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Afghanistan: Was ist eigentlich mit Al-Kaida und IS?
Aus HeuteMorgen vom 20.08.2021.
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Einschätzung zu Islamisten Profitieren Al-Kaida und der IS von der Taliban-Machtübernahme?

Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan stellt sich die Frage, ob beispielsweise Terrororganisationen wie Al-Kaida oder der Islamische Staat (IS) nun auch wieder aktiver werden. Beide sind zwar noch immer präsent in Afghanistan, aber schwach. Dennoch könnte der Vormarsch der Taliban ihnen neuen Schub verleihen. Der Terrorexperte Peter Neumann schätzt die Lage ein.

Peter Neumann

Peter Neumann

Politikwissenschaftler

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Der deutsche Politikwissenschaftler ist Terror-Experte und war 2008 bis 2018 Direktor des «International Centre for the Study of Radicalisation» am Londoner King’s College.

SRF News: Profitieren Al-Kaida und der IS von der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan?

Peter Neumann: Ich glaube schon. Es ist auch ganz deutlich in den sozialen Medien und auf den Propagandakanälen der verschiedenen Organisationen zu sehen, dass sie versuchen, diesen Sieg in Afghanistan ganz extrem auszuschlachten.

Was stellen die Taliban konkret dar?

Sie sagen quasi: «Schaut euch die Taliban an! Selbst den Taliban ist es gelungen, Amerika zu bezwingen.» Das ist ein ganz wichtiges Signal auch für Anhänger vom Islamischen Staat (IS) überall in der Welt, weil nämlich gesagt wird: «Wir können wieder gewinnen, wir sind wieder wer.» Nach vielen Niederlagen und nach dem Niedergang des Kalifats in Syrien und im Irak gibt es jetzt wieder eine Chance, nach vorne zu kommen.

Wird die Machtübernahme der Taliban den anderen terroristischen Organisationen nun einen Aufwind verschaffen?

Das ist natürlich die Befürchtung. Das versuchen sie natürlich auszuschlachten und sagen: «Schaut, was den Taliban gelungen ist. Das kann uns auch gelingen. Die globale dschihadistische Bewegung ist nicht tot. Wir haben Niederlagen gehabt, wir haben das Kalifat in Syrien und im Irak verloren, aber es geht wieder nach vorne. Was nun die Taliban geschafft haben, müssen wir jetzt auch an anderen Orten versuchen.»

Muss der Westen also wieder vermehrt mit Terroraktivitäten rechnen?

Es ist zurzeit ein Versuch, diese Bewegung wieder zu elektrisieren und ihr wieder ein positives Grundrauschen zu verschaffen. Ich sehe das als propagandistischen Versuch, der momentan läuft. Ich glaube, der wird mindestens bis zum 11. September noch weitergehen.

Hat der 11. September also noch eine wichtige Symbolkraft diesbezüglich?

Es ist das 20. Jubiläum der Anschläge in Washington und New York und somit ein wichtiges Datum. Viele Dschihadisten reflektieren darüber, wie es jetzt weitergeht. Die Anschläge vom 11. September waren für viele Dschihadisten nach wie vor der grösste Erfolg, den sie jemals gehabt haben.

Die Anschläge vom 11. September waren für viele Dschihadisten nach wie vor der grösste Erfolg, den sie jemals gehabt haben.
Autor:

Dass jetzt eben fast genau zum 20-jährigen Jubiläum die Taliban es wieder geschafft haben, Amerika nochmals zu bezwingen – so zumindest wird das interpretiert – könnte einigen schon Mut verschaffen. Zumindest wird das in der Propaganda so dargestellt.

Präsident Biden sagte, die USA hätten eigentlich das Ziel erreicht, weil Al-Kaida Afghanistan nicht mehr als Basis benutzen könne. Sind Bedrohungen, die von Afghanistan ausgehen könnten, jetzt wirklich beseitigt?

Also sie sind mehr oder weniger nicht mehr existent in dem Sinne, dass es keine systematische Präsenz mehr gibt. Also es gibt natürlich Anhänger von Al-Kaida und es gibt IS-Anhänger. Sie wurden von der afghanischen Regierung jedoch nicht toleriert – im Gegenteil. Sie wurden sogar bekämpft.

Ich glaube, der wird mindestens bis zum 11. September noch weitergehen.
Autor:

Das erwartet nicht nur Amerika, sondern im Prinzip die gesamte internationale Gemeinschaft inklusive China beispielsweise. Sie erwarten jetzt von den Taliban, dass diese Elemente, die noch existieren, nicht nur nicht willkommen geheissen werden im Land, sondern dass sie aktiv bekämpft werden – auch von den Taliban.

Das Gespräch führte Silvan Zemp.

HeuteMorgen, 20.08.2021, 06:00 Uhr;

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Steiner  (Stein des Anstosses)
    Es sollte sich jede(r) mal das Interview mit Ulrich Tilgner bei Gredig Direkt anschauen, um zu verstehen wie die Afghanen denken und handeln.
  • Kommentar von André Piquerez  (Nemesis1988)
    Wie kann man von den Taliban ernsthaft erwarten dass sie gegen die Terror-Organisationen wie Al-Qaida und IS vorgehen?? Die Taliban selbst sind ja auch Terroristen die bereits Hunderte Anschläge auf Unschuldige verübt haben.
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Wo die Amis im Krieg waren, sei es in Vietnam,im Irak hinterliessen sie nur Zerstörung, Elend, Armut, viele Tote. Am Hindukusch sollte alles besser gemacht werden als in Vietnam. Zwar hatten Konservative dem damaligen US-Präsidenten G. W. Bush die Invasion nach 9/11 im Zuge des "Kriegs gegen den Terror" befohlen, weil die Talibanregierung Osama bin Laden erlaubt hatte, dort Ausbildungslager und Kommandozentralen zu errichten.Alle die in Afghanistan mitmischten sollten deren Flüchtlinge aufnehmen