch weiterziehen will. Seine Stimmen dürften dann bei Joe Biden landen», so Jäger weiter.

Das Rennen bei den Demokraten läuft also auf Biden oder Sanders hinaus. Hat einer der beiden aber auch eine Chance gegen Amtsinhaber Trump am 3. November zu siegen?

Beide haben eine Chance gegen Trump – und Trump hat eine Chance gegen beide. Entscheidend wird sein, ob Trump die republikanische Partei hinter sich versammeln kann, was vor allem von der wirtschaftlichen Lage abhängen wird.

Ebenso entscheidend wird sein, ob Sanders oder Biden die demokratische Partei hinter sich vereinen kann. Werden sich die moderaten Demokraten hinter einem sozialistischen Programm versammeln? Werden sich die enthusiastischen, jungen Sanders-Anhänger hinter Biden versammeln, um Trump loszuwerden? Bei den letzten Wahlen klappte das nicht: Sanders' Anhänger wählten Hillary Clinton nicht. Passiert das auch diesmal, erhöhen sich die Chancen für Trump massiv.

Das Gespräch führte Christina Scheidegger.

SRF 4 News aktuell, 09.20 Uhr, snep

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Klein  (HansKlein)
    Die Demokraten-Führung weiss ganz genau, dass ein Biden gegen Trump keine Chance hat, weil er genau das korrupte Washington-Establishment verkörpert, gegen das Trump erfolgreich Wahlkampf gemacht hat. Von Leuten wie Biden haben die Amerikaner die Nase gestrichen voll. Da hilft auch kein Selbstbejubeln bei den "Wahlveranstaltungen" mehr. Aber Sanders muss ja unbedingt im Namen der 0,1% verhindert werden. Und die können mit Trump dank Steuersenkungen gut leben, egal, was für ein Ekel er sein mag.
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  • Kommentar von Danny Kinda  (Kinda)
    Ich habe gestern Fahrenheit 11/9 auf SRF gesehen und wurde wieder daran erinnert das es im Grunde nicht darauf an kommt ob jetzt Biden oder Trump im Weissen Haus sitzt. Sanders wurde vor 4 Jahren vom Demokratischen Establishment so übel hintergangen das ich gar nicht mehr weiss wer da das grössere Übel ist. Das einzig richtige für die Dem. Partei wäre diese alten Zöpfe abzuschneiden und wieder richtig authentisch werden. Es hätte genug Leute die das machen könnten.
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    1. Antwort von Alexander Weljaminoff  (AndererMeinung)
      Ja, und leider wird Sanders wieder von den Superdelegierten ausgebootet.
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    2. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Sie scheinen komplett zu vergessen, dass in den USA der Präsident vom Volk gewählt wird. Da können Sie nicht einfach irgendwo herumschnipseln.
      Ausserdem: Was heisst das, übel hintergangen? Wenn Sie den Artikel lesen lernen Sie, dass Sanders eigentlich gar nicht Mitglied der Demokratischen Partei ist. Haben Sie das auch thematisiert bei 11/9?
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  • Kommentar von Philipp Moreno  (HOC)
    Traurig ist, dass Trump lachen kann während sich die Demokraten wieder selbstmanipulieren.
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