- Der ehemaliger Prinz Andrew hat eine Polizeistation verlassen, nachdem er zuvor wegen Verdachts auf «Fehlverhalten im öffentlichen Dienst» an seinem Wohnort festgenommen worden war.
- Andrew Mountbatten-Windsor wird vorgeworfen, in seiner früheren Rolle als Handelsbeauftragter vertrauliche Dokumente an den 2019 gestorbenen Jeffrey Epstein weitergeleitet zu haben.
- Nach der Festnahme hat sich sein Bruder, König Charles III., geäussert. Das «Gesetz müsse nun seinen Lauf nehmen», liess das Königshaus in einer schriftlichen Stellungnahme verlauten.
Die Polizei von Thames Valley bestätigte, dass sie Ermittlungen wegen des «Straftatbestand des Fehlverhaltens im öffentlichen Dienst» führt. Dazu habe sie einen Mann festgenommen. Der Name wird von der Polizei nicht genannt, aber es handelt sich um den ehemaligen Prinzen Andrew Mountbatten-Windsor. Er habe den Polizeiposten verlassen können, aber die Ermittlungen würden weiterlaufen.
Fotos der Agentur Reuters zeigen Mountbatten-Windsor in einem Fahrzeug, wie er die Polizeistation nach rund 11 Stunde verlässt. Er wurde aus dem Polizeigewahrsam «under investigation» entlassen, was bedeutet, dass er weder angeklagt noch entlastet wurde, die Ermittlungen also weiterlaufen.
Mountbatten-Windsor wurde am Morgen um 8 Uhr in seinem Haus festgenommen. Die Polizei von Thames Valley teilte mit, dass sie die Durchsuchung seines Hauses in Norfolk abgeschlossen habe, aber noch ein anderes Anwesen in Berkshire durchsuche.
Laut Juristen kann eine polizeiliche Massnahme bis zu 96 Stunden dauern, allerdings ist dann ein Gerichtsentscheid notwendig. Ein «Fehlverhaltens in einem öffentlichen Amt» kann gemäss laut der Strafverfolgungsbehörde Crown Prosecution Service mit lebenslanger Haft bestraft werden.
Ein früherer hochrangiger Polizeibeamter sagte der BBC, dass die Behörden mit der Festnahme Zugang zu Computer, Dateien und anderen Beweismitteln erhalten würden.
Stellungnahme des Königshauses
König Charles III. gab eine schriftliche Erklärung ab: «Lassen Sie mich klar sagen: Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen.» Es folge nun ein umfassendes, faires und ordnungsgemässes Verfahren, in dem diese Angelegenheit durch die zuständigen Behörden untersucht werde.
Die Polizei habe die «uneingeschränkte und vorbehaltlose Unterstützung und Zusammenarbeit», macht König Charles klar und betonte: «Während dieses Verfahren andauert, wäre es nicht richtig, wenn ich mich weiter zu dieser Angelegenheit äussern würde.» Die königliche Familie werde weiter ihre Pflichten erfüllen.
Der ehemalige Prinz hat durch seine Verbindung zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein seine gesellschaftliche Stellung und die Privilegien des Königshauses verloren. Er musste 2019 von allen royalen Pflichten zurücktreten.
Verdächtige E-Mails
Mountbatten-Windsor soll in seiner früheren Rolle als Handelsbeauftragter vertrauliche Dokumente an den 2019 gestorbenen US-Investor Jeffrey Epstein weitergeleitet haben. Die Festnahme folgte auf die Veröffentlichung weiterer Dokumente aus den Ermittlungsakten zu Epstein durch das US-Justizministerium. Britische Medien hatten darin E-Mails entdeckt, die nahelegen, dass Andrew Berichte offizieller Besuche in Hongkong, Vietnam und Singapur an den Finanzier weitergeleitet hat. Mutmassliche Sexualdelikte im Fall Jeffrey Epstein werden von der Polizei bei der Festnahme nicht erwähnt.
Der ehemalige Prinz Andrew äusserte sich nicht zu der Entwicklung am Tag seines 66. Geburtstages.