Am 12. April finden in Ungarn Wahlen statt. In der Hauptstadt Budapest fanden anlässlich des Nationalfeiertags am Sonntag Grosskundgebungen statt. Umfragen zufolge liegt Oppositionsführer Magyar derzeit vorn. Ministerpräsident Viktor Orban und sein Herausforderer mobilisierten deshalb ihre Anhänger noch einmal. Zehntausende nahmen an den Märschen teil, um die Stärke der beiden politischen Lager zu demonstrieren. Die Expertin Meret Baumann hat vor Ort einen Augenschein genommen.
SRF News: Wie sah es auf den Strassen Budapests aus?
Meret Baumann: Es waren tatsächlich sehr, sehr viele Leute unterwegs in der Stadt – und zwar bei beiden Kundgebungen. Es ist aber noch schwierig zu sagen, welche Kundgebung grösser war. Dafür muss man auf die Auswertung der Luftbilder warten.
Können Sie etwas über die beiden Lager sagen? Was sind da für Leute gekommen?
Auf der Seite Orbans ist es schon seit vielen Jahren so, dass er vor allem Leute auf dem Land mobilisiert. Die werden auch mit Bussen in die Hauptstadt gefahren, darunter viele ältere Menschen. Die Zustimmung für Viktor Orban in den Städten und insbesondere in der einzigen Grossstadt, Budapest, ist schon lange gering. Das sagt Viktor Orban auch selber. Auf der Seite Peter Magyars ist wirklich auffällig, dass es ein sehr heterogenes Publikum ist. Darunter sind auch auffällig viele sehr junge Menschen.
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Bild 1 von 7. Orbans Anhänger zogen im Rahmen eines sogenannten «Friedensmarsches» von der Margaretenbrücke... Bildquelle: EPA/Zsolt Czegledi .
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Bild 2 von 7. ... bis zum Kossuth-Platz vor dem Parlament. Bildquelle: EPA/Tibor Illyes.
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Bild 3 von 7. Kurz nach 13 Uhr hielt Orban dort eine Rede. Bildquelle: REUTERS/Marton Monus.
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Bild 4 von 7. Laut Beobachterin Baumann nehmen an Pro-Fidesz-Kundgebung häufig auch ältere Menschen aus anderen Landesteilen teil. Bildquelle: AP Photo/Denes Erdos.
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Bild 5 von 7. Herausforderer Peter Magyar punktet laut Umfragen mehr bei den Ungarinnen und Ungarn. Bildquelle: REUTERS/Bernadett Szabo.
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Bild 6 von 7. Er setzt im Wahlkampf auf Themen wie Korruptionsbekämpfung und soziale Gerechtigkeit, was ihn für viele als Alternative zu Orban attraktiv macht. Bildquelle: AP Photo/Denes Erdos.
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Bild 7 von 7. Der Ton im Wahlkampf ist jedoch rau: Auf Anti-Plakaten wird Magyar als Marionette Brüssels dargestellt. Bildquelle: AP Photo/Denes Erdos.
Welche Botschaft hatte Viktor Orban für seine Anhängerinnen und Anhänger?
In den letzten Wochen hat sich ein Kernthema herauskristallisiert: Und zwar stellt er die Wahl dar als eine Entscheidung zwischen Krieg und Frieden. Er sagt von sich, er sei der Einzige, der garantieren könne, dass es Brüssel nicht gelingt, Ungarn in den Krieg in der Ukraine hereinzuziehen. Und dass Peter Magyar eine Marionette von Brüssel ist, quasi von Brüssel erfunden wurde, um einen Machtwechsel in Budapest zu erreichen.
Was macht Peter Magyar im Vergleich zu Orban denn attraktiv?
Da muss man zwei Punkte beachten: Zum einen ist in den letzten vier Jahren eine grosse Unzufriedenheit mit der Regierung entstanden, was vor allem mit der sehr hohen Inflation zu tun hat. Diese führte zu einer sehr grossen Unzufriedenheit mit den Regierenden.
Der entscheidende Punkt dieser Kundgebungen ist es, Stärke zu zeigen.
Auf der anderen Seite ist Peter Magyar erst vor zwei Jahren auf der politischen Bühne aufgetaucht. Er ist eine sehr charismatische Figur, der die Leute anzusprechen weiss. Er reist auch unablässig durchs Land und vermag es auch, konservative Wählerinnen und Wähler anzusprechen – anders als die frühere Opposition hier in Ungarn. Und er ist sehr talentiert mit Social Media. Ihm gelingt es so, die Jungen auch sehr stark zu mobilisieren.
Gewählt wird in rund einem Monat. Welche Bedeutung für die Wahl haben diese beiden Kundgebungen?
Bei diesen Märschen ging es nicht darum, zusätzlich Leute zu überzeugen oder Sympathisanten aus dem anderen Lager umzustimmen. Sondern es ging darum, Stärke und Grösse zu zeigen. Entscheidend ist in einem Land, das so polarisiert ist wie Ungarn, wo die Meinungen weitgehend gemacht sind, die eigenen Leute an die Urne zu bringen. Und das gelingt natürlich nur, wenn man den Leuten zeigen kann: Wir können wirklich die Mehrheit erringen. Das war im Prinzip der entscheidende Punkt heute: Stärke zeigen.
Das Gespräch führte Brigitte Kramer.