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Die USA sind auf der Hut China und Indien nähern sich an – was das machtpolitisch bedeutet

Stand der Beziehungen: Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hat – als Zeichen sich bessernder Beziehungen –eine engere Zusammenarbeit mit Indien gefordert. China und Indien seien Partner, keine Rivalen, sagte Xi zu Indiens Ministerpräsident Narendra Modi am Rande des Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) in Tianjin. Beide Länder stellten füreinander Entwicklungschancen und keine Bedrohungen dar.

Narendra Modi und Xi Jinping schütteln sich die Hand.
Legende: Indiens Ministerpräsident Narendra Modi (links) und Chinas Staatschef Xi Jinping (rechts) schütteln sich vor der Weltöffentlichkeit die Hand. Reuters/India's Press Information Bureau

Aktueller Anlass: Modi ist erstmals nach sieben Jahren wieder an den Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) im chinesischen Tianjin gereist. Zuvor hatten sich die beiden bevölkerungsreichsten Länder der Welt wieder angenähert, nachdem sich ihre Beziehungen wegen eines eskalierten Grenzkonflikts verschlechtert hatten. Modi lobte beim einstündigen Treffen die zurückliegenden Fortschritte in dem Konflikt.

SOZ-Gipfel

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Das Gipfeltreffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) findet am Sonntag und Montag in der nordchinesischen Hafenstadt Tianjin statt. Den Vorsitz hat Chinas Staatschef Xi Jinping inne. Zu den SOZ-Staaten gehören China, Belarus, Indien, der Iran, Pakistan, Russland sowie vier zentralasiatische Staaten. Das diesjährige Treffen ist das grösste seit seiner Gründung im Jahr 2001.

Territorialer Konflikt: Indien und China streiten sich seit den 1950er-Jahren um ein Gebiet im Himalaya, das sich entlang einer rund 3500 Kilometer langen Grenze von den Schneewüsten in der Region Ladakh im Westen bis zu den Bergwäldern im Osten erstreckt. Aus Pekings Sicht liegt das Gebiet im Süden Tibets und aus der Warte Neu-Delhis im Norden des indischen Bundesstaates Arunachal Pradesh. Im Ringen ums Territorium gingen 2020 Soldaten beider Seiten mit Fäusten und Steinen aufeinander los. Es gab Tote auf beiden Seiten.

Zeichen der Entspannung: Seit einem Treffen Xis und Modis im Oktober stehen die Zeichen wieder auf Entspannung. Anfangs letzter Woche hatten sich die beiden Atommächte auf «Frieden und Ruhe» an ihren Grenzen geeinigt. Zudem wollen China und Indien wieder Touristenvisa ausstellen und Direktflüge gewähren. Am Sonntag sagte Modi laut einem auf der Plattform X verbreiteten Video zu Xi, an der Grenze sei eine Atmosphäre des Friedens und der Stabilität geschaffen worden. Xi sagte der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge, dass die bilateralen Beziehungen nicht von der Grenzfrage bestimmt werden dürften.

Wir dürfen die Grenzfrage nicht die gesamten chinesisch-indischen Beziehungen bestimmen lassen.
Autor: Xi Jinping Chinesischer Staatspräsident

Beobachtung durch USA: Die Annäherung Indiens und Chinas dürften vor allem von der US-Regierung genau beobachtet werden. Die Chinesen sind wichtige Handelspartner für Indien. Im laufenden Handelsstreit mit US-Präsident Donald Trump hatte sich Neu-Delhi zuvor bereits Russland angenähert: Bei einem Telefonat mit Kreml-Chef Wladimir Putin vereinbarten beide Seiten, ihre Zusammenarbeit zu verstärken. Und weil Indien trotz des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine weiter russisches Öl kauft, hatte die US-Regierung Strafzölle in Höhe von 50 Prozent auf indische Waren verhängt.

Indiens multiples Beziehungsnetz: Xi und Modi könnten eine geschlossene Front gegen den Druck des Westens aufbauen wollen. Dass sich Indien aber völlig von den USA abkehrt, halten Experten allerdings für unwahrscheinlich. Das Land gehört mit den USA, Japan und Australien zum Quad-Sicherheitsdialog im Indopazifik. Modis Tianjin-Besuch ging zudem eine Reise nach Japan voraus, wo er mit seinem Amtskollegen Shigeru Ishiba mehr Investitionen vereinbarte.

Ungelöste Streitfragen zwischen China und Indien

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Zwischen Indien und China gibt es weitere ungelöste Streitfragen. So lebt etwa der Dalai Lama in Indien im Exil. Die Führung in Peking sieht in ihm einen Separatisten und fordert, Tibet als unveräusserlichen Teil Chinas anzuerkennen. Darüber hinaus schürt ein geplantes chinesisches Staudamm-Grossprojekt in Tibet Befürchtungen, es könnte die Wassermenge des für Indien wichtigen Flusses Brahmaputra erheblich reduzieren.

SRF 4 News, 31.08.2025, 11 Uhr ; 

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