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Nach der Machtübernahme der Taliban: Dramatische Szenen am Flughafen – Analyse
Aus Tagesschau vom 16.08.2021.
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Die Taliban an der Macht Das müssen Sie zum Afghanistan-Konflikt wissen

Nach dem Truppenabzug der USA ist Afghanistan zurück in den Händen der Taliban. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wer sind die Taliban und was wollen sie? Die Taliban sind eine militant-islamistische Gruppierung, die von 1996 bis 2001 in Afghanistan an der Macht war und ein brutales Regime mit strenger Religionsauslegung führte. Sie wollen einen islamischen Gottesstaat mit der Scharia als Gesetz. Die Taliban sahen sich auch während der letzten 20 Jahre als die rechtmässigen Machthaber und nannten sich «Islamisches Emirat von Afghanistan», wie SRF-Südasienkorrespondent Thomas Gutersohn erklärt.

Afghanistan: Islamische Republik am Hindukusch

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Afghanistan ist ein zentralasiatischer Binnenstaat, der sich über gut 650'000 Quadratkilometer erstreckt. In dem Land an der dominierenden Gebirgskette Hindukusch leben rund 35.5 Millionen Menschen, davon rund 4.9 Millionen in der Hauptstadt Kabul. Die Lebenserwartung bei Geburt liegt bei rund 52 Jahren. In Afghanistan leben über 50 Ethnien, die grösste Bevölkerungsgruppe stellen die Paschtunen. Das Land gilt als einer der ärmsten Staaten der Welt.

Die Islamische Republik wurde zuletzt im Präsidialsystem geführt. Offizielles Staatsoberhaupt ist derzeit noch Präsident Mohammad Ashraf Ghani, der sich nach der Machtübernahme durch die Taliban ins Ausland abgesetzt hat.

2001 hatten die USA die Taliban in Afghanistan gestürzt. Was war der Auslöser? Die USA warfen den Taliban vor, die Terrororganisation Al-Kaida zu unterstützen. Diese wurde für die Terroranschläge in den USA vom 11. September 2001 verantwortlich gemacht. Die Al-Kaida konnte in Afghanistan und von Afghanistan aus relativ unbehelligt agieren.

Die Konflikte in Afghanistan dauern aber seit rund 40 Jahren an. Nach dem Sturz von König Zahir Schah war es 1978 zu einem Staatsstreich gekommen. Es folgten Jahre des Krieges zwischen verschiedenen Parteien. 1996 gelangten die Taliban an die Macht bis sie 2001 durch die USA gestürzt wurden.

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Geschichte Afghanistans – ein Rückblick
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Warum blieben die US-Truppen danach 20 Jahre dort? Auch andere NATO-Truppen blieben in dem Land am Hindukusch. So waren etwa Soldaten aus Deutschland, Italien und Grossbritannien im Einsatz. Sie sollten das Land stabilisieren und den innerafghanischen Friedensprozess fördern. 2004 bekam Afghanistan eine neue Verfassung, die etwa Frauen und Männern gleiche Rechte zuspricht. 2014 wurde Mohammad Ashraf Ghani zum Präsidenten gewählt. Seit 2018 gab es Friedensverhandlungen, an denen auch die Taliban beteiligt waren. 2021 begann dann der Abzug der internationalen Truppen als Folge davon.

Das haben die Taliban mit IS und Al-Kaida zu tun

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Während die Taliban eine militant-islamistische Gruppierung sind, gelten Al-Kaida und der IS als islamistische Terrororganisationen. Al-Kaida und ihr Oberhaupt Osama bin Laden unterhielten während der Herrschaft der Taliban (1996 bis 2001) zahlreiche Trainingslager in Afghanistan. Die USA warfen den Taliban vor, sie würden die Terroristen unterstützen. Deshalb stürzten sie die Taliban 2001.

Die beiden Terrororganisationen IS und Al-Kaida indes unterscheiden sich in ihrer Ideologie kaum, sie kämpfen den «Dschihad» im Namen Gottes gegen die «Ungläubigen», Gewalt ist dabei legitim. Al-Kaida galt lange Zeit als die Nummer 1 unter den Terrorgruppen. Das änderte sich, als der IS im Irak immer stärker wurde und zunehmend eigenständig handelte. Davor war die Terrormiliz ein Ableger Al-Kaidas gewesen. Zum Bruch kam es, als sich der IS nach Syrien ausdehnte und dort das Oberkommando über alle Dschihadisten übernehmen wollte.

