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Diplomatie im Krieg EDA-Diplomatin: «Unsere Leute verbrachten die Nacht im Keller»

Die Lage im Nahen Osten ist unübersichtlich. Die Schweiz hält ihre Botschaften im Iran, in Israel und verschiedenen Golfstaaten nach wie vor in Betrieb. Monika Schmutz Kirgöz, Leiterin der Abteilung Mittlerer Osten und Nordafrika im Aussendepartement (EDA), über die angespannte Situation in Teheran, die Signale aus den Golfstaaten und die Sicherheit des Schweizer Botschaftspersonals vor Ort.

SRF News: Frau Schmutz Kirgöz, wie war Ihre Nacht?

Schmutz Kirgöz: Ich habe etwa fünf Stunden geschlafen. Heute Nacht wurde offiziell von iranischer Seite bestätigt, dass der oberste Führer Ali Khamenei tot ist. Ich habe bereits mit unserem Botschafter im Iran und den Kollegen in Tel Aviv gesprochen. Die Situation in Teheran ist sehr angespannt, es gibt wieder Bombenanschläge, und wir müssen mit Demonstrationen vor unserem Standort für US-Interessen rechnen. Die Ereignisse überstürzen sich.

Im schlimmsten Fall, wenn kein Telefon mehr funktioniert, würde unser Botschafter persönlich im Ministerium vorbeigehen.

Die Schweiz agiert als diplomatischer Kanal zwischen den USA und dem Iran. Funktioniert dieser noch?

Der Kanal ist offen, und es ist fundamental wichtig, dass er das auch in Kriegszeiten bleibt. Wenn Washington eine Nachricht nach Teheran übermitteln will, läuft das über uns. Im schlimmsten Fall, wenn kein Telefon mehr funktioniert, würde unser Botschafter persönlich im Ministerium vorbeigehen. Es ist allerdings im Moment eine unübersichtliche Situation, einige aus der obersten iranischen Führungsriege wurden getötet. Ob der Kanal im Moment genutzt wird, sagen wir nicht.

Wie sicher sind Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Teheran?

Die Kommunikation ist schwierig, das Festnetz und das Internet funktionieren nur teilweise. Es ist eine Kriegssituation. Es gibt in der Botschaft keinen offiziellen Schutzraum. Aber die Residenz des Botschafters ist unterkellert, und dieser Keller ist gut geschützt. Dort hat das Personal die Nacht verbracht. In Israel mussten der Botschafter und sein Team gestern 20 Mal den Schutzkeller aufsuchen.

Dass der Oman nun selbst angegriffen wurde, kann man als Niederlage für die Diplomatie bezeichnen.

Der Iran hat auch Ziele in verschiedenen Golfstaaten angegriffen. Welche Signale haben Sie aus den dortigen Botschaften?

Die iranischen Angriffe kamen für die Golfstaaten mehrheitlich unerwartet. Viele dieser Länder hatten gesagt, sie würden ihr Territorium nicht für Anschläge gegen den Iran zur Verfügung stellen. Der Oman hat sich bis zuletzt stark für eine Verhandlungslösung eingesetzt. Dass das Land nun selbst angegriffen wurde, kann man als Niederlage für die Diplomatie bezeichnen.

Sie haben gestern auch mit dem iranischen Botschafter in der Schweiz gesprochen. Was hat er Ihnen gesagt?

Er ist der Meinung, dass die Schweiz die Angriffe von Israel und den USA viel zu wenig dezidiert verurteilt hat. Er hat mich über einen Angriff auf eine Schule mit 100 Todesopfern informiert und den Standpunkt seiner Regierung in aller Deutlichkeit dargelegt. Ich habe ihm unsere Position erklärt: dass das Völkerrecht jederzeit eingehalten und die Zivilbevölkerung geschützt werden muss.

Wie geht es im Iran weiter, ist ein Regimewechsel realistisch?

Das Regime ist nach wie vor verankert, es gibt bis zu fünf weitere Hierarchiestufen, die nachrücken können. Es könnte zu einer Spaltung der Gesellschaft kommen. Der Iran ist ein Vielvölkerstaat, es gibt Leute, die sich über die Anschläge freuen, und andere, die dem Regime sehr nahestehen. Die Gefahr besteht, dass es zu viel interner Gewalt kommt. Viele Analysten sind überzeugt, dass eine Lösung aus dem Iran selber kommen sollte, nicht von aussen.

Das Gespräch führte Simone Hulliger.

Tagesgespräch, 01.03.2026, 13 Uhr ; 

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