Was bedeutet die Machtübernahme durch die Taliban für die Bevölkerung? Viele Afghanen befürchten, die Taliban könnten mit der Rückkehr an die Macht erneut eine sehr strenge Auslegung des islamischen Rechts durchsetzen. Die Taliban bekräftigen indes, Rechte von Frauen und Minderheiten sowie die Meinungsfreiheit würden respektiert, wenn sie der Scharia entsprächen.

Wie wollen die Taliban regieren? «Sie sagen, dass sie es befürworten, wenn Frauen weiter einem Beruf nachgehen, allein aus dem Haus gehen», erklärt SRF-Südasienkorrespondent Thomas Gutersohn. «Das war den Frauen während der letzten Taliban-Herrschaft bis 2001 noch untersagt.» Sorgen der internationalen Gemeinschaft wolle man im Dialog lösen, sagte ein Taliban-Sprecher gemäss der Nachrichtenagentur Reuters. «Wir haben das erreicht, was wir gewollt haben, nämlich die Freiheit unseres Landes und die Unabhängigkeit unseres Volkes», zitiert Reuters den Taliban-Sprecher.

Tagesschau, 16.08.2021, 12:45 Uhr;

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Ernst U. Haensler  (ErnstU)
    Und wie immer hier wird der Islam und was im Koran steht, zB tötet alle Ungläubige, Krieg, Krieg, ausgeblendet bzw zensuriert.
    1. Antwort von Lukas Schmid  (Traugott)
      Steht ja da, das die Taliban die Scharia einführen wollen.
      Und ich glaube in der Bibel steht auch was von Heiden töten.
      Interessanter ist ja das alle auf Empörung und Panik machen, wir aber schon mehrere Emirate haben. Siehe Golfregion.
      Diese haben auch die Scharia, und sind viel gefährlicher weil sie noch Milliarden ÖLdollars haben um Weltweit einfluss zu nehmen.
      Aber mit denen machen wir halt lieber Geschäfte.
      Money, Money, Money
  • Kommentar von Javier López  (Javier López)
    Es gehört zur DNA der USA, dass ihre Verbündete oft ihre Feinde werden.
    Zweiter Weltkrieg: Josef Stalin, die Mafia
    Vietnam: Ho Chi Minh
    Panama: Manuel Noriega
    Irak Saddam Hussein
    Afghanistan: Taliban
    1. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Weder Hussein noch die Talibans oder auch Onkel Ho oder Stalin waren jemals Verbündete der USA. Sie mögen in gewissen Phasen mit den USA gegen einen gemeinsamen Feind, Nazideutschland/Japan gekämpft haben, das wars dann aber auch!
    2. Antwort von Peter M Haller  (Peter M Haller)
      @ Ueli Lang: Was Javier López sagt, ist absolut korrekt. Entweder unterstützten die USA die Genannten militärisch und finanziell oder sie hielten sich raus. Wie die Franzosen um Unterstützung in Dien Bien Phu baten, meinte John Kennedy: Ho- Chi-Minh kämpft um die Befreiung von einer Kolonialmacht, wir werden Frankreich nicht unterstützen. Kurze Zeit später als Präsident sagte er: Wir müssen den Kommunismus bekämpfen.
  • Kommentar von Lothar Drack  (spprSso)
    Bin erstaunt, in einem Abriss «Das müssen Sie zum Afghanistan-Konflikt wissen» nichts über den ebenso hilflosen sowjetischen Versuch zu lesen, mit einer Invasion (1979) und Besetzung eine Veränderung herbeizuführen, währenddessen die USA als Gegenspieler afghan. Warlords unterstützte, in etwa das Personal, das jetzt unter Taliban läuft, wie mir aus der Ferne scheint.
    1. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Aus der Ferne sind alle Wölfe grau! Ausserdem war vor den Russen auch was - Bürgerkrieg enemisch!